Codecs und Co: Ohne DivX seh'n Sie nix - DER SPIEGEL
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Codecs und Co Ohne DivX seh'n Sie nix

Die neueste Generation von DVD-Playern ist "DivX-fähig". Schön zu hören, doch was steckt eigentlich hinter dieser kryptischen Bezeichnung? SPIEGEL ONLINE erklärt, was es mit den "Codecs" auf sich hat – und was sie dem Verbraucher bringen.
Von Thomas Jungbluth
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Damit der Anwender die bewegten Bilder eines digital abgespeicherten Films ansehen kann, benötigt er neben dem eigentlichen Player ein weiteres Programm - den "Codec". Dahinter verbirgt sich sozusagen eine "Dechiffriermaschine" für die Video-Signale. Ein falscher Codec mag dazu führen, dass Video- oder Audiodaten fehlerhaft, nicht synchron oder gar nicht wiedergegeben werden.

Eingedampfte Filme

Video-Dateien werden nach der Wandlung in digitale Form nicht unverändert auf der Festplatte gespeichert - das würde viel zu viel Platz wegnehmen. Die Videos werden "komprimiert". Dabei rechnet ein Algorithmus die Datenmenge so klein, dass sie möglichst kompakte Dateien ergeben. Um die komprimierten Dateien wieder anzusehen, sind die Geräte, die zum Abspielen benutzt werden, mit einem so genannten "Codec" ausgestattet.

In DVD-Playern ist dieser Codec meist in einem kleinen Baustein enthalten. Beim Computer ist es das Abspielprogramm, das auf den "Codec" zugreift. Installiert werden muss es dafür als "Plugin" für den Software-Player oder im jeweiligen Betriebssystem - beim Windows PC klinkt sich der Codec beispielsweise in die Treiberliste der Systemsteuerung ein.

Bereits bei der Installation des Betriebssystems bzw. des zugehörigen Mediaplayers werden ein paar grundlegende Codecs installiert, zum Beispiel zur Wiedergabe von AVI-Dateien, für das früher häufig gebräuchliche MPEG1 und auch für Musik im MP3- bzw. Windows Media-Format (auch dafür wird ein Codec - nur für Audio benötigt). Normale DVD-Player und DVD-Abspielprogramme für den PC entschlüsseln das "MPEG2"-Format, in dem die Filme und Fernsehserien auf den Silberscheiben gespeichert sind.

Ist das MPEG2-Format für kommerziell verkaufte Kinofilme noch ganz brauchbar - dank der Datenmenge, die auf eine DVD passt - benötigen die bewegten Bilder trotzdem immer noch viel Platz - etwa 3,5 Gigabyte pro Stunde. Da bespielbare DVDs vor Jahren noch in weiter Ferne waren, entwickelte das Fraunhofer Institut die Komprimiertechnik weiter zum offiziellen MPEG4-Standard. Doch das Ergebnis war ein paar Freaks nicht genug, und sie bastelten daraus einen eigenen Standard mit der Bezeichnung "DivX".

In den ersten Versionen war der DivX-Codec noch kostenlos. Doch inzwischen muss man für die volle Version entweder Geld bezahlen oder ertragen, dass ein Programm Werbung einblendet, während man im Internet surft. Es gibt zwar auch mehrere "Open Source"-Versionen, die kostenfrei blieben ("XviD" und "OpenDivX"), doch die können nicht alle Filme wiedergeben, die mit DivX abgespeichert wurden. DivX komprimiert die Filme so stark, dass ein anderthalb-Stunden-Film nur noch etwa 700 Megabyte beansprucht und somit komplett auf eine CD-R passt.

Aktuell muss es sein

Doch nicht nur die unterschiedlichen Codecs sind ein Problem. Auf dem PC können Anwender ja meist mehrere Codecs gleichzeitig bereithalten - entschlüsselt der Computer das Signal nicht, wird einfach ein passender Codec heruntergeladen. Anders ist es bei Heimkino-Anlagen. Der darin enthaltene DVD-Player kann vielleicht die unterschiedlichen Video-CD- und DVD-Formate lesen, doch die Entschlüsselung von DivX beherrschen nur einige aktuelle Player.

Wer Videofilme im DivX-Format gespeichert hat, sollte sich einen solchen zulegen. Doch Obacht: Auch bei DivX gibt es Versionen, die aktuelle ist 5.1.1.

Ältere Codecs (DivX 3 oder 4) können mit neuerem komprimierte DivX-Filme unter Umständen nicht anzeigen. Zum Glück lassen sich die Player teilweise "updaten": Über das Internet wird eine Datei heruntergeladen, auf eine CD gebrannt, und darüber lassen sich die Abspielgeräte mit der neuesten DivX-Variante versorgen.

Einen anderen Weg geht übrigens Microsoft: Der Hersteller verwendet das erweiterte "Windows Media"-Verfahren. Auch das basiert auf MPEG4 und wird zum Beispiel für Video-On-Demand-Services verwendet. Diese lassen sich allerdings zur Zeit digital nicht auf CD oder DVD speichern.