"Elfenstaub" IBM strickt an der 400-Gigabyte- Festplatte
Die Nachricht kommt ganz lapidar daher: Durch den Einsatz des platinähnlichen Metalls Ruthenium zwischen zwei Magnetschichten könne die Datendichte der Festplatten in den nächsten zwei Jahren vervierfacht werden, teilte IBM am Montag am Unternehmenssitz in Armonk im US-Bundesstaat New York mit. Mit der neuen Beschichtung könnten auch die kleinsten Computer in großem Umfang Musik- und Videodateien speichern.
Was zunächst nach nicht mehr als einer zwangsläufigen Weiterentwicklung der Speichertechnologien klingt, bedeutet für die Industrie jedoch weit mehr. Denn längst glaubten die Ingenieure in aller Welt, mit den derzeitigen Standards die Grenze des materialtechnisch Möglichen erreicht zu haben. Schon begannen die Entwickler, eilig nach Alternativen zu suchen: Das stetig wachsende Angebot multimedialer Inhalte für den Rechner verlangt zwingend nach immer größeren Speicherkapazitäten.
Bisher galt die durch heutige Speichermedien fast erreichte Grenze der Speicherkapazitäten als physikalisch nicht überwindbar: Die Kompression feinster magnetischer Partikel unter ein bestimmtes Maß ist nicht möglich, weil die Partikel sonst instabil werden - sie verlieren ihre Ladung, und damit auch ihr "Gedächtnis". Diese "Schallgrenze" liegt bei etwa 40 Milliarden Bits pro Quadratzoll - heutige Festplatten erreichen bis zu 20 Milliarden. Die physikalische Obergrenze hätten die Entwickler auf Basis bisheriger Technologien innerhalb eines Jahres erreichen können.
Jetzt kommt IBM mit der Ruthenium-Platte, und verschiebt die Marge des derzeit Machbaren auf einen Wert von 25,7 Milliarden Bits pro Quadratzoll. Und damit soll natürlich nicht Schluss sein: Bis zum Jahr 2003 sei das Erreichen von 100 Milliarden Bits pro Quadratzoll realistisch: eine satte Verfünffachung des Speichervolumens herkömmlicher Festplatten. Damit rückt die 400-Gigabyte-Festplatte für den Tischrechner und die 200-Gigabyte-Platte für das Notebook in greifbare Nähe.
Und damit nicht genug: Im blanken Gegensatz zu Unternehmen, die erst ankündigen und dann entwickeln (so etwas soll es im Softwaremarkt geben, vor allem unter Monopolisten) entwickelte IBM erst, baute ein - und verkündete dann. Zu gut Deutsch: "Big Blue" hat die ersten Ruthenium-Platten bereits ausgeliefert - als Bestandteil der "Travelstar"-Produktlinie.
"Die Technologie", sagt Currie Munce, Leiter der Festplattenentwicklung bei IBM, "entwickelt sich nun außergewöhnlich schnell" - und meint damit nicht nur den Fortschritt des eigenen Projektes, sondern auch die Entwicklung bei den Speichermedien im Allgemeinen.
Verdoppelte sich über die letzten zehn Jahre das mögliche Speichervolumen bis 1997 etwa alle 18 Monate, geschieht das seitdem jedes Jahr. Mit der neuen Ruthenium-Technologie, glaubt Munce, könne das noch bis etwa 2007 so weitergehen.