Digicam-Beratung Edelminis fürs Fest
Wie schnelllebig die Digicam-Szene doch ist: Dem Pixelrausch zur CeBIT im Frühjahr folgte der Boom der Superzooms zur photokina im Herbst, und jetzt, zum Weihnachtsgeschäft, locken die ultrakompakten Edelminis in den Auslagen.
Diese Kleinteile sind so trendy, dass sie sogar demselben Schlankheitsideal nachstreben wie ihre potenziellen Besitzer. Schließlich ist es die Gehäusedicke einer Kamera, die darüber entscheidet, ob sie beim Tragen unangenehm die Jacke beult oder elegant in der Hemd- oder Handtasche verschwinden kann. Auch ein zu hohes Gewicht wird mit Verachtung gestraft - deutlich mehr als 150 Gramm sind hier schon fast Weight-Watchers-verdächtig.
Die Digicam-Diät à la Pentax heißt beispielsweise "Sliding lens System", jetzt schon in der 2. Generation. Bei der Optio SV erlaubt es ein beeindruckendes 5-fach-Zoom in einem sehr flachen Gehäuse. Das "Sliding lens"-Element wird beim Einfahren des Objektivs aus dem Strahlengang heraus geschoben und Platz sparend an der Seite geparkt. Das Prinzip ist ebenso empfindlich gegenüber Fehljustage wie erfolgreich in der Lizenzierung: Casio kauft die Optik für einige seiner "Exilim"-Kameras bei Pentax ein und druckt das auch vorne drauf. Und Fujifilm hat inzwischen ein eigenes Sliding-System entwickelt, derzeit etwa in der schicken kleinen Finepix F450 zu bewundern.
Auch "um die Ecke" geht's zum Erfolg. So bauen Sony bei der DSC-T3, Olympus bei der AZ-2 und Konica Minolta beispielsweise bei der DiMAGE X50 die Optiken einfach quer oder hochkant in die Gehäuse ein und lassen sie durch ein Prisma nach vorne in die Welt gucken. Da es hier keine äußerlich bewegten Objektivteile mehr gibt, bleiben die Kameras auch im Fotobetrieb platt wie eine Flunder und können teilweise rasante Startzeiten hinlegen - die DiMAGE ist in rund 0,4 Sekunden startklar.
Canons neue Ixus 30/40 gehört zu den flachsten Zoomkameras mit konventioneller Optik. Das Geheimnis verbirgt sich in den ultra-hochbrechenden Linsen, die ein winziges Objektiv ohne Spezialmechanik möglich machen. Der Schrumpfeffekt gegenüber der vorherigen Ixus-Zoom-Serie ist frappierend, und die optische Leistung hat nur leicht gelitten.
Schrumpfkur für Sensoren
Grundvoraussetzung für die immer kürzeren Objektiv-Brennweiten sind übrigens auch immer kleinere CCD-Sensoren. War etwa der 4-MP-Sensor der "alten" Ixus 430 rund 38 mm² groß, so sind es bei der Ixus 40 nur noch knapp 24 mm². Die ultrakompakten 5-Megapixler pressen sogar noch eine Million Bildpunkte mehr auf diese winzige Fläche.
Das Problem dabei: Mit der Verdichtung der Sensorelemente schrumpft auch deren lichtempfindliche Oberfläche, und die Sensorsignale müssen immer mehr verstärkt werden - und das Bildrauschen gleich mit. So sind die CCD-Sensoren der Saison ab der mittleren Empfindlichkeitsstufe wahre Rauschgeneratoren, und nur bei niedrigster ISO-Einstellung ist das Bildrauschen gerade noch akzeptabel.
Kameras ohne manuelle ISO-Vorwahl sollte man hier besonders meiden, da diese die Empfindlichkeit bei wenig Licht gnadenlos hochdrehen! Einige Hersteller versuchen übrigens, mit immer kräftigeren Rauschunterdrückungsroutinen gegenzusteuern. Dabei werden aber auch erwünschte Strukturen wie Rasen oder Mauerwerk gleich mit egalisiert, und die Bilder sehen hinterher oft aus wie unter einem Aquarell-Filter. Zwar sind die Rausch-Messwerte im Testlabor dann hervorragend, der Bildeindruck ist aber trotzdem mangelhaft.
Megapixelmania und kein Ende
Die Auflösung von 3- und 4-MP-Kameras ist heute für die gängigen (kleineren) Fotoformate "good enough", darunter sollte man es heute aber auch dann nicht mehr tun, wenn das "geizig-geile" Angebot vom Saturn kommt und nur 99 Euro kostet. Umgekehrt sind natürlich 5, 6 oder 7 Megapixel eine tolle Sache - wenn denn die winzigen Optiken der Mini-Digicams mitspielen würden.
Die schaffen jedoch kaum so hohe Auflösungen. Schon 5-MP-Minis lösen im Bildzentrum selten mehr als 85 Prozent des Sensor-Maximums auf - in den Diagonalen geht es schnell auf 3-MP-Niveau herunter. Hoch auflösende Sensoren machen daher vornehmlich mit großzügig dimensionierten Objektiven Sinn, und die sind bei den sehr kompakten Kameras die große Ausnahme (zu finden etwa bei der Casio Exilim EX-P700).
