Cebit-Vorschau: Armband-Handys, Mikro-PCs und grüne Supercomputer - DER SPIEGEL
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Cebit-Vorschau Armband-Handys, Mikro-PCs und grüne Supercomputer

Mitten im Winter meldet sich schon der Frühling, wenigstens der Technik-Frühling: Auf der Cebit-Preview in Hamburg wurde gezeigt, mit welchen Innovationen einige Firmen auf der diesjährigen IT-Messe auftrumpfen wollen. Mit dabei: Der 0-Watt-PC, der Stromspar-Supercomputer und vieles mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Strom sparen war früher. Jetzt ist Stromverzicht angesagt. Zumindest wenn es nach Fujitsu Siemens Computers geht. Statt einfach den Verbrauch zu senken, will das Unternehmen seinen Rechnern den Stromdurst gleich ganz abgewöhnen - wenigstens dann, wenn sie sowieso nicht gebraucht werden.

Aber auch sonst scheint sich Green IT, der umweltbewusste Umgang mit Computertechnik, viel stärker zum Thema zu entwickeln als im Vorjahr, als die Messegesellschaft sich mit einem kleinen grünen Dörfchen einen grünen Anstrich zu verleihen suchte.

Dieses Mal wird geklotzt und nicht gekleckert. Aus dem Green IT Village wird eine Green IT World. Die soll in der ersten Märzwoche 2009, wenn die Cebit stattfindet, eine ganze Halle füllen. Dass sie das schaffen wird steht außer Frage. Schließlich werden auf der Messe sogar Supercomputer gezeigt, die nach grünen Prinzipien konstruiert wurden (siehe unten).

Bei den Herstellern jedenfalls ist das Thema angekommen. Von stromsparenden Mini-PCs über ressourcenschonende Rechenzentren bis hin zu jenen "grünen" Supercomputern wird sich nicht nur in der Green-IT-World vieles auf dem Messegelände um die Themen Umweltschutz und Energiesparen drehen.

An spannenden Technik-Highlights aber, wird es trotzdem nicht mangeln. Das zeigte sich schon Anfang dieser Woche, als in Hamburg etliche Hersteller auf einer Cebit-Preview in Hamburg einen kurzen Blick auf einige ihrer Messehighlights gewährten. SPIEGEL ONLINE war dabei und hat die interessantesten Innovationen herausgepickt.

Der 0-Watt-PC, das superleichte Netbook, der Micro-PC: Sehen sie auf den folgenden Seiten, die ersten Highlights der Cebit 2009:

Einfach aus: Der 0-Watt-PC

Einen Computer der 0 Watt verbraucht gibt es nicht, denken Sie? Richtig, den gibt es tatsächlich nicht und den wird es auch nie geben. Aber einen PC, der wenigstens wenn er ausgeschaltet ist, absolut gar keinen Strom mehr verbraucht, den wird es bald geben.

Normalerweise ist es nämlich so, dass ein PC auch dann, wenn er vermeintlich abgeschaltet ist, immer noch Strom aus der Steckdose zieht. Statt sich komplett abzuschalten versetzt sich der Rechner nur in eine Art Standby-Modus. Je nach Modell verbraucht er dabei immer noch zwei bis vier, manchmal noch mehr Watt. Das mag nach wenig klingen, addiert sich aber zu einer gewaltigen Summe, wenn man in Betracht zieht, dass weltweit rund eine Milliarde PCs in Betrieb sind.

Dieses Problem hat auch die EU erkannt und eine Regelung beschlossen, die dem stillen Stromverbrauch einen Riegel vorschieben soll. Nicht mehr als ein Watt dürfen neue Elektrogeräte daher ab dem 5. Januar 2010 im Standby verbrauchen. Fujitsu Siemens Computers (FSC) aber will noch einen Schritt weiter gehen. Nachdem das Unternehmen vor einem Jahr bereits einen Monitor vorgestellt hat, der ausgeschaltet wirklich keinen Strom mehr verbraucht, soll in diesem Jahr der 0-Watt-PC folgen, ein Computer, der abgeschaltet wirklich abgeschaltet ist.

Wie das technisch genau funktioniert, mag der FSC-Cheftechnologe Joseph Reger noch nicht verraten. Die Patente dafür seien zwar schon angemeldet aber noch nicht gesichert. Er ist sich aber sicher, dass FSC der Konkurrenz mit seiner Technologie einen Schritt voraus ist. Vor allem deshalb, weil seine Firma ein Problem gelöst hat, das den Einsatz vollkommen abgeschalteter Rechner in Firmen bisher verhindert hat.

