Cebit 2008: Das Ende des Spagats - DER SPIEGEL
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Cebit 2008 Das Ende des Spagats

Deutlicher als in den letzten Jahren präsentiert sich die Cebit als Fachmesse, auf der die Branche nach Kräften dealen soll. Das jugendliche Fußvolk wird erst am Ende hereingelassen und kommt wie immer mit falschen Erwartungen: Es missversteht die Messe als digitales Unterhaltungsevent.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es geht wieder los. In den letzten Wochen landeten Hunderte E-Mails in den Postfächern der SPIEGEL-ONLINE-Netzwelt, die alle drei Dinge gemein hatten: Sie kamen von PR-Agenturen und Unternehmens-Pressestellen, sie verwiesen auf neue Produkte oder Dienste und sie trugen das Wort "Cebit" im Betreff. Seit einigen Tagen schwillt dieser Meldungsstrom merklich an und wird bis zum 4. März zunehmend auch auf die Seiten von Zeitungen, Magazinen und Internet-Nachrichtenangeboten schwappen: Dann beginnt in Hannover wieder die Leistungsshow der ITK-Branchen.

Aus Sicht der Verbraucher ist die Cebit  vor allem eine Novitätenmesse. Öffentlich wahrgenommen wird sie, weil in ihrem Vorfeld zahllose neue Geräte vorgestellt werden. Kein Event in Europa zahlt sich für die Hardware-Hersteller so sehr in öffentlicher Wahrnehmung aus wie das schwellende Meldungs-Feuerwerk, das stets mit der Cebit verbunden ist. Zu keiner Jahreszeit ist die Bereitschaft der Presse größer, über Produkte nur deshalb zu berichten, weil es sie (manchmal sogar nur angeblich) gibt oder irgendwann geben soll. Das geht so weit, dass sogar Hersteller vermehrte Beachtung finden, die eben nicht in Hannover präsent sind - mitunter sogar deshalb.

Für die Aussteller in Hannover wie für die Organisatoren der Messe ist das eine willkommene Nebenwirkung. Was wäre die Cebit, würde sie nicht in dieser Weise beachtet? Es ist aber auch eine Fehlwahrnehmung, denn anders als die CES in Las Vegas und - zunehmend - die IFA in Berlin ist die Cebit eben keine Gadget-Show. Diese Rolle sollte einst die Cebit Home spielen, die aber bald wieder eingestellt wurde.

Für Aussteller wie Organisatoren misst sich der Erfolg der Messe nicht daran, wie viele Endverbraucher neugierig durch die Messehallen streichen. Die Cebit, machte die Messegesellschaft in diesem Jahr deutlicher noch als zuvor klar, ist vor allem eine Fachmesse. Ihr Erfolg misst sich daran, wie viele Kundenkontakte, wie viele Verträge zwischen Herstellern und Händlern, Zulieferern und Entwicklern an ihren Ständen geschlossen werden.

Nichts macht das klarer als der Blick auf den Hallenplan. Die Messegesellschaft hat sich in diesem Jahr bemüht, das Profil der Messe zu schärfen. Dazu gehört, dass Dinge leichter zu finden sind, Laufwege verkürzt werden, thematisch Verwandtes nicht nur Hallen, sondern ganzen Bereichen des Messegeländes zugeordnet ist. Wohl dem, der sich vornehmlich für die "Public Sector Solutions" interessiert: Die findet er konzentriert am südlichen Ende des Geländes. Eingang Süd, erste und zweite Halle rechts, erste Halle links. So muss das sein.

Kunde, Du bist "nur" Gast

In diesem Jahr, heißt es von Seiten der Messegesellschaft, werde vieles pragmatischer sein als zuvor: Vorbei die Zeit der spektakulären Stand-Paläste. Dafür gibt es Bereiche, die ganz dem Fachbesucher vorbehalten sind; Enklaven, in die sich kein Luftballonträger oder Tütenfüller verirren kann.

Das will der von den Fachleuten despektierlich so genannte ganz gemeine jugendliche Besucher, der diesmal erst am Abschluss-Wochenende (reduzierte Eintrittspreise gelten am 8. und 9. März) Einlass findet, ja auch gar nicht. Schlipsträgern beim Handeln und "schmoozen" zuzusehen, ist nicht sonderlich reizvoll: Das Publikum will die neuen Geräte, die coolen Innovationen sehen.

Anders als der an Lösungen für den Verwaltungsalltag interessierte Behörden-Einkäufer (Eingang Süd, erste und zweite Halle rechts etc. ...) haben wir Normalsterblichen mit der Cebit wieder eine echte sportliche Herausforderung vor uns: Wir dürfen uns die Objekte unserer Begierde in elf kreuz und quer über das Gelände verteilten Hallen zusammensuchen.

Härter noch: Den "Home und Mobile Solutions" sind immer nur Teile dieser Hallen zugedacht. Es wird Stände geben, die zum Teil im Business-Bereich liegen, zum Teil öffentlich zugänglich sind. Warum, wird sich da mancher normale ITK-Interessierte und Verbraucher fragen, wenn die ersten Blasen sprießen, hauen die den ganzen coolen Gadget-Kram nicht einfach in eine Ausstellungshalle für das Publikum?

Die Antwort darauf ist klar: Weil die Cebit eine Fachmesse ist.

Interessant bleibt sie trotzdem. Wie jedes Jahr werden Hunderte von Unternehmen die Gunst der Stunde nutzen, ihre neuen Produktlinien zur Cebit vorzustellen. Und wir Medienmacher werden uns bemühen, die Highlights zu sichten und sie dem Publikum zu zeigen. Auch SPIEGEL ONLINE wird die Cebit-Zeit mit einer Fülle von Informationen über die und zur Messe begleiten. Wer dann am Publikums-Wochenende den Weg nach Hannover nimmt, weiß zumindest, wo er nach den Highlights suchen kann.

Denn Fachmesse hin oder her: Bei der Orientierung auf dem unübersichtlichen Markt von ITK- und Unterhaltungselektronik-Produkten ist das Erlebnis, Geräte selbst zu sehen, zu fühlen und vielleicht sogar ausprobieren zu können, nicht zu ersetzen. Vielleicht schafft die Messe in den folgenden Jahren ja sogar einen Ort dafür.

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