CES-Keynote: Warten auf den Google-Coup - DER SPIEGEL
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CES-Keynote Warten auf den Google-Coup

Der Suchmaschinenbetreiber Google überrascht die Branche immer wieder mit neuen Ideen. Auf der Messe CES in Las Vegas kocht die Gerüchteküche. In seiner ersten Keynote wird Firmengründer Larry Page heute den Google Video Store und das Google Software-Pack vorstellen.
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Heute Nacht darf sich Google, der Shooting-Star des Internets, erstmals auf Augenhöhe mit den großen Elektronikkonzernen wähnen. Larry Page, Mitgründer der erfolgreichsten Suchmaschine der Welt, hält um ein Uhr deutscher Zeit auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas eine Keynote. Ein Novum - in den vergangenen Jahren waren es stets Bill Gates und CEOs der Hardwarebranche, die auf der Messe ihre Zukunftsvisionen ausbreiten durften.

Gates hat auch in diesem Jahr die erste Keynote gehalten, doch heute sprechen mit Google-Chef Page und Yahoo-CEO Terry Semel zum ersten Mal auch reinrassige Vertreter der Internetbranche. Keine Frage, die Welt der Unterhaltungselektronik ist im Umbruch - und zwar nicht nur, weil Microsoft schon seit Jahren das Wohnzimmer mit PCs erobern will.

Welche große Rolle Analysten und Journalisten dabei dem Suchmaschinengiganten Google zuschreiben, zeigen die vielen Gerüchte und Meldungen, die seit Tagen kursieren. Erst meldete unter anderem die "New York Post", dass Google noch im Lauf dieser Woche den Verkauf eines eigenen PCs zum Preis von 200 US-Dollar bekannt geben werde. Ohne Software von Microsoft solle der Rechner laufen, hieß es. Das klang nach einem Frontalangriff auf Microsoft, Dell & Co - die Nachricht stimmt aber offenbar nicht. Google dementierte das Projekt Google-PC umgehend und vehement.

Nicht dementiert wurde hingegen die Meldung, dass Larry Page heute Nacht den Start eines kostenpflichtigen Videodownloaddienstes ankündigen wird. Unter dem Namen "Google Video Store" wolle das Unternehmen sein erstes Bezahlangebot starten, das TV-Serien, Nachrichten und Sport umfassen soll, berichtet die "Financial Times" und beruft sich dabei auf "Personen, denen die Pläne bekannt sind".

Damit das Herunterladen von Videos auch bequem funktioniert, will Google demnach eine kostenlose Software anbieten - eine Art Google-iTunes. Als Contentpartner werden die Fernsehkanäle CBS und ITN (TV-Sendungen), Sony BMG (Musikvideos) und die National Basketball Association genannt.

Trend: Fernsehen über Internet

Dass Google nun womöglich auch ins Videogeschäft einsteigt, scheint logisch. Erst gestern hatte Sony einen eigenen Downloaddienst angekündigt - speziell für die Mobilkonsole Playstation Portable. Sony setzt ebenfalls auf einen iTunes-ähnlichen Client, mit dem Filme aus dem Connect-Store heruntergeladen werden können.

Im November hatte AOL seine Pläne publiziert, sechs kostenlose Fernsehkanäle im Internet starten zu wollen. Gezeigt werden sollen bereits ausgestrahlte ältere TV-Serien. Mit den Inhalten hat AOL weniger Probleme als Google: Die Serien stammen aus dem Hause Warner Bros., das wie AOL zum Konzern Time Warner gehört. Google muss sich erst Partner suchen, was aber offenbar geglückt ist.

Apple ist bereits mit eigenen Videoangeboten für seinen iPod Video am Start. Möglicherweise stellt Firmenchef Steve Jobs auf der Macworld San Francisco am 10. Januar einen Mac mini mit Videorecorderfunktion vor. Dass Apple sich weiterhin nur mit Filmchen im Miniformat begnügen wird, scheint unwahrscheinlich.

Auch Microsoft hegt eigene Fernsehpläne. IPTV heißt das Konzept, Videos in hoher Qualität über extrem schnelle Internetverbindungen zu übertragen. Die Technik ist allerdings fest an einen Internetprovider gebunden, wie T-Online oder Swisscom. Ein "offener Marktplatz für digitale Inhalte", von dem Google bei seinem Angebot laut "Financial Times" spricht, ist das nicht.