Weiter in Teil 2: Stromhungrige Displays und Extrawürste bei Speicherkarten - auch an die Folgekosten denken
In ultrakompakte Kameras passen natürlich keine preiswerten Mignon-Akkus, sondern nur die winzigen, speziellen Lithium-Ion-Typen, die sich die Hersteller im Nachkauf gern mal mit 50 bis 80 Euro vergolden lassen. Echte "Stromfresser", wie die technisch ansonsten sehr beeindruckende ultrakompakte Panasonic Lumix DMC-FZ3 mit ihrem großen 2,5-Zoll-Display und der optischen Bildstabilisierung, saugen die Akkus in nullkommanix leer, sodass selbst bei kurzen Fotoausflügen ohne Ersatzakku kaum was geht.
Ohnehin ist der Trend zu immer größeren LC-Displays eher kontraproduktiv, wenn die Hersteller einfach nur die Displays in der Diagonale aufpumpen, ohne die Auflösung mit zu erhöhen! Die Folge sind grobe, unscharfe "Riesen"displays ohne Zusatznutzen, die aber auf der Kamerarückseite den Bedienelementen den Platz streitig machen.
Kostenfaktor Speicherkarten: SD-("Secure Digital")-Cards sind heute recht günstig zu haben; eine 512-MByte-Markenkarte gibt es ab etwa 40 Euro. Vorsicht aber bei Fuji und Olympus: deren xD-("extreme Digital")-Picture Card kostet bei gleicher Kapazität schon rund 30 Euro mehr. Und Sony verwirrt die Kundschaft inzwischen mit einer Fülle von Memory-Stick-Subtypen und genehmigt sich für die entsprechende "Pro"-Variante mindestens 90 Euro. Insbesondere, wer etwa im Urlaub gleich mehrere Speicherkarten benötigt, sollte beim Kamerakauf also die Speicherkosten im Auge behalten.
Ausstattung: Wie steht's mit dem Weißabgleich?
Thema Weißabgleich: Digicams stellen sich automatisch auf die unterschiedlichen Beleuchtungsbedingungen ein. Aber insbesondere Kunst- und Mischlicht ist nicht immer ihre Sache. Deshalb gibt es meist auch wählbare Farbtemperatur-Festwerte (z. B. "Sonnenlicht", "Glühlampe", "Neonröhre"). Ideal ist aber der manuelle Weißabgleich, der auf Knopfdruck an einer weißen Fläche ausgeführt wird und selbst unter diffizilem Mischlicht zu bemerkenswert korrekten Fotofarben führt. Ein Plus für Kameras, die dieses Feature besitzen, aber das ist bei den Ultrakompakten nicht selbstverständlich.
Ebenfalls eher die Ausnahme sind gute Video-Fähigkeiten. Winzig, mit nur einem Viertel der VGA-Auflösung (640x480) und mit 10 bis 15 Bildern pro Sekunde ruckeln die Clips oft vor sich hin, und nicht selten derart stark komprimiert, dass auch die letzten Bilddetails noch zugepixelt werden. Und dann fällt oft nach nur 30 Sekunden auch noch die Klappe. Doch es gibt Ausnahmen - bei den Ultrakompakten ist es wiederum die neue Ixus 30/40 von Canon, deren schneller Prozessor VGA-Videoclips bei flüssigen 30 Bildern pro Sekunde in veritabler Qualität erlaubt, und zwar so lange, bis die Speicherkarte voll ist. Dasselbe gilt für "endlose" Fotoserien bei fast 2,5 Bildern Pro Sekunde. Eine High-Speed-Speicherkarte jeweils vorausgesetzt.
Hand anlegen
Vor dem Kauf im Fotogeschäft noch gut zu testen sind die Einschaltzeit und die Auslöseverzögerung der Wunsch-Digicams. Dazu den Autofokus einfach auf verschieden weit entfernte und unterschiedlich beleuchtete Objekte richten, auch in Telezoom-Stellung. Schon der subjektive Eindruck zeigt recht verlässlich, ob die Kamera zu den lahmen Enten oder zu den Rennpferden der Zunft zählt. Da lebendige Fotoobjekte oft recht flüchtig sind, ist eine kurze Auslösezeit bei den Kameras wichtig - 0,5 Sekunden wären schön, bei einer Sekunde ist die Schmerzgrenze deutlich erreicht. Die Hersteller verstehen unter "Auslöseverzögerung" übrigens oft nur die Zeit zwischen Durchdrücken des Auslösers und Öffnen des Objektivverschlusses - die alles entscheidende Fokuszeit wird hier gnädig ignoriert, die entsprechende Prospektangabe ist für die Praxis wertlos.
Beim Fotohändler kann man dann gleich auch noch prüfen, ob man mit den Bedienelementen der Wunschkameras gut zurecht kommt und das Navigieren durch die Menüs reibungslos abläuft. Und mit dem entspannten Gefühl eines (hoffentlich) guten und kulanten Services nach dem Kauf beim örtlichen Händler lässt sich so auch der eine oder andere gegenüber der Internet-Bestellung mehr ausgegebene Euro verschmerzen.
Ganz zu schweigen vom guten Gewissen, wieder ganz aktiv ein Stück weit zur Arbeitsplatzsicherung im heimischen Handel beigetragen zu haben. Und dieses gute Gefühl ist ja gerade zu Weihnachten besonders wertvoll.