Gegen das totale Aschalten sprach nämlich bisher, dass es den Systemadministratoren dadurch nicht möglich war, Nachts beispielsweise per Fernwartung Updates auf die Rechner einzuspielen. Dazu müssten die Rechner aus dem Standby geweckt werden, was bei einem 0-Watt-PC nicht geht. Die FSC-Lösung: Der Sparrechner lässt sich so einstellen, dass er auf Wunsch zu bestimmten Zeiten in einen Standby-Modus wechselt. So steht er dann etwa zwischen 2 und 3 Uhr Nachts zu Wartungszwecken bereit, schaltet sich im Anschluss wieder vollkommen aus.

Privatanwender allerdings, können denselben Spareffekt auch viel einfacher erzeugen. Sie schließen den PC einfach an eine schaltbare Steckerleiste an. So kann man den Rechner per Knopfdruck komplett vom Stromnetz trennen, seinen Verbrauch auf 0-Watt senken.

Entfesselte Nomaden: Software für mehr Notebook-Laufzeit

Die Stromsparmechanismen, mit denen Betriebssystem- und Notebookhersteller versuchen, die Akkulaufzeit ihre Mobilrechner zu verlängern, taugen nicht viel. Zumindest nicht genug. So in etwa könnte man die Motivation der Unplugged Nomadics GmbH , kurz UPN, beschreiben. 2006 als Ausgründung des Oldenburger Informatik-Instituts gegründet, will das Unternehmen auf der Cebit sein erstes Produkt vorstellen, den UPN Power Manager.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Windows-Software soll Notebooks zu bis zu 20 Prozent mehr Ausdauer verhelfen. Der Trick dabei ist, dass das Programm den Anwender beim Umgang mit seinem Laptop beobachtet, auswertet welche Programme er benutzt und wie er sie benutzt. Auf Basis dieser Erkenntnisse verfeinert die Software ihre eigenen Energiesparprofile, mit denen sie festlegt wann und wie lange beispielsweise der Bildschirm oder die Festplatte abgeschaltet, der Prozessor in einen Ruhemodus geschickt wird. Darüberhinaus kann man selbst eingreifen, beispielsweise festlegen, dass während einer Präsentation auf Stromsparmaßnahmen ganz verzichtet werden soll.

Die Idee ist gut, wenn die Software hält was sie verspricht. Unter 40 Euro soll sie kosten, wenn sie pünktlich zur Cebit offiziell vorgestellt wird. Die dann angebotene Version wird dem Anwender jede Menge Möglichkeiten bieten, das Energiesparverhalten seines Mobilrechners zu beeinflussen. Weil genau das aber auch ganz schön verwirrend werden kann, dürften sich viele Nutzer eher für die parallel angebotene Light-Variante erwärmen. Die soll nicht nur weniger kosten, sondern auch weniger manuelle Eingriffsmöglichkeiten bieten - und gerade deshalb vielleicht besser ankommen.

Minimalist mit grünem Kern: Teo-Ultramicro

Dass Notebooks, vor allem Netbooks, sich mit einem Strombedarf von 20 bis 30 Watt begnügen, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Ebenso daran, dass Desktop-PCs sich nicht selten schon im Leerlauf 60 Watt genehmigen, unter Last glatt 100 bis 200 Watt aus der Steckdose ziehen - zuzüglich Monitor.

Foto: Matthias Kremp

Ganz anders der neue Stromspar-Zwerg des niedersächsischen PC-Herstellers Christmann. Der braucht - inklusive 22-Zoll-Display - im Betrieb nicht mehr als 21 bis 22 Watt. Und ebenso sparsam wie er mit Strom umgeht, geht er auch mit Platz um. Der komplette Rechner hat eine Grundfläche, die nur knapp größer ist als eine Mini-CD. Er kann mit vier Schrauben an der Rückwand eines Monitors befestigt werden.

Dafür darf man ihm allerdings auch keine übermäßig anstrengenden Aufgaben übertragen. Texte schreiben, E-Mails, lesen, Websurfen, das alles ist kein Problem für ihn. Mit Photoshop oder 3D-Spielen dagegen sollte man dem Winzling nicht zu nahe kommen. Bei solchen Belastungen würde sein schwachbrüstiger Via-Prozessor die Waffen strecken.

Noch nicht mal ein Liter Volumen: Die Windbox

Deutlich leistungsfähiger, aber im Vergleich mit Standard-PCs immer noch ein Rechenzwerg, ist MSIs WindBox. Auf den ersten Blick, glaubt man so etwas wie eine Endstufe für eine Autoradio vor sich zu haben. Tatsächlich aber steckt in dem flachen schwarzen Gehäuse ein kompletter Nettop, ein PC auf Basis des in Netbooks benutzten Intel-Atom-Prozessors also.

