E-Commerce "Virtuelle Freunde"
Die Besucher der Expo kennen ihr Maskottchen "Twipsy". Auf der Website der Expo wird es in einem zusätzlichen Javascript-Fenster zum Leben erweckt. Dort steht es den interessierten Besuchern Rede und Antwort, und zwar ohne dass erst eine E-Mail geschrieben werden müsste. Dabei verweist der Piepmatz in seinen Antworten auch direkt und ohne Umweg auf Links zum entsprechenden Thema.
Hinter der virtuellen Chatterbox "Twipsy" verbirgt sich "Lingubot", eine Software der Hamburger Softwareschmiede Kiwilogic . Die Software erschafft "Wesen", die jede Website zum Leben erwecken.
Der Referenz-Chatter von Kiwilogic, das unförmige Wesen "Charlie ", kann nach eigenen Angaben "eine ganze Menge, zum Beispiel gleichzeitig auf einem Pin stehen" und seinen "Source-Code rückwärts aufsagen". Wenn das keine Grundlage für ein tiefsinniges Gespräch ist!
Lingubots sind freundliche Helfer, mal Kundenberater, mal Produktspezialisten oder unterhaltsame Gesprächspartner. In den Unternehmen sollen sie helfen, die Kundenzufriedenheit zu steigern. Geld lässt sich damit auch noch sparen, weil die Kunden seltener lästige E-Mails schreiben, die persönlich beantwortet werden müssen. Um das zu ermöglichen, muss ihr Wortschatz von einer Autorencrew ständig erweitert, verfeinert und auf die User abgestimmt werden.
Die Software vergleicht die Eingaben der Benutzer mit dem programmierten Wissen. Dabei erkennt das Programm einzelne Worte, Wortteile, Phrasen, Wortreihenfolgen sowie mehrschichtige Kontext-Strukturen und entscheidet dann, welche Antwort die jeweils beste ist.
Erfahrung mit einer derartig fortschrittlichen Kundenbetreuung haben auch andere Firmen gemacht, zum Beispiel Olympus bei der Vorstellung seiner neuesten Innovation "Eye-Trek ", einer Brille als Heimkino-Ersatz, oder die Brau- und Brunnen AG mit einer ihrer Top-Marken, dem Tafelwasser Apollinaris . Hier hilft ein "Geistesblitz" dem Besucher bei der Beantwortung seiner neugierigen Fragen.
VirtualFriends, die "virtuellen Freunde" der vista new media GmbH aus Köln, agieren ganz ähnlich: Im Gegensatz zu "Lingubots" machen sie aber an keiner Plattformgrenze halt. Selbst im Fernsehen können sie zum Leben erweckt werden. Im Internet können sich die dreidimensionalen Charaktere sogar frei auf der Website bewegen und Informationen für den Nutzer sammeln.
Auch sie lernen über eine datenbankgestützte "künstliche Intelligenz" ständig hinzu und können selbst unterschiedliche Gefühlsäußerungen mit in den interaktiven Dialog einbringen.
Die Geschäftsführerin Alexandra Fuzinski umschreibt das Ziel der neuartigen Helfer so: "Meine Vision ist es, die Technologie in den Dienst des Menschen zu stellen. Mit unseren Produkten möchte ich eine Brücke zwischen Mensch und Computer bauen. Unsere VirtualFriends-Software ist das Herz der virtuellen Charaktere. Sie verleiht ihnen Leben und sorgt dafür, dass Technik menschlicher wird."
So wird in naher Zukunft Bob, der virtuelle Kundenberater der Deutschen Immobilienbörse , die Suchenden durch das breit gefächerte Angebot leiten. Der Vorteil: Bob schläft nie, ist rund um die Uhr im Einsatz und dabei immer gut gelaunt und höflich. Dabei soll Bob als 3D-Charakter mit aufwendig programmierter Mimik und Gestik nahezu lebensecht wirken. Mehrere Sprachen soll er auch noch beherrschen, doch noch lässt er auf sich warten, der 24-stündige Super-Agent.
Bereits erfolgreich im Einsatz ist die virtuelle Freundin cir@ : die "Cellway Internet Responding Agentin", ein "Tool" zur Kommunikation mit Händlern und Endkunden. Michael Grodd, der Geschäftsführer der Cellway Kommunikationsdienste GmbH , einem Serviceprovider für das Mobil- und Festnetz, bestätigt, dass der Handel "cir@ positiv als Hilfe und gleichzeitig als Spaßelement" aufnimmt.
Das Ziel der Firmen Kiwilogic und vista, dass Lingubots und virtuelle Freunde tatsächlich überforderte Mitarbeiter im Telefoncenter restlos ersetzen und Ersatz für menschliche Gesprächspartner bieten, ist noch sehr weit entfernt. Noch lassen sich die kleinen Wesen zu leicht und immer wieder aufs Glatteis führen. Doch auf dem Weg zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) sind sie ein wichtiger Beitrag. Und amüsant und hilfreich sind sie auf jeden Fall.