Cebit-Fazit Guck mal, was da grünt
Können Sie den Begriff Webciety erklären? Nicht? Schade, schließlich hat die Messegesellschaft Webciety zum Thema der Cebit 2009 erklärt. Nicht erklärt hat sie allerdings, wie man Webciety in wenigen Worten erklären soll. Da hat man es mit dem Vorjahresthema Green IT schon leichter. Es geht darum, Strom zu sparen und Hightech-Geräte umweltfreundlicher zu produzieren.
Green IT war das Cebit-Thema 2008. Damals aber verbannte die Deutsche Messe Hannover den Ausstellungsbereich zum Messethema in die äußerste Ecke der am Rande des Messegeländes untergebrachten Halle. Nach einiger Kritik an diesem Konzept, auch von SPIEGEL ONLINE, wollte man das in diesem Jahr besser machen.
Statt, wie 2008, ein "Green IT Village" auf der Messe zu plazieren, wurde gleich eine "Green IT World" ausgerufen. Und der wurden großzügig 2000 Quadratmeter Platz in Halle 8 eingeräumt. In der hübsch begrünten Halle zeigten Firmen, Verbände und Ministerien, wie sie sich eine grünere Computerzukunft vorstellen, was sie dazu beitragen, und wie man dabei mithelfen kann.
Noch weit mehr als auf dieser Insel der bekennenden Stromsparer konnte man allerdings auf dem übrigen Messegelände sehen, wie sehr sich Umweltschutzgedanken bereits in konkreten Produkten materialisieren.
Dass sie das nicht tun, weil Firmenlenker und Ingenieure plötzlich zu engagierten Umweltschützern mutierten, belegte der Elektronikkonzern LG Electronics mit einer eigens in Auftrag gegebenen Studie. Deren Ergebnis: Der Energieverbrauch von Elektronik-Geräten wird von den Konsumenten mittlerweile als wichtiges Kaufkriterium angesehen. Und nicht nur von denen. Auch die Einkäufer großer Unternehmen achten zunehmend auf den Stromverbrauch ihrer Anschaffungen, denn der macht oft einen gewaltigen Anteil der Betriebskosten von Firmen aus.
Superspar-PCs, 0-Watt-Ladegeräte und sparsame Rechenzentren: Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie die Computerwelt sich selbst begrünt.
Der 0-Watt-PC
Der Name ist irreführend, das muss man klarstellen. Denn 0-Watt verbraucht der Esprimo Green-PC von Fujitsu Siemens Computers (FSC) natürlich nicht, zumindest nicht, während man ihn benutzt. Zum echten Stromsparer wird er erst, wenn er abgeschaltet ist.
Das ist durchaus bemerkenswert - denn selbst abgeschaltet ziehen handelsübliche Computer noch ein paar Watt aus der Steckdose. Ihre Netzteile behalten stets ein letztes bisschen Strom in der Leitung, damit der PC bei Bedarf schnell erwacht. Der 0-Watt-Rechner von FSC hingegen schaltet komplett ab, verbraucht tatsächlich keinen Strom mehr. Möglich macht's eine patentierte Technik, über die der Hersteller nicht gern redet. Man will ja seinen Vorsprung vor der Konkurrenz behalten.
Das farbenfrohe Spar-Display
Nicht nur besonders sparsam, sondern auch besonders farbenfroh sind die Displays aus der Serie W86 von LG Electronics. Statt der bisher üblichen Lampen verwendet das Unternehmen hier LEDs zur Hintergrundbeleuchtung des LCD-Displays. Die verbrauchen weit weniger Strom und ermöglichen es zudem, mehr Farben anzuzeigen als es mit den bisher verwendeten CCFL-Leuchtröhren möglich war.
"Im Gegensatz zu herkömmlichen Backlights sind die LED's der W86-Serie blei- und halogenfrei. So sorgen sie für eine optimale Hintergrundbeleuchtung und schonen gleichzeitig die Umwelt," sagt LG-Manager Nils Seib. Solche LED-Displays gibt es auch von anderen Herstellern, doch die sind meist sehr teuer, weil häufig teure RGB-LEDs verwendet werden. LG nutzt dagegen die weit billigeren weißen LEDs. Und das wirkt sich natürlich auf die Preise aus, die bei 299 Euro für das 22-Zoll-Modell beginnen.
Das Zerowatt-Ladegerät
Ladegeräte ziehen immer Strom, auch dann, wenn die Akkus längst voll sind. Das lässt sich leicht nachprüfen, indem man bei voll aufgeladenen Akkus das Ladegerät berührt. Die Wärme, die man dabei spürt wird von Strom erzeugt, der überflüssigerweise durch das Gerät läuft. Der Elektronikhersteller Ansmann hat sich vorgenommen, dieser Stromverschwendung Einhalt zu gebieten.
