Entsorgungs-Gesetz Elektronikschrott wird wertvoll
"Herzlichen Glückwunsch! Durch das neue Elektro-Gesetz sind Sie Rohstofflieferant." So wirbt die Deutsche Umwelthilfe für die neuen Müll-Regeln, die ab Freitag gelten. Nach dem Elektro-Gesetz muss dann jeder Bürger seinen alten Toaster, Computer oder Kühlschrank zu einer von rund 2500 kommunalen Sammelstellen bringen. Elektroschrott in der grauen Restmülltonne im Hof abzuladen, ist nach einer EU-Vorschrift dann tabu. Doch ähnlich wie beim Dosenpfand droht zum Start ein Entsorgungs-Chaos. Und die Zeche zahlt letztlich der Verbraucher: Kommunen und Elektrohersteller wollen die Kosten auf die Bürger abwälzen.
Für Umwelt und Volkswirtschaft ist das neue Gesetz mehr als sinnvoll: Jährlich landen in Deutschland 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott auf dem Müll. Darunter sind Wertstoffe wie Stahl oder Kupfer, aber auch Edelmetalle wie Silber und Gold sowie hochwertige Kunststoffe. Diese sollen demnächst weitgehend recycelt werden. Pro Einwohner und Jahr sollen so mindestens vier Kilo alte Elektrogeräte zusammenkommen. Zudem sollen giftige Stoffe wie Blei in alten Fernsehern, Asbest in Toastern oder Quecksilber in Leuchtstoffröhren erstmals fachgerecht entsorgt werden.
Das Problem sind die Kosten. Nach dem Verursacherprinzip sollen künftig die Hersteller für die Entsorgung ihrer Geräte sorgen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) beziffert die Kosten auf eine halbe Milliarde Euro jährlich. Demnach kostet die Entsorgung eines Fernsehers im Schnitt 10 Euro, die eines Kühlschranks 15 Euro. Aber die Branche steht unter Preisdruck und will die Ausgaben daher weitgehend auf ihre Kunden abwälzen. Es werde zwar ab Freitag "nicht über Nacht zu neuen Preisen" für Kühlschränke, MP3-Player oder Haartrockner kommen, sagt ZVEI-Experte Otmar Frey. Erhöht werde "schleichend".
Rentnerin zahlt für den Rechner des Nachbarn mit
Das ist laut Elektro-Gesetz auch legal. Doch die Rechnung hat einen Fehler: Denn viele der finanziell angeschlagenen Kommunen wollen die Kosten für die Einrichtung der Sammelstellen ebenfalls den Bürgern aufdrücken. Um jährlich vier Euro pro Kopf werden dadurch die Abfallgebühren steigen, schätzt der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Damit zahlt auch die Rentnerin für die Entsorgung des Computers ihres Nachbarn und der Musikmuffel für die teure Hifi-Anlage seiner Kollegin.
Ärgernis Nummer zwei: Wie beim Dosenpfand dürfte es zum Start erhebliche Probleme geben. Sorgen über einen "Müllnotstand" weisen die Hersteller zwar zurück. Aber eine "Anfangsfehlerrate von zehn Prozent" könne es schon geben, räumt ZVEI-Experte Frey ein. Grund: Höchstens die Hälfte der 10.000 deutschen Gerätehersteller sei wenige Tage vor dem Start für die Entsorgung registriert - und damit zur Rücknahme der Geräte bereit.
"Wir fürchten, dass das Ganze nach hinten losgeht"
"Wir fürchten, dass das Ganze am 24. März nach hinten losgeht", sagt Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Die Kommunen beklagen, dass sie keinen direkten Ansprechpartner haben, wenn die Elektroschrott-Container überquellen. Denn die Hersteller haben die Oberaufsicht für die Rücknahme an eine Stiftung ausgelagert; diese beauftragt aber nicht direkt die Entsorgungsfirmen, das können nur die Hersteller selbst. Die Kommunen wissen damit überhaupt nicht, wer den Schrott eigentlich bei ihnen abholt. Um diese Probleme im Eilverfahren auszuräumen, rufen die Entsorger nach einem "Runden Tisch".
Eva Leonhardt von der Deutschen Umwelthilfe rät Verbrauchern, nicht unbedingt bereits am Freitag zur Sammelstelle zu fahren. So chaotisch wie beim Dosenpfand könne es aber schon deshalb nicht werden, weil ein Kühlschrank nur alle 10 bis 15 Jahre zum Müll müsse, beruhigt sie. Sollten dennoch die Container überquellen, lautet ihr Tipp ganz nüchtern: "Nicht abschrecken lassen."
Von Stephanie Lob, AFP