Cebit-Start mit Merkel Die Messe schrumpft
300 Aussteller weniger als im vergangenen Jahr, 40.000 Quadratmeter weniger Ausstellungsfläche, ein Tag kürzer - dass weniger mehr sein kann, soll sogar das Schwerpunktthema der Messe suggerieren: "Green IT" heißt letztlich nichts anderes als gleiche Rechenkraft für weniger Strom. Prozessortaktraten scheinen den Weg der Pferdestärken-Zahlen zu gehen: Man ist immer noch erregt von ihrer Größe, schämt sich inzwischen aber ein bisschen dafür. Denn mehr Megahertz bedeuten auch mehr CO2.
Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich für Prozessorprotze interessiert, ist eher unwahrscheinlich. Die Physikerin lässt sich am Dienstagvormittag über die Messe führen, als erstes besuchte sie heute Morgen den Stand des Cebit-Partnerlandes Frankreich. Dann ging es weiter zum Stand der Bundesregierung. Später stehen aber auch noch die Telekom, Microsoft und andere Branchengrößen auf dem Besuchsprogramm.
Mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte Merkel die Messe gestern Abend eröffnet. Um Computer und Datennetze ging es zwischen den beiden allerdings nur am Rande - die Staatschefs sprachen nach ihren Eröffnungreden lieber von wirtschaftlicher Zusammenarbeit, deutschen Investitionen in Frankreich, Kooperation beim Streit um Auto-Emissionen und die von Sarkozy aufs Tapet gebrachte Mittelmeerunion.
Zuvor hatte Merkel gesagt, die Chancen für die deutsche IT-Industrie lägen in der Verschmelzung der Informations- und Telekommunikationstechnik mit den klassischen Industrien. Die gesamte Kommunikationsart der Gesellschaft werde sich durch die Entwicklung der Technologien verändern.
Nach ihr sprach Microsoft-Chef Steve Ballmer und rief den Beginn einer fünften Computerrevolution aus. In den Datennetzen der Welt werde künftig alles an Informationen gespeichert, sagte Ballmer - dabei hat gerade sein eigenes Unternehmen sich dieser Ver-Netzung des Wissens jahrelang mit Macht entgegengestemmt.
Die Interaktion mit Rechnern werde in den nächsten Jahren immer mehr so sein wie mit anderen Menschen. Man werde dem Computer einfach sagen können, was er machen solle. Menschen, die die Messe tatsächlich besuchen, dürften solche Visionen aber nur am Rande interessieren. Ihnen geht es ums Geschäft - und vielleicht doch auch, ein kleines, verschämtes bisschen, um Megahertz.
cis/AP/ddp/dpa