Consumer Electronics Show: Schneller, kleiner, größer - DER SPIEGEL
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Consumer Electronics Show Schneller, kleiner, größer

Die Consumer Electronics Show CES in Las Vegas gilt als weltgrößte Trendmesse in Sachen Unterhaltungselektronik. Am Mittwoch öffnet sie ihre Pforten und erlaubt einen Blick in die elektronische Zukunft. Wo die stattfindet, gilt als ausgemacht: im Wohnzimmer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Herz der Branche schlägt schon lange nicht mehr im Takt der Messen: Vorbei die Zeit, als sich Unternehmen die Veröffentlichung echter Novitäten um Monate verkniffen, um sie mit großem Tamtam auf CES, Cebit oder IFA präsentieren zu können. Man verkneift sich heute nichts mehr, denn der Konkurrenzdruck der Entwickler ist unerbittlich. Was man heute der Öffentlichkeit nicht vorstellt, das präsentiert die Konkurrenz vielleicht schon morgen.

Die großen Messen hat das wider Erwarten nicht abgewertet.

Es hat sie verändert, sie von echten Präsentationsflächen des Erhältlichen mehr und mehr zu Projektionsflächen des Denkbaren, des Geplanten und in Produktion befindlichen gemacht. Statt sich von der Konkurrenz überholen zu lassen, präsentieren die Firmen heute ihre Dummies oft schon im Ideenstadium. So ist auch die am Mittwoch beginnende International Consumer Electronics Show CES in Las Vegas eine erstklassige Gelegenheit, in die Zukunft zu schauen - sowohl in die "echte", als auch in viele mögliche, nie wahr werdende.

Gerade das macht sie für die Konsumenten spannend und für die Industrie so attaktiv: Die CES befindet sich seit Jahren im Aufwind. In diesem Jahr werden über 2500 Aussteller erwartet.

Wieder einmal hält Bill Gates die Keynote, und es wäre überraschend, wenn er nicht über Konvergenz der digitalen Apparaturen, über Vernetzung und die Eroberung des Wohnzimmers reden würde. Wahrscheinlich wird er das eine oder andere gewagte Produkt in das Blitzlichtgewitter der Kameras schwenken und ihm einen mörderischen Erfolg prophezeien - so wie einst "Mira", dem Surf-Tablet, das am Ende sang- und klanglos unterging. So wie die gewagten UMTS-Konzepte, die die Welt verändern sollten. So wie so manch anderer Tech-Traum, bei dem die Macher auch per öffentlicher Vorstellung eruierten, ob er am Markt überhaupt eine Chance haben würde.

Denn auch darum geht es - aber nicht nur. Unter dem Strich wird der Großteil der Produkte, die ab Mittwoch in Las Vegas vorgestellt werden, tatsächlich in den Ladenregalen landen.

Die Grundtrends des kommenden Jahres scheinen dabei gesetzt, führen die starken Trends des letzten Jahres fort:

  • Das Wohnzimmer wird zum "Media Center", auf wenigen zentralen Apparaturen laufen die grundlegenden Funktionen aller Unterhaltungselektronik-Geräte zusammen
  • Die Fernseher werden immer größer
  • Alles, was sich sinnvoll (oder sinnlos) minituarisieren lässt, wird noch kleiner werden. Einst eigenständige Geräte, die einen Höchstgrad an Minituarisierung erreicht haben, "verschwinden" als "embedded Appliances" in anderen Apparaten
  • Bei gleichbleibendem Preisniveau steigt das Leistungsvolumen
  • Der Grad der Vernetzung zwischen den drei wichtigsten Entertainment-Geräteblöcken Fernseher, Stereo und Computer wird weiter wachsen, dabei immer öfter kabellos.
Wo also ist Innovation zu erwarten, die über eine Weiterentwicklung von bestehenden Apparaturen hinausgeht?

Zum Beispiel bei den Energieträgern. Neue Akkuformen und Brennstoffzellen werden die multimedialen Apparaturen mobiler machen. Zugleich werden die Hersteller die Konvergenz weiter auf die Spitze treiben: Möglichst viele Apparate sollen verschmelzen, dem Nutzer alle möglichen Dienstleistungen zu jeder Zeit anbieten.

Anders als in den Keynotes der Industriekapitäne versprochen findet sich unter all diesen Apparaten grundsätzlich niemals einer, der wirklich die Welt verändert. Insgesamt aber und im Laufe mehrerer Jahre tun sie dies durchaus: Computer und Internet, MP3-Player und Handys, Spielekonsolen und Flachbildschirme, Festplattenrecorder und digitale Receiver haben den letzten Jahren ihren Stempel aufgedrückt. Ab Mittwoch zeigen die führenden Tech-Unternehmen der Welt ihre Visionen davon, wie das weiter gehen soll.

Und was meinen Sie?

Sie brauchen nicht alles, Sie kaufen nicht alles, Sie lassen so manchen Tech-Traum im Regal liegen. An Ihnen, an uns allen entscheidet sich, was Hightech-Flause ist und was zum Erfolg wird. Was fehlt Ihnen wirklich, was brauchen Sie und können es nicht bekommen, woran hätten Sie Spaß, was sollte unbedingt entwickelt werden?

Spielen Sie Entwickler: Schreiben Sie uns, was für eine technische Innovation Sie sich für 2006 wünschen würden. E-Mail genügt:
netzwelt@spiegel.de
Stichwort "Traumtechnik"

Frank Patalong