Unter dem Label "Zerowatt - say goodbye to standby", will das Unternehmen eine Reihe von Geräten einführen, die den Standby-Stromverbrauch vieler Geräte auf Null senken. Den Anfang machte auf der Cebit ein Netzteil, das sich komplett abschaltet, sobald es seine Pflicht, die Akkus zu laden, erfüllt hat. Das mag nur ein kleiner Schritt sein, aber es ist ein Anfang.
Das Stromspar-Umspannwerk für PCs
Zu den großen Stromverbrauchern in PCs gehören auch deren Netzteile. Hunderte Watt, manchmal sogar über tausend, wandeln sie in Spannungen um, die von den Bauteilen des Rechners genutzt werden können. Dabei fallen Verluste an, die als Wärme in die Umwelt gepustet werden.
Einige Hersteller arbeiten allerdings seit Jahren daran, die Effizienz ihrer Netzteile zu erhöhen, die Verluste zu minimieren. Einer davon ist die Firma Enermax, die auf der Messe ein Netzteil zeigte, das den Strom mit einer Effizienz von bis zu 91,24 Prozent umsetzt, also weit besser arbeitet als vergleichbare Geräte, die in der Regel rund 80 Prozent Effizienz erreichen.
Das grünere Internet
Auch für die Kunden von Internet-Dienstleistern ist Umweltschutz offenbar wichtig. Das sagt zumindest der Webhoster Strato demzufolge für 79 Prozent seiner Kunden Klimaschutz ein Kaufkriterium ist. Entsprechend rüstet das Unternehmen seine Rechenzentren aus: Die Rechnerräume sind speziell wärmegedämmt, werden von extra angefertigten Klimaanlagen auf ihrer Arbeitstemperatur gehalten.
Vor allem aber argumentiert das Unternehmen damit, dass es ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen, also beispielsweise Wasserkraftwerken für seine Server verwendet. Mit solchen Argumenten lässt sich sicher vortrefflich werben. Und auch die Kunden haben etwas davon, können sie ihre Strato-Webseiten doch Karma-gerecht mit einem Umweltsiegel für CO2-freie Webseiten schmücken. Vor allem aber sorgen die Maßnahmen dafür, dass Stratos Stromkosten sinken. Das macht die Angebote billiger und lässt den Gewinn steigen. Eine Win-Win-Situation also.
Die klimafreundliche Klimaanlage
Bisher wurden Rechenzentren oft nach dem Motto "Viel hilft viel" gekühlt. Weil die dort versammelten Server meist rund um die Uhr laufen und dabei reichlich Wärme abgeben, hat man ihnen einfach eine meist gewaltige Klimaanlage zur Seite gestellt, die Tag für Tag dieselbe Menge Kaltluft produziert, um die Rechner vor dem Hitzetod zu bewahren.
Mittlerweile aber haben die Hersteller dieser Anlagen umgedacht, versuchen alles, um ihre Computer-Kühlschränke effizienter zu machen. Auch, weil deren Stromkosten oft höher sind als die der Rechner, die sie kühlen. Der Trick dabei: Je nachdem wie heiß die Computer werden und welche Außentemperatur herrscht, produziert das System entweder selbst kühle Luft oder pumpt frische Außenluft in den Rechnerraum. Dem Hamburger Hersteller Stulz zufolge ist dies das erste "Präzisionsklimasystem [...], das automatisch im günstigsten Betriebsmodus arbeitet", und damit Einsparungen von bis zu 60 Prozent ermögliche.
Die Hotline für Gerne-Grüne
Wahrscheinlich damit der Umschwung zu grünerer IT etwas schneller kommt, will das Bundesumweltministerium künftig klimafreundliche Innovationen in der IT-Branche mit Zuschüssen und günstigen Krediten unterstützen. Das "IT goes green" genannte Programm funktioniert ähnlich, wie es bei der Wärmedämmung von Altbauten üblich ist. Entwickler und Anwender, die sich besonders energiesparenden Projekten widmen wollen, können günstige Kredite beantragen. Zudem will das Ministerium sich mit bis zu 30 Prozent an den Kosten förderungsfähiger Vorhaben beteiligen.
Interessenten können sich beim IT-Branchenverband Bitkom über Fördermöglichkeiten informieren. Der Verband hat zu diesem Zweck eine Hotline eingerichtet, die unter der kostenfreien Telefonnummer 0800/4733-648 erreichbar ist. Dort sollen sich auch Schulen und Behörden über Einsparmöglichkeiten und entsprechende Förderprogramme informieren können.