DVD-Wiedergabesoftware: Hollywood schön gerechnet - DER SPIEGEL
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DVD-Wiedergabesoftware Hollywood schön gerechnet

DVD-Abspielprogramme haben eine Menge Funktionen, damit das Video Schauen am PC Spaß macht: Sie peppen etwa Stereoton zu acht Kanälen auf oder zeigen DivX und neuerdings sogar hochauflösende Filme. Doch manchmal greifen die Hersteller mit ihren Innovationen auch daneben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was will der PC-Käufer, wenn er seinen neuen PC aus dem Karton geschält hat? Spielen, Surfen, Musik hören und natürlich Videos gucken. Am liebsten mit der vollen Dröhnung über fünf Lautsprecher und einen Basstöner.

Kein Problem, DVD-Abspielsoftware kann so was. Meist sind es die Programme WinDVD von Intervideo oder PowerDVD von Cyberlink, die auf Windows-Rechnern vorinstalliert sind. Beide Firmen beherrschen den Markt für Abspielsoftware schon seit Jahren. Das Geschäft läuft gut, schließlich wird kaum noch ein Rechner ohne DVD-Laufwerk ausgeliefert und die PC-Käufer möchten dann auch sofort Videos anschauen können, ohne sich extra dafür ein Programm beschaffen zu müssen.

Doch die Kunden wollen nicht nur eine DVD-Abspielsoftware, sie wollen auch regelmäßig neue Versionen, die noch mehr können als die bisherigen - so ist das nun mal im Softwaregeschäft.

Funktionen ausgereizt?

Allerdings ist es nicht ganz einfach für die beiden Hersteller, ihre Programme ständig weiter zu verbessern. PowerDVD und WindDVD gibt es mittlerweile schon in der sechsten Generation. Wie eine Video-DVD aufgebaut ist, welche Tonspuren es geben kann und so weiter - das alles wurde schon Ende der neunziger Jahre festgelegt. Mehr als Abspielen geht halt nicht, die Funktionen scheinen ausgereizt.

Was nicht heißen soll, dass die ersten Programmversionen schon ausgereift waren. Vor allem an der Bildqualität haben die Entwickler gearbeitet. Intelligente Filter sollen Block-Artefakte verhindern, falls die DVD-Produzenten bei der Herstellung des Videos geschludert haben.

Auch beim so genannten Deinterlacing, der Technik, um den hässlichen Zeilensprung aus Videoaufnahmen verschwinden zu lassen, hat sich eine Menge getan. PowerDVD beherrscht in der neuen Version 6.0 erstmals intelligentes, adaptives Deinterlacing, bei WinDVD 6 sorgt "Digital Natural Motion" in der Platinum-Ausgabe für bessere Qualität bei schnellen Bewegungen vor der Kamera.

Natürlich hat die Formatvielfalt zugenommen. PowerDVD und WinDVD spielen neuerdings hoch auflösende High-Definition-Filme in Microsofts WMV-Format, PowerDVD versteht auch Videos im neuen Standard H.264. DivX wurde bereits in früheren Versionen unterstützt.

Doch damit wollten sich die Produktmanager bei Intervideo und Cyberlink längst nicht zufrieden geben. Wie wäre es zum Beispiel, wenn man die schwarzen Ränder von Kinofilmen wegzaubern könnte? Mit einem Breitformat-Monitor oder 16:9-Fernseher kein Problem.

Aber es geht auch auf einem stinknormalen 4:3-Display. Man muss das Bild nur ein bisschen bearbeiten.

Pano Vision nennt Cyberlink die Bildquetsche, die aus einem Breitformat ein normales macht. Bei Intervideo heißt sie Smart Stretch. Damit das Ganze möglichst wenig auffällt, werden vor allem die Randbereiche rechts und links gestaucht und mitunter auch etwas beschnitten. Die Mitte, in der sich laut Cyberlink ja das Wesentliche vom Film abspielt, bleibt weitgehend unversehrt. Dass sich ein Regisseur auch über die Bildaufteilung Gedanken gemacht haben könnte, zählt hier nicht.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Doch nicht nur die störenden schwarzen Balken bieten Stoff für eine neue Programmversion. Auch die schwachen, düsteren Farben in so manchem Streifen. Auch dagegen lässt sich etwas machen, ein Computer ist ja schließlich auch ein perfektes Werkzeug zur Bildbearbeitung. Eagle Vision, Adlerblick, nennt Cyberlink seinen Auffrischfilter, der "das visuelle Erlebnis des Anwenders durch intelligentes Anpassen des Videokontrasts und der Farben über Filmszenen hinweg" bereichert - O-Ton Cyberlink.

Eagle Vision helfe auch beim Angleichen von zu dunklen oder zu hellen Szenen und beim Optimieren von Farben und Kontrast, "um die bestmöglichen Bilder zu erhalten". Die Technologie eigne sich auch ideal für das Korrigieren des Verlusts von Details bei einigen TFT- und Röhren-Monitoren.

So strahlt das Gesicht von Julia Roberts in optimistischen Farbtönen, obwohl es das ja vielleicht gar nicht soll. Die Software kann jedenfalls kaum beim Regisseur nachgefragt haben, wie düster die Szene denn eigentlich gemeint ist. Sie interpretiert die Bilder auf ihre Weise.

Doch zum Glück kann man ihr das auch verbieten: Der innovative Adlerblick ist genauso abstellbar wie die Stauchfunktion Pano Vision beziehungsweise Smart Stretch. Dafür gebührt den Entwicklern besonderer Dank.