DRM-Formate Der Kampf gegen KaZaAs Gesetz
Intel, Nokia, Samsung, Toshiba und Matsushita präsentieren zurzeit ihre Vorstellungen, wie ein neuer Standard zum Schutz digitaler Rechte aussehen soll. Damit haben sich alle Hersteller in verschiedenen Koalitionen verbündet, um die Nutzung gekaufter Inhalte durch die Anwender weiter einzuschränken.
Langfristig soll der neue Standard von Intel & Co. der Musik- und Filmindustrie alle Sorgen abnehmen, die ihnen Raubkopierer und Tauschbörsen derzeit bereiten. Die Initiative der "Project Hudson" genannten Gruppe richtet sich auch gegen Microsoft, denn der Konzern aus Redmond will in bekannter Manier den Markt dominieren. Microsoft hat mit dem "Windows Media Rights Manager" bereits ein System entwickelt und versucht über das "Content Reference Forum" (CRT) seine Interessen durchzusetzen.
Im CRT ist auch der Verschlüsselungsspezialist Macrovision Mitglied, dessen Technik DVDs vor unerlaubtem Zugriff schützen soll und beim Bezahlfernsehen von Premiere für die Verschlüsselung sorgt. Microsoft konnte sein System jedoch bisher nicht vermarkten, denn die kleine Firma Intertrust hat den großen Softwarekonzern wegen der Verletzung verschiedener Patentrechte verklagt. Intertrust gehört mittlerweile zu Sony, einem direkten Konkurrenten im Krieg der Formate.
Sony ist nicht nur einer der weltweit größten Hersteller von Unterhaltungselektronik und Computertechnik, sondern auch im Geschäft mit digitalen Inhalten, Videos und Musik aktiv. Der japanische Konzern wird schon im Frühjahr mit seinen Musikdienst "Connect" versuchen, Apple Konkurrenz zu machen.
Don't copy
"Mit DRM kann auch festgelegt werden, dass ein Musikstück sich nicht mehr als dreimal abspielen oder kopieren lässt. Man will die Nutzung digitaler Inhalte auch nach der Übertragung auf einen fremden Rechner unter Kontrolle behalten", sagt Bernd Honnet, Pressesprecher der digitalen Bürgerrechtsorganisation Protect Privacy. "Das ist eine unzumutbare Einschränkung, denn im privaten Bereich sollte jeder die Möglichkeit haben, Kopien anzufertigen. Unternehmen wie Microsoft setzen darauf, die Anwender immer stärker zu reglementieren."
Im vordigitalen Zeitalter kauften die Verbraucher zu vorgegebenen Preisen Schallplatten, CDs, Bücher und Videos. Im privaten Bereich machte man Kopien auf Audiokassetten, die immer mit einem Verlust an Qualität verbunden waren und den Rechteinhabern immer noch Geld über die Verwertungsgesellschaften einbrachte.
Leistungsfähige Computer, Internet mit Breitbandübertragung und digitale Kopiermöglichkeiten brachten das schöne Geschäft durcheinander. Heute wandert die Kopie nicht mehr nur an die Angebetete, sondern über Tauschbörsen bekommen Millionen Musikfreunde eine Zugriffsmöglichkeit. Der Computer ist keine zweckgebundene Abspielstation, denn er kann viel mehr - und das ist für das Geschäft der Industrie nicht gerade förderlich.
- Electronic Frontier Foundation
- "Protect Privacy":Initiative gegen TCPA
- Intertrust:Patenklagen gegen Microsoft wegen "Trusted Computing"
- Microsoft zum Thema DRM
- Website der "Content Reference Group"
- Macrovision:Liefert die Verschlüsselung für DVDs und Pay-TV (Premiere)
- Eff-Kampagne:"Let the Music play"
The Show must go on
Gerätehersteller wie Hewlett Packard setzen sich derzeit an die Spitze der Bewegung zum Schutz digitaler Rechte und gegen Raubkopien. "Digitale Piraterie hat uns KaZaAs Gesetz gebracht. KaZaAs Gesetz gibt an, dass sich unser Sinn von Recht und Unrecht nicht so schnell entwickelt, wie unsere Technik", sagt Firmenchefin Carly Fiorina. "Es ist illegal, es ist falsch geistiges Eigentum zu stehlen und es gibt Dinge, die wir als Unternehmen dagegen tun können und auch tun werden."
