Deutsche IT-Konjunktur: "Schärferer Wind im Gesicht" - DER SPIEGEL
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Deutsche IT-Konjunktur "Schärferer Wind im Gesicht"

Auf seiner ersten Jahrestagung hat der Branchenverband Bitkom eine Konjunkturumfrage unter den wichtigsten deutschen IT-Unternehmen vorgestellt. Die Mehrzahl rechnet mit steigenden Umsätzen, mit den Gewinnen ist es allerdings nicht ganz so weit her.
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Rund 150 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von knapp 200 Milliarden Mark hatte der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) für sein erstmals vorgelegtes Branchenbarometer befragt. Die momentane Konjunkturschwäche in Deutschland betreffe auch die IT-Branche, bemerkte Verbandschef Volker-Jung. "Es ist kein Geheimnis, dass wir uns im Moment in einem nicht einfachen Marktumfeld bewegen." Trotzdem gehe es der Hightech-Branche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft "weiterhin sehr gut," man sei "der Wachstumsmotor schlechthin."

Auf den ersten Blick sehen die vom Bitkom vorgelegten Zahlen durchaus positiv aus. Immerhin erwarten 70 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Jahr steigende Umsätze. Im Durchschnitt kalkuliert man ein Plus von 8,7 Prozent. In den vergangenen Jahren hatte es allerdings stets zweistellige Umsatzsteigerungen gegeben. Doch die Zeiten des ungebremsten Wachstums sind augenscheinlich vorbei. Nur jede sechste Firma rechnet mit Steigerungsraten von über zehn Prozent, jedes zehnte Unternehmen kalkuliert sogar sinkende Umsätzen ein. "Obwohl unter dem Strich weiterhin ein deutliches Plus steht, weht uns momentan ein schärferer Wind ins Gesicht," sagt Volker Jung.

"Schere zwischen Umsatz- und Ertragswachstum"

Wenig präzise Informationen bietet die Bitkom-Studie bei der Frage der Gewinn-Entwicklung im IT-Bereich. Über die gesamte Branche gerechnet, erwartet der Verband konstante Erträge; die Hälfte der befragten Firmen prognostiziert steigende Gewinne. Sein Verband bekomme aber nicht die detaillierten Ergebnisprognosen, erklärte Jung und merkte an, dass in allen Bereichen des IT-Marktes "die Schere zwischen Umsatz- und Ertragswachstum" sichtbar auseinander gehe.

Gleichzeitig sprach sich der Bitkom-Chef dafür aus, die wirtschaftliche Lage der Hightech-Wirtschaft in Zukunft differenzierter zu betrachten. Marktsegmente wie Mobiltelefone oder PC-Hardware seien stärker von der Wachstumsschwäche betroffen als etwa der Dienstleistungs- oder der Softwarebereich. Auch bei Online-Angeboten sei ein "dynamisches Wachstum" mit "zweistelligen Raten" zu erwarten, sagte Jung.

Bitkom-Spezialthema: der Fachkräftemangel

Als "groteske Situation" bezeichnete Jung den Umstand, dass sich jedes dritte befragte Unternehmen über Probleme bei der Kapitalbeschaffung beklagt habe. Firmen, die eben noch "in den Himmel gehoben" worden seien, würden jetzt "fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel." Dabei verdienten "solide Business-Modelle" weiterhin das volle Vertrauen der Analysten und Anleger.

Nach wie vor attestiert der Bitkom einen massiven Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland. Die Greencard-Initiative der Regierung, entstanden aus einem Vorschlag des Verbandes, habe die Lage zwar "entspannt", sagte Jung, zur Behebung des Fachkräftemangels wäre aber eine "tief greifende Reform des Bildungssystems" nötig. In diesem Zusammenhang schloss der Verbandschef auch die Einführung von Studiengebühren nicht aus. Genaueres soll in einem Bitkom-Papier zur Bildungspolitik nachzulesen sein, dass in gut drei Wochen vorgestellt wird.

User, es wird teuer

Schlechte Zeiten kommen nach Ansicht von Volker Jung auf die deutschen Computer- und Internetnutzer zu. So sei zum Beispiel mit verstärkten Nutzungsgebühren für Online-Angebote zu rechnen. Werbung könne "allenfalls eine zusätzliche Einnahmequelle sein und nicht eine ganze Branche finanzieren." Weitere Kosten würden sich aus der geplanten Elektroschrott-Richtlinie der EU erbeben, die nach Ansicht des Bitkom-Chefs dafür sorgen könnte, dass der Preis von PC, Druckern und anderen IT-Geräten um bis zu 50 Mark steigt. Auch die Einführung von Urheberrechtsabgaben auf Druckern und CD-Brennern dürfte dem Verband nach mit Zusatzkosten für den Abnehmer zu Buche schlagen. Jung rechnet bei den Gesprächen zwischen Bitkom und den Urheberrechtsverbänden, die von Justizministerin Herta Däubler-Gmelin geleitet werden, mit einer Einigung noch in diesem Sommer.