Womöglich wiederholt sich auch in Sachen Videodownloads der altbekannte Kampf der Konzepte: herstellerspezifische Technik, wie sie Microsoft und Apple verfolgen, versus eines offenen Standards. Wie offen das Google-Angebot aber tatsächlich sein wird, muss sich zeigen.

Bündnisse über Bündnisse

Es fällt auf, dass Google sich immer mehr mit Partnern aus der IT-Branche verbündet. So kooperiert das Unternehmen mit Opera, damit Google auf allen Browsern des norwegischen Herstellers die Standardsuchmaschine ist. Weil Opera auch Software für Handys und Organizer herstellt, kommt Google auch auf mobile Geräte.

In die gleiche Richtung zielt eine Kooperation mit US-Handybauer Motorola. Beide Unternehmen wollten gemeinsam Internetinhalte für Mobiltelefone entwickeln, sagte Google-Europachef Nikesh Arora dem "Handelsblatt". Zunächst werde in den kommenden drei Jahren das Google-Logo auf dem Display der Motorola-Handymodelle installiert, so dass die Internet-Suchmaschine für die Nutzer stets mit einem Klick erreichbar sei. Darüber hinaus würden die Unternehmen noch im Laufe dieses Jahres "mobile Dienste mit lokalen Inhalten in Europa anbieten", sagte Arora weiter. Solche Dienste, mit denen etwa Stadtpläne und Routenplaner auf das Handy geladen werden können, bietet Google bereits in Japan an.

Auch mit Intel wird Google künftig eng kooperieren. Der Chiphersteller will auf seiner neuen Unterhaltungsplattform Viiv Google-Technologie für die Suche nach Video-Material im Internet einsetzen. Dies gaben beide Unternehmen erst gestern bekannt. Nutzer der Viiv-Produkte sollen die Möglichkeit bekommen, Videos zu suchen, zu verwalten und auf ihren Fernsehern oder tragbaren Geräten anzuschauen.

Bill Gates zweifelt noch

Die "Financial Times" sieht in dem Google Video Store ein "neues Niveau der Kooperation einer Vielzahl von Microsoft-Rivalen". Viele Programme, etwa Adobes PDF-Reader, der Firefox-Browser, Symantecs Antivirensoftware und der Realplayer von Realnetworks, liefen angesichts der neuen Windows-Version Vista Gefahr, Marktanteile zu verlieren. Das neue Windows soll noch in diesem Jahr herauskommen und wird wesentlich mehr Programme und Tools an Bord haben als frühere Versionen des Betriebssystems.

Das "Google-Pack": Software-Bündel gegen Microsoft?

Das alles weiß man aber auch bei Google, und Branchengerüchten zufolge wird Page in seiner Keynote auch dazu referieren. Den Branchengerüchten zufolge bereitet Google ein Download-Angebot namens "Google-Pack" vor, dass in Form einer gezippten Installationsdatei gleich ein ganzes kostenloses Software-Paket an den Kunden bringen soll. Bestandteil des "Packs" sollen neben den Google-Produkten Picasa, Google Talk IM, Google Earth und Maps auch der Instant Messenger von Trillian, Adobes PDF-Reader, Ad-Aware von Lavasoft, der RealPlayer von RealNetworks und eine Anti-Virensoftware von Symantec sein.

Microsoft-Gründer Gates spielte in seiner Keynote am Mittwoch die Konkurrenz aus dem Hause Google herunter. "IBM war immer unser größter Konkurrent", sagte er. "Die Presse will nur nicht darüber schreiben."

Gates zufolge steht Microsoft im Kampf um die Dominanz auf dem Markt für die nächste Software-Generation im Wettbewerb mit Konkurrenten wie Sony, Apple und Nokia. "Die Leute neigen dazu, sich auf einen unserer Mitwettbewerber zu konzentrieren", sagte er in Anspielung auf Meldungen, Google sei Microsofts größter Konkurrent geworden. Klar werde Google sich entwickeln, aus der bloßen Suchfirma werde mehr werden, aber, so Gates, "ich glaube nicht, dass sie den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden".

Fest steht: Larry Page steht vor seiner heutigen Keynote gewaltig unter Druck. Nicht nur Investoren dürften enttäuscht reagieren, wenn der Google-Gründer nicht ein paar zukunftsträchtige Konzepte in der Tasche hat.