eBook-Premiere: Bücherbrett für Bett und Bahn - DER SPIEGEL
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eBook-Premiere Bücherbrett für Bett und Bahn

Lange war es angekündigt, zweimal bereits stand es im Fokus der Frankfurter Buchmesse. Nun soll das Rocket eBook endlich in dieser Woche auf den Markt kommen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt/Main - Buch und Computer wachsen zusammen. Ob sie auch wirklich zusammengehören, entscheiden die Leser. Als erstes elektronisches Buch kommt nun das "Rocket eBook" der Firma NuvoMedia nach Deutschland. Es soll eine völlig neue Lese-Erfahrung bieten.

Mit dem mühsamen Lesen von langen Texten am PC-Bildschirm ist Schmökern im Rocket eBook nicht zu vergleichen. Das kontrastreiche Display im Notizbuch-Format (11,4 mal 7,6 Zentimeter) kann selbst aus schrägem Einblickwinkel gut gelesen werden. Auch der Haupteinwand der PC-Kritiker gilt nicht mehr: Das elektronische Buch liegt so bequem in der Hand, dass es tatsächlich im Bett oder in der Straßenbahn gelesen werden kann. Geblättert wird mit Knopfdruck, dabei kann das Gerät mit einer Hand gehalten werden. Für den Wechsel der Schriftart und andere Aktionen kommt ein Stift zum Einsatz, mit dem die gewünschte Darstellung auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgewählt wird.

Zu lesen gibt es in dem neu gekauften eBook jedoch noch nicht so viel: Kafkas "Verwandlung" ist schnell verschlungen, und die mitgelieferten Nachschlagewerke - die neue Rechtschreibung und ein Englisch-Wörterbuch - laden nicht gerade zum gemütlichen Leseabend ein. Dafür aber steht im Internet eine große Bibliothek bereit - derzeit sind es 1800 kommerzielle und 1200 freie Titel, zumeist in englischer Sprache. In Deutschland haben 15 Verlage zum Start des eBooks eigene Titel angekündigt, insgesamt sollen 500 deutschsprachige Bücher zur Verfügung stehen.

Das elektronische Buch kostet genauso viel wie die gedruckte Ausgabe - die Buchpreisbindung lässt grüßen. Selbst wenn zu einem Werk bereits ein preiswerteres Taschenbuch vorliegt wie bei Tim Coles "Erfolgsfaktor Internet", muss man für die elektronische "Rocket Edition" den Preis der Originalausgabe zahlen.

eBook wird "nostalgisches Druckwerk" nicht ersetzen

Gegenüber gedruckten Büchern hat das eBook den Vorteil, dass sich in der Volltextsuche schnell bestimmte Stellen finden lassen. Diese können dann unterstrichen oder mit Anmerkungen versehen werden - hierfür muss man mit dem Stift eine kleine Bildschirmtastatur bedienen. Künftig soll es auch ein eBook mit Farbbildschirm oder zumindest ein Display geben, das Bilder in verschiedenen Grauabstufungen anzeigen kann. Hier bleibt das eBook also noch hinter den Fähigkeiten des Hochglanzdrucks zurück.

Mit seinem Arbeitsspeicher von 16 Megabyte kann das eBook etwa 45 Bücher mit jeweils 400 Taschenbuchseiten aufnehmen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine zusätzliche Karte mit 32 Megabyte einbauen zu lassen.

"Mit Sicherheit werden elektronische Bücher die gedruckten Bücher nicht ersetzen", sagt der Vorstandschef der Bertelsmann-Tochter BOL International, Heinz Wermelinger. "Es gibt jedoch Situationen, in denen das Rocket eBook komfortabler ist, wie zum Beispiel auf Reisen oder bei schlechten Lichtverhältnissen."

In den USA blieb der Verkaufserfolg im ersten Jahr nach der Markteinführung zunächst hinter den Erwartungen zurück. Für Furore sorgte allerdings jüngst Stephen Kings Novelle "Riding the Bullet", die in den ersten beiden Tagen ihres Erscheinens als eBook 500.000 Mal von den Horrorfans heruntergeladen wurde. Jetzt sind Buchhandel und Computerwelt gespannt, wie das elektronische Buch im Land der Dichter und Denker aufgenommen wird.