Entsprechend unaufregend ist auch die Ausstattung gehalten: 120 Gigabyte Festplatte, 1 Gigabyte Arbeitsspeicher, 3 mal USB, Netzwerk- und W-Lan-Anschluss. Ungewöhnlich ist nur das integrierte Speicherkartenlesegerät. Zwar lässt sich die Windbox auch einfach auf den Tisch legen, eleganter ist's aber, man schraubt sie hinten an den Monitor. Letzterer wird leider nur analog, per VGA-Anschluss, angesteuert.

Dafür ist der Preis umso erfreulicher: 269 Euro veranschlagt MSI für eine WindBox mit Windows XP. Varianten mit Linux-Betriebssystem wird es auch geben, die dürften dann zu einem geringfügig niedrigeren Preis eine etwa bessere Ausstattung bieten.

Eine grüner Supercomputer: Christmann RECS

An Ausstattung wird es dem RECS-Supercomputer von Christman dagegen nicht fehlen. Bis zu 20 Prozessorkerne sollen in dem flachen Rackserver-Gehäuse Platz finden. Gemeinsam werde damit eine Leistung von 200 bis 300 Gigaflop/s. Das können auch andere.

Das Besondere am RECS, dem "Ressourceneffizienten Cluster-Server" ist aber, dass er dabei mit einer Stromaufnahme von 350 Megaflop/s pro Watt einen geringeren Energiebedarf hat als die meisten anderen Supercomputer. Zudem würden die vielen Rechenkerne zu einem einzigen virtuellen Computer zusammengefasst. Das mache Betrieb und Programmierung des Rechners viel einfacher als es bei Supercomputern üblich ist.

In Kombination mit dem Preis des Rechners, der mit etwa 15.000 Euro taxiert wird, soll der RECS Supercomputerleistung auch für kleinere Firmen erschwinglich machen, die sich Rechenleistung ansonsten beispielsweise von großen Rechenzentren anmieten müssten.

Fast ein iMac: MSI Neton

Das Bild kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder. Mit der Neton-Serie hat es das taiwanische Unternehmen MSI geschafft, Apples Konzept vom All-in-one-Computer fast nahtlos in die Windows-Welt zu übertragen. Wie beim iMac ist die gesamte Elektronik rund um das Display in einem flachen, sogar recht eleganten Gehäuse untergebracht.

Das allerdings ist nicht wie bei Apple aus Aluminium gefräst, sondern aus Plastik gespritzt. Auch die Innenausstattung kann es nicht mit den Schreibtisch-Macs aufnehmen: Atom-Prozessor mit 1,6 Gigahertz, 1 Gigabyte Arbeitsspeicher und 160 Gigabyte Festplatte dienen als Antrieb. Das ist Netbook-Technik.

Der Preis allerdings spricht eindeutig für den Neton. In der Version AP1900, mit 19-Zoll-Bildschirm soll er 599 Euro kosten, inklusive Windows XP, DVD-Brenner, W-Lan, Cardreader und Webcam. Der günstigste iMac kostet 999 Euro. Dem allerdings nähert sich eher das nachfolgende MSI-Modell, der Neton AP2203 an. Ausgestattet mit einem 22-Zoll Display soll selbst der noch billiger sein als ein iMac.

Noch ein Edel-Netbook: EeePC 1002HA

Die Zeit, in der es für ein Netbook ausreichte, einfach nur billig zu sein, ist eindeutig vorüber. Die meisten Geräte dieser Klasse haben einen identische Grundausstattung: Windows XP, 1 GB RAM, 160 GB-Festplatte, W-Lan. Sich da aus der Masse abzuheben funktioniert eigentlich nur noch über das Design - so wie bei dem neuen Asus EeePC.

Statt in billiges Plastik wird der in gebürstetes Edelstahl gepackt - zumindest teilweise. Das soll dem Mobilrechner zu mehr Stabilität, und vor allem zu einem edleren Look verhelfen. Ob so etwas tatsächlich ausreicht, um sich von der Konkurrenz abzuheben, darf bezweifelt werden. Andere Hersteller setzten zur Cebit auf technische Innovationen, wie beispielsweise die Kombination kleiner, sparsamer Flash-Speicher mit großen billigen Festplatten. Da muss Asus bis zur Cebit noch etwas nachlegen.

Guck mal wer da anruft: Das Eee-Telefon

Dass man sich nicht auf dem Erfolg der EeePC-Serie ausruhen sollte, scheint sich aber auch bei Asus herumgesprochen zu haben. Mit dem Eee Videophone versucht sich die Firma jetzt auch als Hersteller ungewöhnlicher Telefonlösungen.

