CES und Konsumentenwünsche Traumtechnik und Technikträume
Eigentlich müsste das Lesen dieses Artikels für Vertreter der IT- und Unterhaltungselektronik-Industrie kostenpflichtig sein: Unserer Aufforderung, uns ihre Wunschtechnik der Zukunft zu schildern, kamen zahlreiche Leser von SPIEGEL ONLINE nach.
Heraus kam dabei eine Menge bedenkenswertes. Den meistgeäußerten Wunsch überhaupt dürfen sich die Technik-Entwickler gern ins Auftragsbuch schreiben: Nichts wurde so oft genannt wie die Sehnsucht nach verständlichen, weitgehend standardisierten Menü- und Benutzerführungen für alle möglichen elektronischen Apparate. Was sich der Nutzer wirklich wünscht, ist keine digitale eierlegende Wollmilchsau mit Brennstoffzelle, sondern ein Apparat, den man anschalten und nutzen kann, ohne vorher eine 200-seitige Gebrauchsanweisung lesen zu müssen. Botschaft angekommen, liebe Industrie?
CES: Erste Tech-Träume aus Las Vegas
Man wird sehen, und zwar in dieser Woche auf der International Consumer Electronics Show in Las Vegas. Von dort dringen derweil erste Produkt-Neuigkeiten an die Öffentlichkeit. Für die Firmen ist es mitunter eine Frage des Kalküls, zu welchem Zeitpunkt ihre News die meiste Aufmerksamkeit ernten.
Kodak preschte da heute vor und bestätigte Gerüchte über eine Digitalkamera mit zwei Objektiven (siehe Bildergalerie), bevor die Novität in der wohl ab Donnerstag einsetzenden Flut der Digi-Cam-Veröffentlichungen untergehen konnte.
Andere Unternehmen haben so maßgebliche Dinge in Mache, dass sie es völlig nicht unter der Decke halten konnten: Canon und Toshiba sollen so mit einer völlig neuen Art von Flach-Display für das Wohnzimmer am Start sein. Man wird sehen.
Das vielleicht aber heißeste Gerücht geht um Google: Larry Page, so lautet es, werde seine CES-Keynote am Freitag dazu nutzen, einen echten Knaller zu servieren. Und das sei nicht nur das "Google-Betriebssystem", dessen Nahen die üblichen Branchenexperten schon öfter prophezeiten als christliche Sekten den Weltuntergang, sondern gleich auch noch der passende Googleputer - ein Stück internetfähiger Hardware für schlappe 200 Dollar. Man darf also gespannt sein.
Vielleicht passt ja die eine oder andere traumhafte Technik am Ende zu den Technik-Träumen der Leser von SPIEGEL ONLINE? Eine Auswahl finden Sie angehängt.
Mehr Tech-Träume: Was sich die Leser von SPIEGEL ONLINE von der Industrie wirklich wünschen. Weiter...
Frank Patalong
Diese Technik wäre was: Die Tech-Träume der Leser von SPIEGEL ONLINE
"Irgendjemand hat mal definiert: "Qualität ist Gebrauchstauglichkeit." Wie wahr.
Wie wäre es denn z.B. mal mit einem "Open"-Knopf, der ÜBER der Lade eines CD- oder DVD-Laufwerks angebracht ist!? Ich wette, dass 99% aller PC-User sich zu ihrem Rechner herunterbeugen müssen ... und eine geöffnete Lade seit Menschengedenken nur mit Verrenkungen wieder schließen können. Innovation kann so einfach sein."
Ludger Wöste
"Mir fehlt:
- ein an Hifi-Maßstäben orientierter Satelliten-Receiver mit ordentlicher Speichermöglichkeit und DVD-Brenner
- mehr Kompatibilität der Hersteller, das gilt jeweils für Hardware und Software und für beides gemischt: Schafft einheitliche Standards (PCM-CD, SACD, DVD, Blu Ray...)!"
