CES Las Vegas Die große Billy-Show
Auto gefällig? Zap's "Light Utility Vehicle" (LUV) ist nah dran, als solches durchzugehen: Irgendwie smart sieht sie aus, die kleine Kiste. Auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas landet sie natürlich deshalb, weil sie eben elektrisch betrieben wird: Bisher hat Hersteller Zap eher als Produzent von Elektrorollern und -rollstühlen von sich reden gemacht.
Eine Eigenentwicklung verdreifachte nun die Kapazität der Batterien, sagt Zap, und machte damit erstmals ein "Autobahn-taugliches Elektrofahrzeug" möglich. Wow, möchte man sagen, aber redet irgendjemand darüber?
Nein: Bill Gates ist Gesprächsthema Nummer 1.
Der hielt die Keynote-Rede zur Messeeröffnung, so wie vor Wochen erst auf der Comdex, und obwohl die CES natürlich ungleich größer ist, scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Die Messe wird zur Billy-Show. Microsoft steht mit seinen Initiativen im Consumer-Electronics-Bereich im Rampenlicht. Kein Wunder: In einer generell krisengebeutelten Branche steht die Geldfabrik Microsoft ziemlich einzigartig dar. Von Microsoft lernen, hoffen da viele, heißt Geld verdienen lernen.
Den Grundstein für den anhaltenden finanziellen Erfolg legte Microsoft lang vor Einsetzen der IT-Krise. Frühzeitig hatte Gates erkannt, dass mit Software für Rechner allein die Profitvervielfachung, an die er seit den 80er-Jahren gewohnt ist, nicht endlos würde weitergehen können. Also begann Microsoft mit der Entwicklung kleiner Betriebssystem-Varianten, die Gates als digitalen Geist in allen Dingen unterbringen wollte: PDAs sollten beseelt werden, Handys, Haushaltsgeräte, Spielzeuge - alles.
Anfänglich krachte es da im Getriebe, doch mittlerweile ist es selbstverständlich: Dass Bill Gates auf der CES Fossil-Uhren mit Windows-Innenleben vorstellte, fand Beachtung, überraschte aber niemanden (Witzchen über absturzfähige Uhren waren zu erwarten).
Meine Brille bitte: Was schreibt meine Uhr?
- Consumer Electronics Show 2003:Suchmaske neue Produkte
- Zap:Elektrofahrzeuge vom Einkaufswagen bis zum Kleintransporter
- Panasonic:Consumer Electronics
Und was kann die Uhr mit digitalem Hirn? Das, was zu erwarten ist: Sie ist Teil der von Gates in seiner Keynote beschworenen Welt der "Smart Personal Objects Technology" ("Spot"). Schon bald, prophezeit der IT-Tycoon, sei so ziemlich jeder Gegenstand um uns herum irgendwie intelligent - und natürlich stecke Microsoft im Inneren. Eine drahtlos funkende Welt wäre das, und auch Fossils Uhr passt ins Bild: Die soll ihren Besitzern schon ab Herbst diesen Jahres nicht nur die Uhrzeit anzeigen, sondern auch den Inhalt der E-Mail-Box, Kalendereinträge und Nachrichten aus dem Internet.
Das alles passiert einmal nicht per WLAN - ein Thema, das die CES durchzieht wie sonst kein anderes -, sondern per "DirectBand", denn für seine Spot-Visionen hat Microsoft eine eigene Funktechnologie entwickelt. Die soll (in den USA) bald schon flächendeckend empfangbar sein. Uploades ins DirectBand sind dagegen nicht vorgesehen: Klingt nach Datenrundfunk.
Liegend surfen für 1300 Dollar
Doch Gates hatte noch mehr Kaninchen im Zylinder. Lang erwartet war "Mira", der Herumtrage-Monitor fürs Surfen auf dem heimischen Sofa. Gleich drei Hersteller gehen auf der CES mit entsprechenden serienreifen Geräten an den Start, der Verkauf beginnt in den Vereinigten Staaten sofort.
Billig sind die Flachmänner nicht. Bei Viewsonic etwa wird man rund 1300 Dollar für einen 15-Inch-Monitor los. Dafür bekommt man allerdings neben dem "Airpanel V150" auch die entsprechenden USB-WiFi-Schnittstellen (802.11b) sowie das notwendige Betriebssystem-Upgrade zu Windows XP Pro. So ausgerüstet kann man künftig bis zu rund 25 Meter vom PC entfernt surfen, E-Mails lesen, Web-Musik hören. Neben Viewsonic gehen auch Philips, Fujitsu, Samsung und NEC mit entsprechenden Displays an den Start.
Viewsonic, Sanyo und Samsung sind auch die Hardware-Partner bei Microsofts geplanten Personal Video Players. Auch die sollen ab Herbst 2003 langweilige Bahnfahrten (oder Bürostunden) mit bis zu zehn Stunden Videos verkürzen - knapp 25 Jahre nach dem Walkman kommt der Watchman nun mit Macht.
Ungebrochener Trend: Alleskönner
Zu sehen gibt es auf der CES aber noch weit mehr: Beispielsweise Panasonics neue digitale - ja was eigentlich? Die Winzlinge passen in eine Handfläche, besitzen einen Klappmonitor, nehmen Videos auf, können aber auch als Kamera oder MP3-Player genutzt werden. Das alles soll es für rund 400 Euro bald zu kaufen geben, wenn man sich zur Jahresmitte nicht für ein anderes Panasonic-Modell entscheidet: Da will das Unternehmen die erste reguläre digitale Videokamera auf den Markt bringen, die ihre Filme direkt auf DVD brennt.
Die könnte man sich beispielsweise auf Toshibas neuem Fernseh-Alleskönner MW27FN1 ansehen. Toshiba integriert in seine neue Fernsehergeneration gleich den Videorecorder und DVD-Player - und verlangt am Ende einen Preis, den man nur als Schnäppchen bezeichnen kann. In den USA kommen die Geräte ab circa 500 Dollar auf den Markt - kauft man die Maschinen einzeln, zahlt man mehr.
Wen all das nicht interessiert, der findet vielleicht die neuen DVD-Recorder von Panasonic cool: Die nächste Generation wird unter anderem auch als Brücke zwischen PC und Fernseher fungieren, um so unkonvertierte Videos aus dem Web auch auf der großen Mattscheibe zeigen zu können. Die nötige Software entstand in Zusammenarbeit mit - bitte dreimal raten - Microsoft.
Frank Patalong