E-Mail-Flut AOL sieht Spammer auf dem Rückzug
Weniger Mails, weniger Spam: Im November dieses Jahres haben die Kunden des Online-Dienstleisters AOL nur 1,6 Milliarden E-Mails pro Tag empfangen - ein Jahr zuvor waren es noch 2,1 Milliarden. Das Gute daran: Der Großteil dieses Rückgangs betraf nach AOL-Angaben Spam.
Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Beschwerden über Spam um über 75 Prozent ab. Gleichzeitig ist nach Angaben des Unternehmens auch die Zahl der Nachrichten, die von AOLs Spamfilter automatisch in den Spam-Ordner sortiert wurden, um 60 Prozent auf 40 Millionen gesunken.
Laut AOL-Sprecher Nicholas Graham ist die Spam-Abnahme vor allem der verbesserten Filtertechnik zu verdanken. Viele Spammer bemerkten, dass ihre Botschaften einfach nicht durchkämen, sagte er. Carl Hutzler, der Leiter der Anti-Spam-Arbeitsgruppe von AOL, machte außerdem die verschärften gesetzlichen Vorschriften in den USA für den Rückgang verantwortlich. Kürzlich hatte ein US-Gericht im Bundesstaat Iowa einem Spam-Geschädigten über eine Milliarde Dollar Schadensersatz zugesprochen. In Virginia steht der Top-Spammer Jeremy James vor Gericht, der im Februar zu neun Jahren Haft verurteilt werden könnte.
Von den AOL-Konkurrenten Yahoo und Microsoft gab es keine aktuelle Stellungnahme zur Entwicklung des Spam-Aufkommens. Das auf Internet-Sicherheit spezialisierte Unternehmen Postini bestätigte, dass bessere Filter die Spammer demotivierten. Allerdings gebe es keine Abnahme, sondern eher einen Trend zu kleineren Zielen. "Wenn Sie ein Spammer wären, würden Sie annehmen, dass eine Firma, die zu den 500 größten des Landes gehört, eine gute Verteidigung gegen das Zeug besitzt", sagte Postinis Marketingchef Andrew Lochart.
Mehr als zwei Drittel aller Mails sind Spam
Nach Messungen von Postini bestehen bis zu 82 Prozent der eintreffenden E-Mails aus unerwünschter Werbung. Die amerikanische Antispam-Firma Message Labs und das britische Unternehmen Brightmail gehen von einem generellen Wert zwischen 62 und 67 Prozent aus. 42 Prozent davon kommen aus den USA, Deutschland liegt mit rund einem Prozent auf dem zehnten Platz. Die Kosten, die Internet-Nutzer weltweit für die Bekämpfung der unerwünschten E-Mails aufwenden, werden auf rund zehn Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.