E-Commerce: Die Sammelbesteller - DER SPIEGEL
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E-Commerce Die Sammelbesteller

In fast allen Branchen haben sich B2B-Plattformen gebildet. Über diese Märkte wollen die Unternehmen Ein- und Verkäufe im Internet abwickeln. Kann das revolutionäre Modell funktionieren?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Tribeca Grill" ist ein Schickimicki-Restaurant im südlichen Manhattan. Es gehört dem Filmstar Robert de Niro, und die Bedienungen treten auf wie verhinderte Schauspielerinnen, die in Nebenrollen für lausige Gagen Essen und Getränke servieren müssen.

In diesem Glamour-Ambiente New Yorks trafen sich im vergangenen Jahr die Vertreter einer eher spröden Gemeinde - die E-Commerce-Spezialisten der größten Konsumgüterhersteller aus aller Welt. Aus dem Dinner wurde eine Firma - in Internet-Geschwindigkeit. Zwei Monate nach dem Treffen gab es bereits einen Business-Plan, weitere vier Wochen später war das Startkapital von über 500 Millionen Mark gesammelt.

So schnell und so geräuschlos wie Transora haben sich in allen wichtigen Industrien Business-to-Business (B2B)-Plattformen gebildet. Kaum jemand hat ihre Namen je gehört: Transora, Covisint, Elemica, e2open, Ehitex, WorldWide Retail Exchange (WWRE) oder Aeroxchange. Doch die Firmen, die dahinter stecken, kennt jeder: Es sind die größten Unternehmen der Welt.

Hinter Transora etwa stehen 53 renommierte Markenartikler - von Coca-Cola bis Unilever - mit einem geballten Umsatzvolumen von über einer Billion Mark. Die über 20 Handelsfirmen im WWRE kommen auf einen Umsatz von 1,2 Billionen Mark, die 21 Elemica-Chemieunternehmen auf immerhin 800 Milliarden.

Wenn wir den Firmen und ihren soufflierenden Beratern glauben, dann ist es schlicht eine Revolution, die sich da anbahnt. Die PricewaterhouseCoopers-Berater Grady Means und David Schneider prophezeien in ihrem neuen Buch "Meta-Capitalism", dass E-Marktplätze die globale Wirtschaft in kurzer Zeit revolutionär verändern werden. Traditionelle Kundenbeziehungen und Warenströme würden - so ihre Botschaft - verschwinden.

Es gibt bereits Plattformen, die beweisen, dass Online-Marktplätze funktionieren können. Sie heißen Freemarkets oder VerticalNet, und sie wurden von Entrepreneuren Mitte der neunziger Jahre gegründet. Und es gibt Metalsite, einen schon seit zwei Jahren existierenden und erfolgreichen Marktplatz der amerikanischen Stahlindustrie.

Die größte Managementherausforderung ist: Wie bekommt das Plattformmanagement so viele Firmen unter einen Hut? Es sind ja schließlich alles Wettbewerber, die sich bislang mehr oder weniger bekämpft haben. Gestern Feinde, heute Freunde - diese Mutation klappt nicht so einfach.

Denn es gilt nicht nur Nettigkeiten auszutauschen, sondern handfeste und höchst sensible Informationen. Wer ernsthaft in einer Plattform mitarbeiten will, muss sich in die Bücher schauen lassen, Lagerbestände preisgeben, zum Teil Produktspezifikationen verraten und Preiskalkulationen offen legen. "Da geht es ans Eingemachte", so ein Berater.

Wolfgang Hirn



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