Deal KaZaA bietet Internet-Telefonie
Als Skype vor Jahresfrist seine ersten Gehversuche machte, blieb nicht unbemerkt, dass die IP-Telefoniesoftware, mit der sich von Rechner zu Rechner weltweit telefonieren lässt, aus der gleichen Werkstatt kam wie einst KaZaA. Man kennt sich also, und sowas erleichtert das Handeln.
Auch Skype setzt auf P2P-Technologien, die - kaum überraschend - mit denen von KaZaA scheinbar gut kompatibel sind. Jedenfalls soll, kündigte nun KaZaA-Chefin Nikki Hemming an, von der kommenden Softwareversion 3.0 an das Skype-Programm zum integralen Bestandteil von KaZaA werden. Theoretisch wird das lange Zeit größte P2P-Netzwerk der Welt so zu einer Art semi-kostenlosen Telefonnetz. Offenbar hofft KaZaA, mit diesem "Benefit" verlorene User zurück gewinnen zu können.
Denn die Nutzerzahlen von KaZaA haben sich halbiert, seit weltweit die Klagewelle der Entertainmentindustrie angelaufen ist, die sich ja vornehmlich gegen KaZaA-Nutzer richtet. Zum Faktor Angst vor Anklagen kommt das wachsende Bewusstsein, dass über KaZaA und die dort verbaute Spyware nicht nur dubiose Marketingfirmen schnüffeln, sondern auch eine zunehmende Zahl von Viren und Trojanern verteilt wird.
Trotzdem darf man KaZaA rein numerisch ein erhebliches Potenzial zurechnen. Über 300 Millionen Mal, sagt Hemming, sei die Software bisher herunter geladen worden. So ein "Gewicht" braucht auch Skype, das von Insidern gern genutzt wird und von Experten teils euphorisch besprochen wurde, auf dem Massenmarkt aber nach wie vor nicht Fuß fassen konnte. Skypes Marketingmodell setzt darauf, Rechner-zu-Rechner-Telefonate kostenlos zu ermöglichen und zugleich mit "SkypeOut" einen kostenpflichtigen Dienst für Telefonate vom Rechner zum Festnetz anzubieten.
Weltweite, fast kostenlose Internet-Telefonie, dafür erscheint ein kräftiges P2P-Netz in der Tat als ideale Lösung - und natürlich auch dafür, die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden zu wecken. Ob sich Skype mit dem von vielen zwar gern genutzten, aber alles andere als beliebten KaZaA da allerdings den richtigen Partner gefangen hat, wird sich zeigen: So mancher könnte Angst davor haben, dass die falschen Leute anrufen.
Frank Patalong