ENUM ist Online Das Super-Telefonbuch wartet auf Nutzer
Interessant ist ENUM ("tElephone NUmber Mapping") vor allem beim Telefonieren über das Netz. Bislang haben Nutzer von Internet-Telefonie (VoIP) oft dann ein Problem, wenn sie Kunden aus einem anderen Netzwerk erreichen wollen. Diese führen ihre Gespräche zwar auch übers Internet aber eben mit einem konkurrierenden Provider. Und längst nicht alle Anbieter von Internet-Telefonie haben ihre Netze zusammen geschaltet. Deswegen müssen Kunden bei solchen Gesprächen auf das normale Telefonnetz ausweichen und das obwohl sie die Plauderei auch komplett kostenlos im Netz hätten führen können.
Nach einer im Januar veröffentlichten Studie der Analysten von "Credit Suisse First Boston" sorgt genau dieses unnötige Ausweichen ins klassische Telefonnetz dafür, dass Internet-Telefonie nicht wirtschaftlich genug arbeiten kann. ENUM soll das ändern. Im ENUM-Verzeichnis ist ein Hinweis zu finden, wie der direkte und damit kostenlose - Telefonkontakt übers Netz möglich ist.
Auch weitere Kontaktdetails also etwa Privat-, Büro-, Handy- und Faxnummer sowie die Mailadresse können in dem Super-Telefonbuch gespeichert werden. Dabei werden die Telefonnummern in klassische Internet-Adressen übersetzt: So wird aus der Telefonnummer (040) 30xxxxxx die reichlich kryptische ENUM-Adresse 7.8.6.2.7.0.0.3.0.4.9.4.e164.arpa. Entwickelt wurde der Standard von der Internet Engineering Task force (IETF), die Verwaltung hat die Internationale Fernmelde Union (ITU) übernommen.
Hierzulande kümmert sich die Denic, bekannt vor allem als zentrale Registrierungsstelle für alle deutschen Internet-Domains, um die ENUM-Verwaltung . Blättert man in deren Statistiken, merkt man allerdings, dass der neue Standard bisher fast nur Technikfans und Enthusiasten begeistern konnte. Gerade einmal 14.350 ENUM-Telefonnummern in 4500 ENUM-Domains stehen aktuell in den Denic-Dateien.
Björn Rücker von der Firma Portunity, die nach eigener Auskunft 70 bis 80 Prozent dieser Domains verwaltet, erklärt das auch damit, dass bisher vor allem kleinere Anbieter von Internet-Telefonie dafür Werbung gemacht haben: "Viele große Firmen wie 1&1 oder die Telekom haben bislang kaum Interesse gezeigt." Das, so vermutet Rücker, könnte auch daran liegen, dass ENUM diesen Firmen Gewinne entzieht. Wenn Kunden mit ENUM feststellen, dass sie gratis telefonieren können, gibt es niemanden mehr, der dazwischen sitzt und daran verdient.
Nach einem längeren Praxistest soll das Super-Telefonbuch nun, Anfang April, seine reguläre Arbeit aufnehmen den "Wirkbetrieb", wie es im Amtsdeutsch heißt. Und dann, so hofft Björn Rücker, könnte ENUM vielleicht doch noch den Durchbruch schaffen. Nach Angaben des Portunity-Managers interessieren sich immer mehr Hersteller von Telekommunikationsanlagen für den neuen Standard. Außerdem seien Registrierung und Betrieb einer ENUM-Domain unschlagbar günstig. Im Moment müssten Nutzer nämlich gar keine Gebühren entrichten. Und selbst wenn eines Tages welche eingeführt würde, so verspricht Rücker, lägen diese im Bereich von einem Euro im Jahr.
"Wir gehen davon aus, dass die Technologie jetzt marktreif ist", sagt auch Petra Blank, die sich bei der Denic um die ENUM-Vermarktung kümmert. Um auch Endkunden, davon zu überzeugen, warb sie auch auf der Cebit für das Konzept. Gleichzeitig schränkt sie jedoch ein: "Wir bieten keine Killerapplikationen an. Das ist das Geschäft unserer Mitglieder."
Spannend ist ENUM nicht nur für die Internet-Telefonie, sondern auch im Bereich der klassischen Fest- und Mobilfunknetze. Wo es bislang komplizierte und nicht zuletzt auch teure Rufweiterleitungen gibt, kann der neue Standard ebenfalls seine Stärken ausspielen: Je nach Verfügbarkeit des gewünschten Gesprächspartners wird der Anrufer zu einem passenden Endgerät weitergeleitet.
Möchte man also jemanden anrufen, der im Büro ist, wird das Gespräch automatisch dorthin durchgestellt. Ist er auf einem Außentermin, landet der Anruf direkt auf dem Handy. Und ist er in der Sauna, spricht man mit seiner Mailbox. "Da wo ich erreichbar bin, bekomme ich die Nachricht", erklärt Petra Blank.