Digital Future Magische Tische
Chat-Fläche Bar: Elektronische Kontaktanbahnung
Foto: Digital World
Wer in der Mayday-Bar im Salzburger Hangar-7 mit dem Finger auf die Tischfläche tippt, jagt keine Brotkrümel. Stattdessen schickt er vielleicht gerade der Schönen am anderen Ende des Tresens eine Botschaft. Denn die Bartheke ist in Wirklichkeit ein riesiges Computerdisplay, das auf die Eingaben der Gäste reagiert. Zugegeben - eine extravagante Art, Bildschirm und Tastatur nahtlos in unseren Lebensraum zu integrieren. Der interaktive Tisch fasziniert jedoch immer mehr Forscher und Hersteller. Hier ihre ersten Modelle.
Der 42 Zoll große Arbeitstisch Diamond Touch der amerikanischen Mitsubishi Electric Research Laboratories ist bereits jetzt als Prototyp für Entwickler zu kaufen. Er funktioniert ähnlich wie ein riesiger PDA, indem er dank integrierter Antennen auf Antippen reagiert und auf Wunsch eine Tastatur einblendet. Weil er vom Sitzplatz aus schwache elektrische Signale über den Körper einer Person empfängt, registriert er sogar, von wem ein Kommando stammt.
Wer seine Ideen an dem in Holland entwickelten Stehtisch Gispen XS bespricht, kann sich beim Fachsimpeln sogar in die Augen schauen. Um dabei zwanglos auch PC-Entwürfe diskutieren zu können, hat die Designerin Emilie Tromp in einer zweiten Ebene unterhalb der 110 cm langen und 60 cm breiten gläsernen Tischplatte einen Flachbildschirm vorgesehen. Weniger komfortabel ist hier allerdings die Bedienung des Rechners iMac G5. Denn dafür sieht der Prototyp nach wie vor Maus und Tastatur vor.
Zauber-Spieltisch
Statt mit Maus und Tastatur arbeitet Philips Entertaible mit berührungsempfindlichen Displays. Eine Reihe von Infrarot-LEDs und Photodioden ist rings um den 30-Zoll-Flachbildschirm angeordnet, der ganz der Unterhaltung dient. "Die Sensoren erkennen simultan mehrere Finger und Spielfiguren", beschreibt Steve Klink vom Philips-Forschungszentrum in Eindhoven die Technik. "Die Spieler können ganz intuitiv mit der virtuellen Welt umgehen - das fühlt sich an wie Zauberei." Der auf der Consumer Electronics Show CES Anfang des Jahres erstmals präsentierte Spieltisch soll zunächst vor allem in Casinos zu finden sein. Später wird er dann laut Philips-Sprecher Klink auch für Privatanwender bezahlbar.
Intelligenter Esstisch
Auch der Esstisch daheim bekommt Computerunterstützung. Der Future-Bereich des Panasonic-Centers in Tokio zeigt heute schon die High-Tech-Vision: Wie belebte Tischsets sind an jedem Sitzplatz Bildschirme in die Tischfläche integriert, und auf der Mattscheibe ziehen Fische stumm ihre Bahnen. Sie sind keine Pausenfüller eines virtuellen Aquariums, sondern symbolisieren Nachrichten, die beim Anklicken erscheinen. Auf Wunsch sucht ein Software-Agent in den persönlichen Kalendern nach einem passenden Termin fürs gemeinsame Abendessen und reserviert über das Internet den Tisch im Restaurant.
Dolmetschertisch
Weil "normale" PC-Bildschirme Texte immer so anzeigen, dass sie nur aus einer Perspektive lesbar sind, eignet sich ein einzelner Horizontalmonitor nur bedingt für die Zusammenarbeit mehrerer Personen. Denn die meisten Zuschauer müssten den Kopf verdrehen, um das Bild richtig zu sehen. Das NTT-Forschungszentrum in Kyoto will aus den unterschiedlichen Perspektiven nun eine Tugend machen: Sein Lumisight-Table bietet den Betrachtern rund um den Tisch vier unterschiedliche Ansichten, die der Computer passend aufbereitet. Dadurch lässt er sich beispielsweise als Dolmetscher einsetzen: "Wir haben ein Übersetzungssystem für asiatische Sprachen entwickelt und in Lumisight integriert", so Mitsunori Matsushita von NTT. "Es unterstützt die Unterhaltung zwischen Japanern, Koreanern und Chinesen."
Kommunikationsfreudige Bar
Unweit des Salzburger Flughafens ist im zweiten Stock der Türme des Hangar-7 die Mayday-Bar untergebracht. Ihre Attraktion: eine Multimedia-Theke, sprich ein Kreisring von sechs Metern im Durchmesser aus bruchsicherem, mit Spezialfolie beschichtetem Glas. Die Theke besteht aus 18 Rückprojektionsflächen, auf denen ebenso viele Kameras und PCs die Gegenstände und Gesten der Gäste erfassen. Ständig laufen in der comicartigen "Waiters City" Kellnerfiguren herum, die reale Objekte auf der Thekenoberfläche zu bemerken scheinen: Beispielsweise zucken sie vor Handys wie von einem elektrischen Schlag getroffen zurück. Unter einem Aschenbecher greifen sie selbst zum Glimmstängel und lassen virtuelle Rauchwolken aufsteigen. Beim Antippen von roten Ballons erscheint ein Nachrichtenfeld, das je drei Fragen und Antworten in zehn Rubriken anbietet und sie ins gewünschte Barsegment überträgt, beispielsweise zum Platz der Angebeteten.