"Meine Traumtechnik für 2006 wären drei Geräte:
- ein Telefon, das ein Bild überträgt: ein
kleines, daumennagelgroßes Farb-Portrait. Dazu
die Rufnummer, die Fax-Nr., die Mailadresse und
Handynummer, eventuell auch weitere Daten wie
Geburtsdatum usw.
- das Telefon im Computer (Laptop) - mit allen
denkbaren Möglichkeiten, bis hin zum Dyna-Book
(s. den legendären Apple-Film von 1984)
- ein Farbfax mit sehr guter Farbtreue - wie es heute mit Standard-Kombi-Geräten möglich ist
(Scanner/Drucker/Faxgeräten auf
Tintenstrahlbasis)"
"Tja, was wünscht man sich, vor allem, wenn man ohnehin schon technikvorbelastet ist:
- Geräte, die mit einer ausgereiften Firmware und Bedienoberfläche auf den Markt kommen
- deren Lebensdauer nicht durch den Verschleiss des fest eingebauten und nicht standardisierten Akkus zwangsbegrenzt wird
- die nicht durch paranoide DRM und andere Kopierschutztechniken unbenutzbar werden (oder wesentlich an Funktionalität verlieren, wie z.B. die HD-DVD, BlueRay oder Minidisc)
- wieder längere Produktzyklen (mit der Pflege von bestehenden Produkten, ist ja durch flashen kein Problem mehr)
- offene Standards für Mediastreaming im Heimnetzwerk
- offene Audio/Video Standards ohne Lizenzgerangel
- digitale Kopplung aller Heimkomponenten durch Firewire/USB 2.0/GBE/WLAN ( nur noch ein Verbindungskabel zwischen jeder Komponente)"
"Technikwunschtraum? Wie wär's damit:
Ein TV-Gerät, das alle Smart- und sonstigen Speichercards lesen kann, außerdem DVD lesen und beschreiben kann, über OS X von Mac Zugang zum schnellen Internet gewährt, dabei über eine eingebaute, zoomfähige Webcam verfügt, das alles kann per drahtloser Tastatur angesteuert werden kann. Und Skype ist selbstverständlich vorinstalliert. Das Gerät sollte superflach sein und über anständige - klar, drahtlose - Satellitenboxen samt deftigem Subwoofer verfügen. Und weil es von Sir Jonathan Ive (Apple, iPod Designer) gestaltet sein sollte, ist es nicht nur ein wahrer Augenschmaus, sondern gäbe es auch einen Dock für den iPod und eine sprachgesteuerte Fernbedienung als Option. Und der Preis sollte denn auch noch so gestaltet sein, dass man nicht seinen Kleinwagen verkaufen muss, um sich das Teil leisten zu können."
Christian Eckert
"Ich hätte gern eine Ethernet-Schnittstelle an jedem Gerät, so das ich Telefonieren, Fernsehen, Internet u.s.w. über eine Leitung/Hausnetz durchführen kann. Z.B. bräuchte ich dann keine SAT Verkabelung mehr."
Herbert Mayer
"An Stelle der Unterhaltungselektronik (da hat man doch eigentlich alles, TV, DVD-Player, eventuell schon einen DVD-Recorder, was will man denn eigentlich mehr?) sollte man vielmehr im Bereich Haushalt mal was Neues bringen. Wie wäre es mit einem "Putzroboter", der einem das Staubwischen und Staubsaugen abnimmt? Soll es ja schon geben (zumindest Prototypen). Aber das würde einem die tägliche Arbeit doch wesentlich erleichtern und einem die doch eher nervigen Putzarbeiten vereinfachen. Sowas müsste die Zukunft bringen..."
R. Launicke
"Ich wünsche mir einen digitalen, dualen Satellitenreceiver in das Fernsehgerät eingebaut. Damit dann mit einer (!!!!) Fernbedienung Sat, Fernseher und Videotext bedient werden können.
Weiter wünsche ich mir vereinheitlichte Menüstrukturen sei es bei Handys, oder Fernsehern, Satreceivern, etc. Letztendlich wünsche ich mir leicht auf meine Wünsche hin anpassbare Menüs."
