Doppel-WM 2006 Blechkartons auf dem Rasen
Robotikteams aus den USA, Japan und Europa finden sich während der Spielpause der Fußball-WM am 24. Juni 2006 in Hohenheim ein. Doch auf den Rasen vor der ansässigen Universität begeben sie sich nicht selber. Sie lassen spielen und dirigieren die Robotercrews, die bei der Endausscheidung der Feldroboter-WM antreten.
So hübsch wie die knuddeligen Aibo-Roboterhunde sehen die gebastelten Vehikel aber nicht aus. Eher wie scheppernde Schuhkartons mit Antennen bestückt. Mit Fußball haben sie auch nur mittelbar zu tun: Statt einem Fußball hinterher zu eiern, suchen die Blechgesellen ausgestattet mit Infrarot-Sensoren, Scannern und Ultraschall-Empfängern den Boden ab. Im Wettstreit kontrollieren sie den Fußballrasen auf Trittlöcher, geben Alarm oder die Spielfläche frei.
Ihre Entwickler kommen meistens aus Hochschulen oder sind Techniker aus der Agrarindustrie, aber auch immer mehr Schüler-Gruppen melden sich zur Weltmeisterschaft an. So drücken die amtierenden Weltmeister noch die Schulbank.
Die WM der Feldroboter geht eigentlich auf eine Notsituation zurück. Der Professor Joachim Müller wollte für seinen Studiengang der Agrartechniker im niederländischen Wageningen werben - es hatten sich zu wenig Studenten beworben. Das sollte der Feldroboter-Event ändern, den er 2003 erstmalig veranstaltete und der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Bei seinem Wechsel von Wageningen nach Hohenheim nahm er die Feldroboter-WM mit.
Müller reiht sich somit in die Reihe der Träger des informellen Ehrentitels "Der, der die WM nach Deutschland holte" ein, und das sogar unumstritten: Bei der Fußball-WM schmücken sich ja neben "Kaiser" Franz Beckenbauer auch Sportminister Otto Schily und natürlich "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn mit dem Titel.