Elektroschrott: Wertstoffhof statt Mülltonne - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Elektroschrott Wertstoffhof statt Mülltonne

Ausgediente Elektrogeräte sind kein Hausmüll mehr, sondern müssen gesondert entsorgt werden. Seit einem Jahr stehen die Hersteller in der Pflicht, Altgeräte zurückzunehmen. Noch besser ist es jedoch, ausgediente Apparate einer weiteren Nutzung zuzuführen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt/Main - Seit gut einem Jahr ist die Mülltonne für ausrangierte Elektrogeräte tabu. Stattdessen müssen Bürger seit dem 24. März 2006 ihren Elektroschrott vom MP3-Player bis zur Kühltruhe zu kommunalen Sammelstellen ("Wertstoffhof") zurückbringen. Die Hersteller wiederum sind verpflichtet, die Altgeräte zurückzunehmen und nach dem Stand der Technik zu entsorgen. So sieht es das bereits im März 2005 in Kraft getretene Elektro- und Elektronikgerätegesetz vor. Sein Ziel ist es, die Abfallmenge durch Wiederverwendung und Verwertung zu verringern sowie die Umwelt vor giftigen Substanzen zu schützen.

Im Zuge dieser Neuregelung mussten sich die Verbraucher auch an ein neues Symbol auf den Geräten gewöhnen: Eine durchgestrichene Mülltonne soll daran erinnern, dass das Produkt nicht mehr in den Hausmüll gehört. Der Bürger selbst muss bei der Abgabe der Geräte nichts bezahlen. Das Umweltbundesamt  empfiehlt den Verbrauchern aber eine Nachfrage bei Elektrohändlern, von denen viele die ausrangierte Elektronik kostenlos zurücknähmen.

Von der Rücknahmepflicht sind die meisten in Privathaushalten vorkommenden Elektrogeräte betroffen. Großgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Elektroherde; aber auch kleine Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Toaster, Bügeleisen und Uhren. In die Sammelstellen gehören zudem schadstoffhaltige Leuchten sowie elektronisches Spielzeug oder Unterhaltungselektronik.

Hersteller und Importeure sind seitdem stärker in der Pflicht. Sie sind nun quasi über die gesamte Lebensdauer für die Geräte verantwortlich. Die Produzenten müssen schon bei der Herstellung auf eine möglichst gute Verwertbarkeit der Produkte achten und stehen für die Rücknahme und sachgerechte Entsorgung gerade. So besteht die Pflicht, die Geräte bei der "Stiftung Elektro-Altgeräte Register" (EAR) registrieren zu lassen und die Entsorgung nachzuweisen.

Die Bauteile vieler Geräte sind Schadstoffquellen: So können Leuchtstoffröhren bis zu 15 Milligramm Quecksilber enthalten. Auf der anderen Seiten finde sich aber auch viele Wertstoffe, die ansonsten ungenutzt im Abfall verschwinden. So können Metalle laut Bundesamt mit herkömmlichen mechanischen Trennverfahren ausgesondert und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden.

Die Fachleute raten Verbrauchern, sich nicht allzu rasch von den Geräten zu trennen, weil viele eigentlich noch funktionsfähig seien. So könne man etwa versuchen, über das Internet Bastler oder wohltätige Organisationen zu finden und so die Lebensdauer noch zu verlängern. Das komme der Umwelt zu Gute.

mak/ap