Das Eee Videophone allerdings wird nicht mir der Telefondose, sondern mit dem Heimnetzwerk oder W-Lan verbunden. Hat man sich einen entsprechende Skype-Account eingerichtet, kann man lustig drauflos telefonieren, mit anderen Skype-Teilnehmern kostenlos, ins Festnetz gegen Gebühr. Und wenn man mag, schaltet man die integrierte Webcam ein und kann über den 800 mal 480 Pixel auflösenden Bildschirm Videotelefonate führen.

Zu kämpfen hat das Gerät allerdings mit seiner Akkulaufzeit. Nicht mehr als 20 Minuten netzunabhängige Sprechzeit gibt der Hersteller an. Man sollte also darauf achten, immer eine Steckdose in der Nähe zu haben, wenn man mit dem 259 Euro teuren Internet-Telefon längere Plaudereien vorhat.

Bitte sprechen sie jetzt: Ein Pulsar fürs Handgelenk

Weit mobiler als das Videophon von Asus, ist die neue Freisprecheinrichtung von Hama. Wie eine Spangenuhr wird das Gerät am Handgelenk getragen. Daher könnte auch der Name kommen: Pulsar heißt der Hightech-Freisprecher, der immer am Puls seines Trägers ist.

Per Bluetooth wird der Pulsar drahtlos mit dem Handy gekoppelt, kann dank A2DP-Protokoll auch Musik vom Telefon an den Lautsprecher weiterleiten - und damit auch gleich seine Umgebung beschallen. Angst vor Mit-Hörern darf man bei dieser Form der Freisprecheinrichtung sowieso nicht haben.

Ein Bild sucht mehr als Worte: Handysuchmaschine Otello

Grundsätzlich könnte man unterwegs mit jeden internetfähigen ganz normale Websuchen starten. In der Praxis aber ist das meist viel zu umständlich. Suchbegriffe einzugeben geht mit Handytastaturen oft nur sehr langsam, manchmal findet man das richtige Suchwort nicht auf Anhieb. Eine Alternative will der Suchdienst otello 4242 liefern.

Der soll es ermöglichen, per Handykamera im Internet zu suchen. Man macht einen Schnappschuss von einem Gebäude oder einem Plakat und eine Spezialsoftware schickt das Bild an den Server des Suchdienstes weiter. Jener liefert als Ergebnis weiterführende Informationen zum jeweiligen Objekt an das Handy zurück - ganz ohne Tipperei. Zuerst soll die entsprechende Software für einige Blackberry-Smartphones verfügbar werden. Das genaue Start-Datum ist aber noch offen.

Die Tastatur ist der PC: Eee Keyboard

Während PCs immer kleiner werden, behalten Tastaturen ihren Formfaktor seit Jahren bei. Warum also nicht den vielen ungenutzten Luftraum in einer Tastatur nutzen und darin PC-Technik unterbringen? So mögen es sich die Ingenieure von Asus gedacht haben, als sie das Eee Keyboard entwickelten.

In dieser Tastatur nämlich steckt ein kompletter PC, samt Mini-Monitor. Über dessen technische Details breitet der Hersteller noch den Mantel des Schweigens. Sicher ist aber, dass dieses ganz besondere PC-Keyboard beispielsweise über einen Cardreader für Digitalkamera-Speicherkarten sowie zwei USB-Anschlüsse verfügen wird. Per Wireless-HDMI sollen Bild und Ton an Fernseher und Stereoanlage übertragen werden, Internetdienste kommen per W-Lan an Bord.

Unklar ist nur, wann das Gerät in den Handel kommt - und zu welchem Preis.

Richtig laut: Das Audio-Keyboard

Weg mit dem Kabelverhau lautet das Motto, nach dem Hama die Tastatur SL 700 hat entwickeln lassen. Das Argument des Herstellers: "Auf einigen Schreibtischen herrscht ziemliches Gedränge. Gut, wenn da ein Gerät die Funktion eines zweiten mitmachen kann".

Und genau das soll die klingende Tastatur tun. Statt einfach nur Tastenanschläge an den PC weiterzuleiten, lässt sie sich von dort aus auch mit Musik ansteuern, die über zwei eingebaute Lautsprecher ausgegeben wird. Kristallklaren Klang spricht Hama den beiden kleinen Schallwandlern zu. Für Internet-Telefonate oder Voice-Chats ist zudem ein Mikrofon eingebaut.

Und wenn einem die Rundum-Beschallung doch einmal auf die Nerven geht, ist auch dafür vorgesorgt. Eine integrierte Buchse ermöglicht den Anschluss eines externen Headsets. Dann herrscht wieder Ruhe - zumindest für die anderen.

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