Digitale Wasserzeichen: Jetzt will auch Microsoft mitmischen - DER SPIEGEL
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Digitale Wasserzeichen Jetzt will auch Microsoft mitmischen

Digitale Wasserzeichen werden als Instrument zur Sicherung von Urheberrechten immer interessanter. Verständlich, dass auch Softwareriese Microsoft seine Finger mit im Spiel haben möchte, wenn es darum geht, den Markt aufzuteilen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Pittsburgh - Ein digitales Wasserzeichen, das sind Zusatzinformationen, die versteckt in Musikdateien, elektronische Bilder oder auch Software eingefügt werden und die Rückschlüsse auf den Ursprung der Files ermöglichen. Zukünftige Copyright-Schutzmechanismen könnten mit Hilfe dieser Informationen illegale Kopien von legal vervielfältigten Dateien, Bildern oder Musiktracks unterscheiden und aussortieren. Das jedenfalls sieht die Theorie vor.

Bislang sind zahlreiche Verfahren für digitale Wasserzeichen, etwa für Musikdateien, vorgestellt worden - auf dem breiten Markt durchsetzen konnte sich noch keines. Neben Verbreitungsproblemen der, oftmals nur von einzelnen Anbietern im Alleingang entwickelten, Technologie ist vor allem die Frage entscheidend, wie schwer es Angreifern fällt, das Wasserzeichen zu entfernen, ohne die betreffende Datei allzu stark zu beschädigen. "Man kann nie von einer 100-prozentigen Sicherheit sprechen," so lautete vor einiger Zeit das Fazit von Gerald Moser vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, wo ebenfalls ein Wasserzeichensystem entwickelt wird, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

So musste die Industrieinitiative SDMI registrieren, dass eine Gruppe von neun US-Forschern den vermeintlichen Kopierschutz für die Musikdateien der Zukunft, die Digital Music Access Technology (DMAT), ohne Probleme entfernen konnte. Mit einem Publikationsverbot versucht die Industrie seit dem, die Ergebnisse der Wissenschaftler nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.

Auftritt Microsoft

Nun will auch Microsoft auf dem Markt der digitalen Wasserzeichensysteme mitmischen. Und sollten die Redmonter sichern können, dass ihr Schutzsystem nicht einfach abgestreift werden kann, dann könnten sie gute Chancen haben. Denn das von den beiden Microsoft-Forschern Darko Kirovski und Henrique Malvar auf dem vierten "Information Hiding Workshop" der Universität Pittsburgh vorgestellte Copyright-Schutzverfahren wird vor allem durch einen Umstand interessant: Neben der Entwicklung der Wasserzeichentechnologie kann Microsoft auch auf eine große Erfahrung und Marktbeherrschung bei der Abspielsoftware verweisen.

Für das Microsoft-System werden bei Musikdateien im Frequenzbereich von zwei bis sieben kHz zusätzliche Informationen eingestreut, die genaue Frequenz wird ständig variiert. Anschließend wird die Datei mit Wasserzeichen digital signiert. Sollte also ein Angreifer versuchen, den Schutz zu entfernen, kann eine Veränderung der Datei immer festgestellt werden. Gegen eine Vielzahl von Angriffen ist das Microsoft-System nach Ansicht der Forscher immun, so etwa die Veränderung der Samplingrate.

Zukünftige Versionen von Windows könnten also bei Kopien mit fehlendem Wasserzeichen oder mit defekter Signatur das Abspielen der Soundfiles einfach verweigern. Ein Triumph etwa für die Musikindustrie, die im Bezug auf Copyright ihre Felle schon davonschwimmen sah? Microsoft verhandle derzeit mit größeren Plattenkonzernen über die Verwendung des Systems, sagte Kirovski: "Wir hoffen, damit den E-Commerce im Multimedia-Bereich voranzubringen."

Doch ganz so weit ist es offenbar noch nicht. Microsoft hat noch Angst vor Pannen: "Wir vertrauen dem System noch nicht genug, um es in einem Produkt einzubauen," meint Forscher Darko Kirovski.

Christoph Seidler

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