Druckertinte Werbeflut selbstgemacht
Sie fühlen sich benachteiligt, weil Sie weniger Spam-Mails kriegen als die Kollegen? Ihr Briefkasten quillt nicht von Werbepostillen über, wenn Sie von der Arbeit kommen? Dann könnte das Angebot der Firma Printcast genau richtig für Sie sein.
Denn die Leute bei Printcast haben sich einen innovativen neuen Weg ausgedacht, wie man Werbung unters Volk streuen kann: Man lässt die Kunden die Reklame einfach selber ausdrucken - auf dem Tintenstrahldrucker. Als Anreiz, damit man das auch wirklich tut, verspricht Printcast, nach dem Ausdruck einer bestimmten Anzahl an Werbeseiten eine neue Tintenpatrone zuzuschicken.
10 Cent pro Print
Um an diesem System teilnehmen zu können, muss man sich zunächst bei Printcast registrieren und einen speziellen Druckertreiber installieren, den es derzeit nur für Windows gibt. Diese Software verarbeitet die Druckaufträge, indem es zu den eigentlichen Druckdaten Werbegrafiken hinzufügt und den Druckauftrag erst dann an den eigentlichen Druckertreiber weiterreicht. Der eigentliche Inhalt der Seite wird dabei auf 80 Prozent verkleinert. Etwa 0,10 Euro werden dem Printcast Kundenkonto dadurch gutgeschrieben. Wer sich dazu entschließt, eine komplette Seite der Werbung zu opfern, erhält eine Gutschrift in Höhe von 0,50 Euro.
Man kann diese Funktion aber auch deaktivieren, wie Printcast-Geschäftsführer Birger Wunderlich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt: "Natürlich kann man jederzeit die Werbung ausschalten, ohne den Druckertreiber zu wechseln." Das scheint sinnvoll. Man stelle sich einen Brief ans Finanzamt vor, dessen Randflächen in knalligem Rot verkünden, Geiz ist geil.
Keine Chance für Schummler
Nun könnte man natürlich auf die Idee verfallen, auf die Schnelle 100 Seiten Werbung auszudrucken, um möglichst fix an eine neue Tintenpatrone zu kommen. Doch solchen Schummlern hat Printcast einen Stein in den Weg gelegt: Mehr als zehn Seiten Werbung pro Tag darf man nicht ausdrucken. Zudem - und das ist viel wichtiger - ist die Zahl der Tintenpatronen, die man über Printcast beziehen kann, auf vier Stück pro Jahr begrenzt.
Wie viele Werbeausdrucke man konkret braucht, hängt vom jeweiligen Druckermodell und dessen "Tintenreichweite" ab. Bei einer vollseitigen Werbung, die 0,50 Euro einbringt, rechnet Birger Wunderlich vor, "finanziert das bei einem Drucker im Schnitt vier werbefreie Seiten".
Hinzu kommen in jedem Fall die Kosten für die Übertragung der Werbegrafiken. Je nach Format sind diese zwischen 30 und 256 Kilobyte groß. Das hört sich erstmal vernachlässigbar an, kann sich aber summieren. Wer sein volles Tageskontingent ausschöpft, muss rund zweieinhalb Megabyte Werbung aus dem Internet auf seinen Rechner laden, pro Woche macht das 17,5 Megabyte und im Monat maximal ein halbes Gigabyte. Eine Flatrate scheint da empfehlenswert.
Mit Zuzahlung
Auch einen Ausweg für Wenigdrucker weist das Unternehmen bereits auf. Wer feststellt, dass ihm die Wartezeit auf eine neue Patrone zu lang wird, kann neue Patronen auch mit Zuzahlung erwerben. Das Rechenbeispiel der Firma: Hat man ein Guthaben in Höhe von 25 Euro "erdruckt", kann man durch Zahlung von weiteren 25 Euro einen Tintenpatrone im Wert von 50 Euro bekommen.
So viel wird man aber glücklicherweise kaum für eine Tintenpatrone anlegen müssen. Denn tatsächlich scheinen die Tintenpreise bei Printcast absolut wettbewerbsfähig zu sein. So soll etwa die Tintenpatrone LC1000BK für das Brother-Multifunktionsgerät MFC240 15,55 Euro kosten, die Patrone Nr. 56 von Hewlett Packard 15,91 Euro. Beide Preise liegen am unteren Ende der Preisspanne, die in Webshops für solche Patronen verlangt werden.
Mehr drucken für den Umweltschutz
Zum Thema Umweltschutz hat Printcast eine sehr eigene Sichtweise, denn, so heißt es auf der Website des Unternehmens, man versuche, mit dem "Konzept Müll zu vermeiden". Die Argumentation: Bei gewöhnlicher Werbung, etwa per Wurfpost, läge die Streuung extrem hoch. Nur etwa einer von 1000 Adressaten würde sich wirklich für die angepriesenen Produkte interessieren. Durch die Personalisierung der Printcast-Werbung könnte man also 999 Blatt Papier einsparen, so Printcast.
Was dabei außer Acht gelassen wird: Printcast-Werbung wird nicht anstelle, sondern zusätzlich zu Wurfpostsendungen und Zeitschriftenwerbung gedruckt.
Um Möglichst schnell zu frischer Tinten zu kommen, so soll man bei Printcast ein möglichst detailliertes Benutzerprofil hinterlegen, denn: "Die Bewertung und der virtuelle Verdienst je Ausdruck, kann je nachdem, wie genau Sie die Fragen über Ihre Interessen bei der Anmeldung beantwortet haben, gesteuert werden." Anders ausgedrückt: Wer besonders viel von sich preisgibt, kommt früher an den teuren Tintensaft. Doch die personenbezogenen Daten, so gelobt Printcast, würden nicht an Dritte weitergegeben.
Darüber, wann der Tinte-für-Werbung-Dienst seinen Betrieb aufnehmen wird, sagt Wunderlich, er hoffe "die Testphase in eineinhalb Monaten abzuschließen". Wann genau das sein wird, dürfte freilich auch davon abhängen, wie viele Werbetreibende sich tatsächlich für die neue Werbeform begeistern können. Schließlich setzt die ja voraus, dass man sich wissentlich unbekannte Verkaufsofferten aussetzt. Birger Wunderlich jedoch gibt sich zuversichtlich. Er habe schon "mehrere feste Zusagen" von Werbekunden.
Wir sind gespannt, wann uns der Postbote wohl den ersten werbefinanzierten Brief bringen wird.