Michael Th. Roy
"Fernseher, an denen ich alle gängigen Systeme ohne Zusatzgerät anschließen kann. Ob DVB-T, Digital Kabel oder Sat Anlagen. Immer werden zusätzliche Decoder benötigt. Die Fernbedienung der Fernseher ist ja schon fast überflüssig, da die Bedienung ohnehin über die Decoder läuft. Meiner Meinung nach geht das total am Markt vorbei. Wenn ich meine Empfangsart wechseln muß (durch einen Umzug z.B.) ist oft auch gleich ein neues Gerät nötig."
Oliver Suhrkamp
"Mein Wunsch wäre EIN EINZIGES Gerät, das halbwegs zukunftssicher DVDs abspielen und brennen kann, mit 5.1 Sound-Ausgang, 2 Eingängen für die SAT-Signale, eine Festplatte zum Speichern und Abspielen bzw. Überspielen auf DVD, incl. Time-Shift-Möglichkeiten, eine logisch-konstruierte Fernbedienung, 3 Jahre vor Ort-Garantie und das alles für EUR 200,-"
Ralf Reske
"Eine Spielekonsole kombiniert mit einem DVB-HDD-/DVD-Rekorder, der als Streaming-Client dient - dafür aber keine spezielle Server-Software voraussetzt, sondern auf Windowsfreigaben zugreifen kann. TV-Aufnahmen sollten dabei nicht durch DRM beschränkt sein. Damit ließe sich die Geräte- und Fernbedienungsvielfalt im Wohnzimmer etwas einschränken ;)"
Florian Mihaljevic
"Ich wünsche mir eine sprachgesteuerte MultiMediaWorkStation (MMWS) mit der ich mich unterhalten, Fotos vergrößern, beschneiden, verändern und ausdrucken, Texte diktieren, Filme & Musik aufnehmen, TV glotzen, Games spielen, News, Bücher + Bilder aus dem Inernet laden und telefonieren kann. Hab ich etwas vergessen? Nun, die absolute Rundumlösung. Natürlich ohne Abstürze. Ach, wäre das schön!"
Peter Körner
"Da ich viel Elektronik aufgrund meines Berufes einsetze, sind für meinen Tagesablauf sensible Verbesserungen in diesem Bereich besonders wichtig. So verwende ich neben einem PDA demnächst auch drei Handys. Das ist schon nicht mehr sinnvoll.
Mein Wunsch wäre es daher, die Verschmelzung zwischen Handy und PDA weiter voran zu bringen sowie es zu ermöglichen, unterschiedliche Telefonnummern von unterschiedlichen Providern in einem Gerät abfragen zu können.
Ein wesentlicher Schritt in Richtung Komfort ist nach meiner Ansicht die Sprachsteuerung. Seit es Computer gibt, arbeiten (nachdem die Lochkarte verschwunden war und PC erfunden waren) nach wie vor mit den gleichen Eingabemedien: Tastatur und Maus. Ausgabe erfolgt immer auf einem Bildschirm. Seit 30 Jahren keine Innovation. Zwar kann Sprachsteuerung nicht die Antwort auf alles in Bedienbereich sein, aber doch eben sehr viel. Ich möchte meinem kombinierten PDA/Handy sagen: "Wähle die Nr. von X", nach dem Gespräch: "Ich möchte ein Notiz zum Gespräch anlegen" und diktieren (das wird dann sogleich in Text umgewandelt). Der Rest läßt sich denken: "Ich möchte einen neuen Termin machen. Wann habe ich wieder Zeit?", usw.
Computer sind nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben. Nur so richtig integriert sind diese noch nicht im Tagesablauf."
Dirk Assmann-Staudt
Wir danken allen Einsendern, auch denen, die hier nicht zitiert wurden: Weitere Tech-Träume liefern wir in den nächsten Tagen nach. Auch Ihre Vorschläge sind da weiter willkommen: E-Mail an netzwelt@spiegel.de genügt. Stichwort: "Traumtechnik"