DVD-Boom Video-Markt wächst um 22 Prozent
Allerorten herrscht Stöhnen und Jammern, ganze Branchen reden sich in die Krise hinein - nur beim Bundesverband Audiovisuelle Medien herrscht eitel Sonnenschein. Denn die durch Film-Downloads und Produktpiraterie angeblich akut bedrohte Branche boomt wie nie: Ein steiler Zuwachs beim Absatz von digitalen DVD-Bildträgern hat dem deutschen Videomarkt im vergangenen Jahr zu einem Wachstum von mehr als 22 Prozent verholfen.
Insgesamt habe die Branche 2002 mit dem Verkauf und der Vermietung von DVDs und Videokassetten einen Rekordumsatz von 1,4 Milliarden Euro erzielt, teilte der Bundesverband Audiovisuelle Medien am Donnerstag mit. Damit sei der so genannte Home Entertainment Markt für die Verwertung von Spielfilmen bedeutender als die deutschen Kinos, wo im gleichen Zeitraum 960 Millionen Euro eingespielt worden seien.
Der Absatz von DVDs, auf denen Spielfilme und Musik digital gespeichert werden, stieg dem Verband zufolge im vergangenen Jahr um 75 Prozent auf 713,3 Millionen Euro. Insgesamt 28,18 Millionen DVDs habe man allein in den ersten elf Monaten des letzten Jahres an den Mann gebracht. Das, so der Bundesverband, setze Maßstäbe.
Der Verkauf von VHS-Kassetten ging dagegen um 14,6 Prozent auf 327,5 Millionen Euro zurück. Mittlerweile sei mehr als jeder zweite verkaufte Bildträger eine DVD, hieß es. Im Verleih hat die Videokassette immer noch einen Vorsprung, doch auch hier holt die DVD auf. Die Vermietungen der digitalen Bildträger verdreifachten sich im vergangenen Jahr, während der Verleih von Videos um rund ein Drittel zurückging.
Noch steiler hätten die Bilanzkurven aussehen können, wenn es in Deutschland weniger "Parallelimporte" gäbe: Drängendstes Problem der DVD-Vertreiber ist der Import von amerikanischen "Regionalcode 1"-DVD. Deren Import ist, wie die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen GVU mitteilt, schlicht illegal: "Die erfolgreiche Verwertung von Filmen auf allen Ebenen beruht auf der Einhaltung von eingespielten Auswertungsfenstern."
Kaum einen Einfluss hatte der rasant wachsende Absatz auf die Preisgestaltung der Vertreiber: Der Durchschnittspreis für eine legale Regionalcode-2-DVD sank gegenüber dem Vorjahr um zwei Euro. Der Durchschnittspreis einer DVD in Deutschland liegt nun bei 19,67 Euro, während VHS-Videos mit 11,51 Euro zu Buche schlagen.