Ein Loch ist im Browser: Erdhörnchen beißt Explorer - DER SPIEGEL
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Ein Loch ist im Browser Erdhörnchen beißt Explorer

Kaum vier Monate ist Microsofts "Trustworthy Computing"-Initiative alt, und schon wieder tauchte eine Sicherheitslücke im Internet Explorer auf. Microsoft wird das offenbar zu bunt: Angestaubte Programmzeilen sollen jetzt im Eiltempo aus dem Windows-Code fliegen.
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Gopher, das "Erdhörnchen" (eigentlich eine "Taschenratte") aus den Jugendtagen des Internet, lag eigentlich schon tot am Wegesrand. Doch siehe, es zuckte noch. Seinen letzten Atemzug nutzte das Tierchen, seine Zähne in Microsofts Internet Explorer zu schlagen und ein klaffendes Sicherheitsloch zu hinterlassen.

Gopher ist ein längst überholtes Protokoll aus der Zeit des explosiven Internet-Wachstums. Laut einer Gopher-Site der Point Loma Nazarene University  (Link funktioniert nur mit Gopher-fähigen Browsern) besteht "GopherSpace" - das Netzwerk der Server, die Gopher unterstützen - aus ganzen 600 Rechnern. Das allerdings hindert den Internet Explorer nicht daran, das Nagetier an sich heranzulassen.

Das Resultat ist ein dickes Loch in der Deckung, meldete jüngst die finnische Computersicherheits-Firma Online Solutions. Mit Hilfe des Gopher-Protokolls, warnen die Finnen, könnte ein Hacker volle Kontrolle über fremde Computer erlangen: Dateien löschen, Passwörter ausspähen, Kontoauszüge einsehen - alles kein Problem, sofern diese Daten auf der Festplatte liegen.

Das Heimtückische an dem fiesen Erdhörnchen ist, dass man sich laut Online Solutions gar nicht erst aktiv in einen Gopher-Server einloggen muss. Schon ein Code in einer Webseite oder eine E-Mail könne den Rechner des Explorer-Benutzers zu einem Gopher-Server umleiten, auf dem bösartige Codes lauern. Nach Angaben der finnischen Firma, die den Fehler im Internet Explorer 5.5 und 6 nachgewiesen haben will, brauche ein Hacker nicht einmal einen vollwertigen Gopher-Server zu betreiben, um das Sicherheitsloch auszunutzen.

Microsoft reagierte zunächst verschnupft auf die Meldung. Unseriös sei das, eine Sicherheitslücke an die große Glocke zu hängen und Verwirrung zu stiften, anstatt zuerst mit dem Hersteller zu sprechen. Genau das aber habe man versucht, kontern die Finnen. Nur habe Microsoft die Warnung in den Wind geschlagen. Deshalb verrät die Firma auf ihrer Homepage auch gleich einen Trick, das Loch zu stopfen.

Schwierige Schlankheitskur: Microsoft will entschlacken

Der herzhafte Biss des Nagers hat den Software-Riesen nun offenbar geweckt.

Viele uralte Teile des Windows-Programmcodes, die sich aus den Anfangstagen des Betriebssystems in die neueren Versionen hinüber gerettet haben, sollen demnächst in der digitalen Mottenkiste landen. Die Gopher-Unterstützung beim Internet Explorer etwa werde "im Rahmen der kommenden Veränderungen entfernt oder standardmäßig ausgeschaltet", sagte Microsofts Sicherheits-Chef Steve Lipner dem Informationsdienst "ZDNet". Wenn Microsoft vor der Wahl stehe, alte und möglicherweise unsichere Programmteile zu entfernen oder aber einer kleinen Minderheit von Kunden zu gefallen, werde man sich für die Sicherheit entscheiden.

"Manche Dinge werden jetzt schneller verschwinden", kündigte Lipner an.

Was neben der Gopher-Unterstützung geopfert werden soll, wollte der Microsoft-Mann nicht verraten. Auch nicht, wie groß der Anteil an altem Code in Windows XP ist. Denn die alten Teile aus dem Betriebssystem herauszuoperieren, dürfte ein schwieriges Unterfangen werden. Windows XP etwa besteht aus rund 50 Millionen Programmzeilen - ein elektronisches Biotop, in dem alles von allem abhängt.

Wenigstens wähnt man sich bei Microsoft auf dem richtigen Weg. Im kommenden Service Pack 1 für Windows XP sei die Abschaltung der Gopher-Unterstützung schon vorgesehen gewesen, ehe die Sicherheitslücke überhaupt bekannt geworden sei. Lipner: "Wir haben die richtigen Fragen gestellt."