Drahtlos ins Web In Rostock funkt es
Zum Semesterbeginn wird an der Rostocker Alma Mater das europaweit erste Funk-gestütze Rechnerkommunikationsnetz in Betrieb gehen. "Von jedem beliebigen Punkt der Hochschule kann man dann über Funk auf das Internet und das Uni-Netz zugreifen", sagt Projektleiter Djamshid Tavangarian vom Fachbereich Informatik. Die Wissenschaftler stellen das System auf der Computermesse Cebit vor.
"Ähnliche Netze gibt es bislang erst an zwei Universitäten in Boston und im japanischen Keio", sagt der Professor. "Das sind aber Campus-Unis, während wir über Dutzende Standorte im gesamten Stadtgebiet verstreut sind. Hier gab es deshalb zusätzliche technische Probleme zu lösen." Alle Hochschulgebäude auf mehreren Quadratkilometern werden dafür mit einem Netz von 150 Sendern überzogen, die jeweils einen Radius von einem halben Kilometer bestrahlen. Installiert werden sie von Informatikstudenten.
Für Tests wurden 30 Studenten mit Laptops ausgerüstet. Das Projekt verwendet WLAN-Technologien (Wireless Local Area Networks/Drahtlose lokale Netze). "Die Nutzer sind innerhalb der Universität völlig mobil", sagte Tavangarian. "Die zunehmend überforderten Rechner-Pools der Universität können entlastet, beliebige Räume wie Mensen, Hörsäle oder Bibliotheken zu Rechnerarbeitsräumen umfunktioniert werden." Während Vorlesungen und Tagungen lassen sich alle PCs vernetzen. Schließlich kommen die Teilnehmer schneller als über die Telefonleitung ins Netz; die Telefonkosten entfallen ohnehin.
"Wir rechnen mit zunächst 2000 Nutzern, die Kapazität ist aber so groß, dass mindestens 4000 gleichzeitig im Netz arbeiten können", sagte Tavangarian. Für die Teilnahme müssen die Laptops mit einer Karte aufgerüstet werden, die 300 DM kostet, aber auch geleast werden kann. "Jeder erhält eine PIN-Nummer, wir haben für dieses Projekt höchste Sicherheitsstandards." Das System aus den USA erlaube eine hohe Verschlüsselung und schnelle Datenübertragung.
Verglichen mit den USA, wo die Zukunftschancen genau wahrgenommen würden, werde in Deutschland zu wenig Geld für neue Informationstechnologien ausgegeben, sagt der Wissenschaftler, der sein Sabbathjahr an der University of California, Santa Barbara verbracht hat. "Wir versuchen, das mit Fantasie und mit Innovationen, die nicht viel Geld kosten, auszugleichen." Mecklenburg-Vorpommern hat das Pilotprojekt finanziell unterstützt. "In zwei bis drei Jahren ist die Technologie reif für die allgemeine Nutzung", prophezeit Tavangarian.
Thomas Kunze