Desktopsuche von Yahoo: Schneller Schreibtisch-Schnüffler - DER SPIEGEL
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Desktopsuche von Yahoo Schneller Schreibtisch-Schnüffler

Um im Dickicht der Festplatte wenigstens ansatzweise die Übersicht zu behalten, gibt es seit einiger Zeit so genannte Desktop-Suchmaschinen. Nachdem Google, Microsoft und andere bereits Lösungen auf dem Markt haben, ist nun auch Yahoo mit einem soliden Produkt am Start.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich war es keine Überraschung. Nachdem neben Platzhirsch Google  auch Microsoft , Ask Jeeves  und andere in den letzten Wochen und Monaten des verflossenen Jahres Desktop-Suchmaschinen auf den Markt gebracht hatten, konnte natürlich auch Yahoo, Marktführer von einst, nicht zurückstehen. Seit wenigen Tagen steht die Beta-Version von Yahoos Desktop-Suchmaschine  in einer Windows-Version zum Download bereit.

Die Schreibtisch-Schnüffler funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip: Einmal installiert, durchwühlen sie auf der lokalen Festplatte Verzeichnis um Verzeichnis und merken sich in einem Suchindex alles, was sie dabei so finden: Texte, Fotos, E-Mails, Musikstücke etc. Ist das einmal geschafft, durchsuchen sie nur noch diesen Index, und nicht mehr die ganze Festplatte. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Statt dem gelben Hund aus der integrierten Windows-Suchfunktion - angeblich eine Kreation von Bill Gates' Ehefrau Melinda - minutenlang beim Schwanzwedeln zuzusehen, schnurren die Suchergebnisse schon nach Sekundenbruchteilen über den Schirm.

Was also kann die Desktop-Suche?

So auch bei Yahoos Desktop-Suchmaschine. Ist der Datenbestand einmal indexiert, was beim ersten Start des Programmes je nach Zustand und Größe der Festplatte Minuten, aber auch Stunden dauern kann, können User in zahlreichen verschiedenen Dokumentenformaten fahnden: Neben den üblichen Verdächtigen Word, Excel und Powerpoint wird auch in lokal gespeicherten Webseiten (HTML), PDF-Dokumenten, Grafikdateien - unter anderem JPG und Photoshop - und vielem mehr gesucht. Insgesamt unterstützt die Desktop-Suche rund 200 Dateiformate.

Auch lokal gespeicherte E-Mails (mit Anhängen) und Kontakte werden durchsucht - jedenfalls wenn Sie von den Programmen Outlook oder Outlook Express verwaltet werden. Nutzer von Konkurrenzprodukten wie Thunderbird oder Eudora bleibt kaum mehr übrig als ein langes Gesicht zu machen. Zumindest vorerst, denn bis zur endgültigen Version der Desktop-Suchmaschine könnte sich das noch ändern: Hoffnung macht, dass unter dem Mantel von Yahoos Desktop-Suche Technologie der Firma X1 Technologies werkelt. Und deren Profi-Versionen verstehen sich bereits jetzt mit Thunderbird und Co.

Mit der Beta-Version der Desktop-Suche hat Yahoo ein solides Produkt vorgelegt, das sich nur in Details von denen der Konkurrenz unterscheidet. Im Gegensatz etwa zum Produkt von Google handelt es sich nicht um eine Toolbar für den Web-Browser, sondern um eine vollständige Anwendung mit eigener Programmoberfläche. Das schlägt sich natürlich in der Größe der Installationsdatei nieder, die potenzielle User downloaden müssen. Während sich die Konkurrenz mit schlanken ein oder zwei Megabyte begnügt, ist die Yahoo-Installationsdatei gute sieben Megabyte groß.

Nachdem Installation und Indexierung erledigt sind, kann Yahoos Desktop-Suche zeigen, was sie auf dem Kasten hat. Bereits während das Suchwort eingegeben wird, durchstöbert das Programm in Windeseile den Suchindex. Das ganze heißt inkrementelle Suche und bedeutet, dass man keinen "Suchen"-Button mehr anklicken muss. Einmal gefundene Dateien werden in einem Vorschaufenster angezeigt.

Dabei können zum Beispiel Film- und Videodateien direkt aus der Desktop-Suche gestartet werden. Den Browser-Cache durchsucht Yahoos Desktop-Suche übrigens nicht. Konkurrent Google hatte sich durch genau diese Suchfunktion größere Diskussionen über Sicherheitsprobleme eingebrockt.

Desktop-Suchprogramme: Werbegeschenke mit Mehrwert

Wer auf dem eigenen Computer nicht fündig wird, der kann direkt aus Yahoos Desktop-Suche auch im Web suchen. Verwendet wird dabei selbstverständlich die hauseigene Suchmaschine von Yahoo. In Zukunft sollen neben der Websuche auch andere Dienste des Unternehmens durchforstet werden, wie das eigene E-Mail-Konto, Gespräche im hauseigenen Instant-Messenger oder Termine im Yahoo-Kalender.

Etwas ärgerlich ist im Moment der Umstand, dass die Web-Suche in einem eigenen Fenster gestartet wird. Die Suchergebnisse werden nicht in die der Desktop-Suche integriert. Ein Feld, auf dem Yahoo in Zukunft aber sicher noch arbeiten wird.

Denn die Integration von Desktop- und Web-Suche, da sind sich Beobachter einig, dürfte in der Zukunft immer wichtiger werden. Und nur wenn sie gelingt, könnte sich das Projekt Desktop-Suche für die Suchmaschinenbetreiber eines Tages lohnen.

Bislang sind alle Angebote kostenlos und sollen vor allem dazu dienen, Internet-Nutzer an die jeweilige Suchmaschinen-Marke zu binden. Das Kalkül dabei: Wer auf seinem Schreibtisch mit Hilfe eines bestimmten Anbieters sucht, der wird auch im Web auf dieselbe Marke setzen. Und nur dort, im Web, winken den Suchmaschinenfirmen Gewinne durch Werbeanzeigen, die neben den Suchergebnissen eingeblendet werden.

Ob das Kalkül der Suchmaschinen-Betreiber aufgeht, wird sich zeigen. Vorerst liegt die Desktop-Suche im Trend - und es ist nur eine Frage der Zeit bis auch AOL, das sich die tatkräftige Unterstützung von Copernic gesichert hat, eine Desktop-Suche anbieten wird.

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