Schon in diesem Jahr wird HP zwei Plasma-Fernseher herausbringen, die das "broadcast flag" unterstützen, einen Kopierschutz für digitales Fernsehen. Ist das Flag gesetzt, lässt sich ähnlich wie beim Serial Copy Management System (SCMS) der Minidisk keine digitale Kopie der Aufnahme mehr anfertigen. Ab dem 1. Juli 2005 muss das "broadcast flag" nach einem Beschluss der amerikanischen Regulierungsbehörde "Federal Communications Commission" (FCC) in allen verkauften Geräten enthalten sein.
Alle neuen Consumergeräte von HP sollen in diesem Jahr einen Kopierschutz erhalten, der digitale Rechte erkennt und durchsetzt. Das Unternehmen will 2004 auch ein komplettes Digital Entertainment System aus PC, Netzrouter, Projektor, Kamera, Digitaldrucker, Digitaldisplay und Handheld ausliefern - Kopierschutz natürlich inklusive. Will jemand ohne Lizenz Daten kopieren, ausdrucken oder abspielen, bekommt er nur den lapidaren Hinweis zu sehen: "Der Inhalt unterliegt einem Copyright und das Kopieren ist nicht gestattet."
Es geht natürlich auch um Inhalte und die müssen beschafft werden, denn die Computerindustrie kann zwar Geräte zur Unterhaltung bereitstellen, aber Filme, Musik und interaktive Dienste sind bisher nicht ihr Geschäft. Wichtige Partner im Kampf um die Vorherrschaft im Wohnzimmer sind der amerikanische Branchenverband der Filmindustrie "Motion Picture Association of America" (MPAA) und der Verband der Musikindustrie "Recording Industry Association of America" (RIAA), die beide bereits mit harten Bandagen gegen die Verletzung von Urheberrechten vorgehen.
Trusted Computing
Damit die Urheberrechte im Sinne der Industrie gewahrt werden, muss der Alleskönner Computer wieder unter die Kontrolle der Hersteller gebracht werden. Ein Digital Rights Management reicht dafür nicht aus, denn die "Höllenmaschine" PC kann so ziemlich alles umgehen, was sich die Kopierschützer einfallen lassen.
So hat der Entschlüssler des DVD-Kopierschutzes Jon Lech Johansen ein kleines Programm entwickelt, mit dem das Digital Rights Management von Apples Musikladen "iTunes" ignoriert wird. Die Rettung der Rechtebesitzer könnte in Gestalt von "trusted Computing" kommen, der Verbindung einer neuen Softwarearchitektur, die direkt auf einen eingebauten Chip zugreift. Nach Angaben der Industrie soll das zwar nichts mit digitalen Rechten zu tun haben, aber die Verlockungen scheinen zu groß, als dass man sich die Möglichkeit entgehen lässt.
Microsofts Palladium oder NGSCB könnte die letzte undichte Stelle auf dem Weg zu einem wasserdichten Schutz schließen. "Geht es nach den Vorstellungen einiger Unternehmen aus der Informationstechnik, dann blüht uns in Zukunft bei der Unterhaltung eine ähnliche Entwicklung wie sie bei den Computern mit "trusted Computing" schon unmittelbar bevorsteht", sagt Bernd Honnet.
Der Kampf um die Standards der digitalen Rechteverwaltung ist eröffnet und der Sieger steht noch nicht fest. Allerdings kann der Anwender mit weiteren Einschränkungen rechnen, denn der neuen Allianz zwischen Computer- und Contentindustrie liegt nichts an der vielseitigen Multimediamaschine Computer, ihr ist ein Fernseher mit Internetanschluss lieber.
Am Ende spielt es aber kaum eine Rolle, welches System sich durchsetzen wird: Alle Unternehmen setzen auf die Kontrolle ihrer Kunden.