Erwischt: Microsoft-Mitbegründer verkaufte seine Aktien - DER SPIEGEL
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Erwischt Microsoft-Mitbegründer verkaufte seine Aktien

Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft, verkaufte kurz vor der Urteilsverkündigung im Anti-Trust-Verfahren gegen den Softwareriesen einen großen Teil seines Aktienpaketes - für rund 3,2 Milliarden Dollar. Er ist in bester Gesellschaft: Auch die Top-Manager Robert Herbold und Paul Gross kassierten noch schnell ein paar Millionen.
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Paul Allen ist schon lang nicht mehr "an Bord", dem Unternehmen aber noch durch umfangreiche Aktienpakete verbunden. Seit Anfang Juni ist diese finanzielle Verbundenheit merklich kleiner geworden. Zwischen dem 1. März und dem 5. Juni verkaufte Allen sukzessive Aktien für rund drei Milliarden Dollar. Am 6. Juni, dem Tag vor der Urteilsverkündigung im Kartellprozess, legte er noch einmal Aktien für 138 Millionen Dollar nach. Zusammen entspricht das ungefähr der Hälfte seines gesamten Microsoft-Paketes.

Alles Zufall, meint dazu eine Sprecherin von Paul Allen: Man müsse sich schon ziemlich anstrengen, um eine Verbindung zwischen dem Kartellprozess und den Aktienverkäufen nachzuweisen. Die Verkäufe seien ein ganz normaler Vorgang, Mr. Allen habe nur einen Teil seiner Microsoft-Aktien dazu benutzt, sein privates Aktienpaket "ein wenig zu diversifizieren".

So wird das wohl auch bei Robert Herbold gewesen sein, dem Chief Operating Officer des Softwareunternehmens. Der brachte am 7. Juni, dem Tag der Urteilsverkündigung, Aktien für 12 Millionen Dollar an die Börse. Diese Aktien stammten aus eingelösten Optionen, die Microsoft-Mitarbeiter als jährliche Gratifikationen ausgeschüttet bekommen. Nach Angaben der Börsenaufsicht verkaufte Herbold in den drei Monaten davor keinerlei Aktien.

Der dritte im Bunde, Vizepräsident Paul Gross, setzte ebenfalls Optionsscheine um - und erwies sich einerseits als relativ bescheiden, andererseits als weiser als seine beiden Kollegen. Er wartete bis zum 8. Juni, als die Microsoft-Aktien kurzzeitig stiegen und verkaufte ein Paket für zwei Millionen Dollar. Gut möglich, das dies die Verluste, die er bei einem Verkauf von 1,8 Millionen Dollar am 1. Mai hinnehmen musste, zum Teil wieder wettmachte.

Eine Microsoft-Sprecherin verwies darauf, dass es Mitarbeitern jederzeit freistünde, Aktien zu verkaufen. Über den zeitlichen Zusammenhang zwischen den Aktienverkäufen und der Urteilsverkündigung wollte sie nicht spekulieren: Microsoft nähme zu den "persönlichen Investitions-Entscheidungen" seiner Mitarbeiter grundsätzlich nicht Stellung.

Die Investor-Relations-Abteilung von Microsoft wird der Vorgang weniger freuen. Dort bemüht man sich mit aufwendigen Kampagnen, das Vertrauen der Aktionäre in den Wert der Microsoft-Aktie zu stärken.

Frank Patalong