Epson R-D1: Klassische Moderne - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Epson R-D1 Klassische Moderne

Bei der Messe der Photo Marketing Association sorgte Epsons R-D1 als namenlose Studie für Aufsehen. Fast acht Monate später kommt die digitale Messsucherkamera nun auf den Markt – als Spagat zwischen analoger Tradition und digitalem Fortschritt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf den ersten Blick könnte die Epson R-D1 eines dieser Liebhaberstücke sein, die in Foto-Fachgeschäften für sehr viel Geld verkauft und von ihren Benutzern fast schon fanatisch verehrt werden. Mit ihrem einfachen, schwarzen Design und Bedienelementen wie Schnellschalthebel und Rückspulkurbel sieht sie aus wie ein Vertreter des prädigitalen Fotozeitalters. Tatsächlich ist die R-D1 aber kein Bilderdino, sondern eine Weltneuheit, die Epson in Zusammenarbeit mit Cosina entwickelt hat. Als Vorbild diente das Gehäuse der Bessa R2 von Voigtländer/Cosina.

Wenn die R-D1 am 1. Oktober in den Handel geht, ist sie die erste digitale Messsucherkamera mit Wechselobjektivsystem weltweit. In ihrer Halterung können mit Hilfe eines Adapters sämtliche Objektive mit Leica-M-Anschluss sowie solche mit M39-Schraubgewinde (auch Leica-L-Anschluss genannt) eingesetzt werden. Andere Objektive sind aus mechanischen oder optischen Gründen nicht verwendbar.

Mit ihren sechs Megapixeln bietet die R-D1 digitale Technologie, hat aber ansonsten viele Merkmale der analogen Fotografie übernommen. Das zeigt schon der Blick durch den Sucher: Zum Scharfstellen der Kamera muss der Fotograf durch Drehen am Fokussierring des Objektivs zwei Teilbilder übereinander legen. Einen Autofokus gibt es nicht, um bei Foto-Traditionalisten auch ein echtes Analog-Feeling aufkommen zu lassen.

Auch andere Bedienelemente dienen der Nostalgie, selbst wenn sie nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion innehaben. So transportiert der Schnellschalthebel natürlich nicht wie einst den Film, sondern spannt nur noch den Verschluss. Die Rückspulkurbel wiederum dient der Navigation durch die Kameramenüs. Angezeigt werden die Menüs auf einem 2-Zoll-LC-Display, das einen bei der R-D1 dann doch daran erinnert, dass man sich in der fotografischen Gegenwart befindet.

Ein wichtiges Bauteil digitaler Natur ist bei der Entwicklung der R-D1 allerdings auf der Strecke geblieben: Eine Datenschnittstelle, wie sie selbst für ein Nostalgiemodell angebracht wäre, fehlt. Also muss leider zusätzlich ein Kartenlaufwerk her, wenn man die Bilder von der SecureDigital-Karte der Kamera auf den Computer übertragen will.

Wer sich allerdings die R-D1 leisten kann, dürfte mit dem zusätzlichen Griff in den Geldbeutel kein Problem haben. Laut Epson soll das Gehäuse etwa 3000 Euro kosten - ein Preis, der trotz Schwärmerei für die goldene Vergangenheit zu hoch erscheint. Zielgruppe des Herstellers sind so auch nicht die Massen im Elektromarkt, sondern Liebhaber, was zusätzlich durch die geringe Stückzahl von 10.000 Gehäusen unterstrichen wird. Nebenbei: Das analoge Basismodell der Epson R-D1, die Bessa R2, gibt es bei Voigtländer für 799 Euro. Die ist zwar nicht digital, aber trotzdem schön.