Cebit-Trends Mit dem Tablett ins Bett
Philips verspricht, auf der Cebit 2003 das vernetzte Haus zu zeigen. In dem Zusammenhang wird auf Kaffeemaschinen, Rasierapparate und Glühbirnen ebenso verwiesen, wie auf TV- und Audiogeräte. Doch dass mein Rasierapparat morgens der Kaffeemaschine sagt, dass der Brühvorgang nun gestartet werden könne, bringt mir mein Internet weder auf die Couch noch ins Bett.
Doch Philips wird auf der Cebit auch mir etwas Passendes präsentieren: Das Desxcape 150DM. Dieser Zungenbrecher steht wohl für "detachable" und "escape". Diese abnehmbare Fluchtmöglichkeit ist ein 15-Zoll großes Smart-Display, das von seiner Dockingstation abgenommen werden kann und dann kabellos mit dem Desktop-PC kommuniziert.
Versprochen wird ein niedriger Stromverbrauch dank Intel Xscale-Prozessor, der 5 Stunden kabelfreien Betrieb ermöglicht und immerhin XGA-Auflösung - also 1024 x 768 Bildpunkte - bietet. So viel Eigenintelligenz des Displays hat seinen Preis, in diesem Fall ist von stolzen 1700 Euro die Rede. Wenig smart auch das Gewicht: 2,4 Kilogramm. Das bedeutet im horizontalen Kuschelbetrieb wenig kleidsame "Schwangerschaftsstreifen" am Bauch bei intensiver Nutzung.
Es geht auch kleiner
Drahtlose Smart-Displays liegen dieses Jahr voll im Trend. Ein echter Trendsetter dieser Gattung ist das bereits vor einigen Monaten erstmals gesichtete Viewsonic Airpanel V100.
Zur Cebit werden bereits die Nachfolger V110 und V150 gezeigt. Beim V110 handelt es sich um einen Touch-Screen-Bildschirm, der auf 10,4 Zoll eine webtaugliche Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten herzaubert. Die Displays greifen via WLAN auf Desktop-Ressourcen zu und beim Gewicht liegt das V110 mit 1.200 Gramm schon auf dem richtigen Kurs.
Auch bei Viewsonic ist das Smart-Display letztlich ein Thin-Client, mit eigenem 400 MHz Xscale-Prozessor, 64 MB RAM und Windows CE for Smart-Displays. Um den Verkaufspreis wird, so erklärt der deutsche Pressesprecher Peter Link, noch bis zur letzen Minute geknobelt. Die Philips-Offerte wird da wohl die Marschroute vorgeben.
Tablet-PCs: Die Alternative?
Um SPIEGEL ONLINE zur Sofalektüre zu machen, käme ein Tablet-PC ebenfalls in Betracht. Auch da spielt der Bildschirmhersteller Viewsonic neuerdings mit. Der V1100 wartet mit einem mobilen Pentium-III und 833 MHz Taktfrequenz auf. Eine 20-GB-Festplatte im 2,5-Zoll-Format, USB- und Firewire-Anschlüsse sowie das neue Windows XP für die Gattung der Tablet-PC, profilieren den V1100 als Laptop-Alternative. Für den Preis von rund 3000 Euro könnte man sich allerdings auch eine zwar preiswerte, aber komplette Einbauküche kaufen.
Toshiba will auf der Cebit kein Smart-Display zeigen, sehr wohl aber sein Luxustablett Portégé 3500. Der Rechner läuft ebenfalls mit einem Pentium III Mobile, der gar mit 1,33-GHz getaktet ist. Bluetooth und WLAN ist gleich mit eingebaut, ebenso wie eine 40 GB-Festplatte und 256 MB SDRAM (erweiterbar bis 1024 MB). Als Betriebssystem setzt man auch bei Toshiba auf das Windows "Tabletten"-XP. Der Preis liegt übrigens 200 Euro oberhalb der Modellbezeichnung. Dafür bekommt man zwar bereits einen guten Gebrauchtwagen, aber mit dem Portégé 3500 könnte man dafür im Linienbus bis zu dreieinhalb Stunden lang offene WLAN-Spots suchen. So lange hält nämlich der Akku.
Da lässt sich die Allianz aus Compaq und Hewlett-Packard natürlich nicht lumpen. Mit ihrem HP TC1000 haben die nämlich eine mobile Dream-Machine im Rennen: 1.360 Gramm, inklusive Akku mit genug Energie für 5 Stunden losgelöstem Betrieb, durch einen 1-GHz-Transmeta-Crusoe-Prozessor beflügelt, die WLAN-Karte bereits integriert, eine abnehmbare Tastatur und eine 30 GB-Festplatte mit an Bord. Zur Erfüllung des bescheidenen Wunsches nach Sofasurfen ebenfalls tüchtig überdimensioniert, aber ein Hightech-Hingucker vom Feinsten. Für rund 2300 Euro hat man die Qual der Wahl zwischen der Fernreise mit der Partnerin oder einem TC-1000. Wenn Windows-XP auf dem Tablet-PC weniger Ärger macht als die Freundin über einen versäumten Urlaub, wäre das eine Überlegung wert.
Da bleibt für meinen Geldbeutel nur der trübe Blick in die Niederungen der Pocket-PCs. Dell startet seine Karriere als PDA-Produzent mit einem gelungenen Paukenschlag: Axim X 5 heißt der neue Star für die Hemdtasche. Dass er ein wenig klobig daherkommt wird man schnell verzeihen, denn die Version mit einem 300 MHz-Xscale-Prozessor, 32 MB SDRAM und 65.000 Farben Display sorgt durch einem Einstandspreis von 289 Euro für Aufregung. Die größere Version mit 400 MHz-Prozessor und 64 MB RAM soll 405 Euro kosten. Ein optionaler Akku mit 3400 statt 1450 mA soll bis zu 25 Stunden Betrieb möglich machen. Klasse, nur sind 240 x 320 Bildpunkte für ein unbeschwertes Surfvergnügen immer noch zu wenig.
Fazit
Zwischen Tablet-PC und Smart-Display hinunter zum PDA klafft immer noch eine Riesenlücke, in der meine geheimen Wünsche nach ausgiebigem Web-Couching zu Hause sind.