Endlich wieder Computerfirma Und alle sind happy
Darauf hat die Mac-Gemeinde lange warten müssen. Nachdem Apple in den letzten Jahren vornehmlich mit dem Musik-Player iPod und dem Kleinst-Computer Mac Mini von sich reden machte, konnte Steve Jobs bei seiner gestrigen Eröffnungsrede zur Macworld Expo in San Francisco endlich wieder mit Computern aufwarten, die technologisch an der Spitze des derzeit Machbaren stehen.
Macworld Expo: Lachende Manager
Dabei waren die Erwartungen der Mac-Anhänger gar nicht so groß. Bereits Wochen vor der gestrigen Produktvorstellung orakelten Websites rund um den Globus, was der Apple-Chef wohl diesmal aus dem Köcher ziehen könnte. Fast alle lagen meilenweit daneben. Dieses etwas hilflose Stochern im Nebel ist das Ergebnis der immer strengeren Sicherheitspolitik, die Jobs bei Apple eingeführt hat. Er selbst kommentierte sein Vorgehen mit einem Lächeln und den Worten, dass "Apple ein gutes Geheimnis ebenso sehr schätzt, wie jeder andere".
Das Ergebnis der Geheimhaltungs-Taktik dürfte Jobs in diesem Jahr ganz besonders gefallen. Tatsächlich tauchten erst wenige Minuten vor Beginn seiner Rede Gerüchte im Web auf, die den tatsächlichen Produkten sehr nahe kamen. Die wochenlange Ungewissheit und die regen Diskussionen in Weblogs, Foren und Zeitschriften sorgten aber für ein massives Medieninteresse, das mit herkömmlichen Marketing-Maßnahmen kaum erreichbar wäre. Allein zur Satelliten-Übertragung der Rede in die britischen BBC-Studios ließen sich Hunderte Journalisten aus ganz Europa einfliegen.
Sichtlich aufgeregte Microsoft-Managerin
Und weder Fans, noch Analysten, noch Journalisten wurden enttäuscht. Schon die Gastauftritte von Roz Ho, der Chefin der Macintosh Business Unit bei Microsoft, sowie des Intel Chefs Paul Otellini hatten einen ganz besonderen Charme. So verkündete die sichtlich aufgeregte Microsoft-Managerin freudestrahlend, man habe eine offizielle Vereinbarung getroffen, dass der Software-Riese aus Redmond für mindestens fünf weitere Jahre neue Versionen seines Office-Pakets für den Mac herausbringen werden. Das sichert nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern vielen Macs auch weiterhin einen Platz im Büro.
Unvergessen wird jedoch vor allem Paul Ottelinis Auftritt bleiben. Umwabert von Rauchwolken und in einen weißen Schutzanzug gehüllt, wie man ihn in der Chip-Produktion trägt, betrat er die Bühne. Ganz offensichtlich hatte der Chef des weltgrößten Chip-Herstellers alle Mühe, bei seinem Gastauftritt nicht in lautes Lachen auszubrechen, so viel Vergnügen schien ihm seine ungewöhnliche Vorstellung zu bereiten. Wer außer Steve Jobs hätte den Chef des Milliarden-Konzerns Intel wohl zu einer solchen Show überreden können?
Von ganz besonderem Selbstvertrauen zeugt auch Apples Werbespot zur Einführung der Intel-Technologie. Darin wird auf ironische Weise postuliert, dass Intel-Prozessoren nach jahrelanger freudloser Knechtschaft in PCs endlich in die Freiheit entlassen würden. Gemeint sind natürlich die neuen MacBooks und iMacs, in denen Intels-Chips nach Apples Lesart bedeutend aufregendere Dinge tun werden als in PCs.
Es folgte die Vorstellung der ersten Apple-Rechner mit Intel-Prozessor. Damit hatte, zumindest in dieser Form, kaum jemand gerechnet. Und so ließen die nach London eingeflogenen Journalisten nach Ende der Übertragung Fingerfood Fingerfood sein und balgten sich darum, die vor Ort ausgestellten Testgeräte in Augenschein zu nehmen. Der Tenor: Es ist ganz erstaunlich, wie problemlos Apple den Übergang zur Intel-Technologie meistert.
Der Funke springt über
Beim Ausprobieren am neuen Intel-iMac konnten selbst gestandene Mac-Spezialisten keinen Unterschied zum Vorgänger ausmachen. Einzig die höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit fiel auf, natürlich positiv. Noch mehr spontane Zustimmung fand allerdings das MacBook Pro, dem vor allem ein im Vergleich zu seinen Vorgängern bedeutend verbessertes Display bescheinigt wurde. Die neue iPod-Fernbedienung mit integriertem Radio, ein von vielen Anwendern flehentlich gewünschtes Zubehör, verlor dagegen merklich an Bedeutung.
Dass die Berichterstattung über Apples Neuheiten sich schnell herumsprach, konnte man am Morgen nach Jobs' Rede am Apple Store in Londons Regent Street sehen. Schon lange vor Öffnung des weltweit größten Apple-Ladens formierten sich interessierte Briten vor der Tür des Geschäft zu einer etliche zehn Meter langen Schlange. Die meisten von ihnen mussten allerdings unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen. Entgegen der Ankündigung von gestern waren weder der Intel-iMac noch die iPod-Fernbedienung bereits verfügbar.
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Frische Äpfel: Intel inside4 Bilder
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Das soll sich aber schnell ändern, so die Mitarbeiter. Einzig wer ein Auge auf das neue Apple-Notebook werfen will, muss sich in Geduld üben. Das werde erst im Februar erwartet, so die Auskunft, verbunden mit der Empfehlung, man solle sich schnell eines vorbestellen. Dieser Optimismus scheint durchaus gerechtfertigt. Viele professionelle Anwender haben aufgrund der mangelnden Leistungssprünge der letzten Powerbooks die Anschaffung eines Laptops verschoben und werden nun zuschlagen.