Deutscher Zukunftspreis MP3-Väter gewürdigt
Hannover - Abgesehen vom Preisgeld sind die MP3-Väter Karlheinz Brandenburg, Bernhard Grill und Harald Popp sowie ihr Arbeitgeber, das Fraunhofer Institut, trotz des großen Erfolgs von MP3 bislang leer ausgegangen. Profitiert hatten vor allem Musikpiraten, die das Kompressionsverfahren für den illegalen Handel nutzen und damit der Industrie technisch weit voraus waren. Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft in Hamburg schätzt die Einbußen durch illegal vertriebene Musikstücke auf 140 Millionen Mark allein im Jahr 1999.
Rau würdigte die drei Forscher bei der Preisübergabe im deutschen Pavillon auf der Expo als "Pioniere für ein neues Denken in Deutschland". Eine Jury aus Vertretern von Wissenschaft und Wirtschaft hatte zur Endausscheidung vier Kandidaten ausgewählt. "Geträumt haben wir von diesem Augenblick, daran geglaubt haben wir nicht", sagte Brandenburg nach der Preisverleihung. Unter seiner Leitung wurde MP3 am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS-A) in Erlangen entwickelt. Seit Mai dieses Jahres leitet Brandenburg die Fraunhofer Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie an der Universität Ilmenau in Thüringen.
Das kleine Kürzel MP3 hat von Erlangen aus die Musikwelt revolutioniert. Experten sprechen auch von "der größten Revolution seit Erfindung der Schallplatte". Das Kürzel steht für "Motion Picture Experts Group Audio Layer 3" und ist ein Standard zur Audiocodierung. Mit MP3 werden Musikdateien über eine Telefonleitung übertragen - und das zwölfmal schneller als normal. Die Musiksignale werden dabei auf einen Bruchteil der ursprünglichen Datenmenge reduziert. Nach Angaben des Fraunhofer Instituts ist MP3 heute Bestandteil vieler Computer, nach Schätzungen Brandenburgs werden mit MP3-Geräten rund zwei Milliarden Mark Umsatz gemacht.