Experten-Tipps: Spinnt mein Virenschutz? - DER SPIEGEL
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Experten-Tipps Spinnt mein Virenschutz?

SPIEGEL-ONLINE-Leser fragen, Experten antworten: Sind Mac-Computer durch Viren und Würmer gefährdet? Woran erkenne ich, ob mein PC gekapert wurde und Spam verschickt? Wie schütze ich wichtige Daten auf meinem Rechner? Außerdem: Warum es manchmal besser ist, dem Virenfilter nicht zu glauben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage von Stefanie Saier: Ich bekomme ab und zu Meldungen, eine E-Mail habe nicht zugestellt werden können - die ich aber gar nicht geschickt hatte. Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass über meinen Rechner und mit meinen E-Mail-Konten Spam verschickt wird, ich also einen Virus o. Ä. habe? Mein Antivirenprogramm findet nichts, aber das heißt ja nicht viel...

Frank Patalong (SPIEGEL ONLINE): Es ist nicht völlig auszuschließen, ist aber weit weniger wahrscheinlich als ein anderes Szenario: Tatsächlich erleben die meisten von uns solche "Bouncer" und Rückmeldungen auf nie versandte Post. Die zwei häufigsten Ursachen dafür sind folgende:

1. Ein Spam-Versender oder Adressen-Sammler verschickt blind Test-Mails an automatisch generierte oder im Internet abgefischte E-Mail-Adressen. In dem Augenblick, in dem Sie antworten, weiß er, dass die benutzte Adresse echt und aktiv ist - eine Garantie, in nächster Zeit massenhaft Werbemüll oder Virensendungen zu erhalten. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass man grundsätzlich niemals auf Spam antworten sollte. In diesem Fall sind diese seltsamen Mails also eine Art virtuelles Klopfen an der Tür: "Hallo, jemand zu Hause, den es sich lohnt zu betrügen oder zu schädigen?"

2. Die häufigste Variante: Die Mails sind tatsächlich Reaktionen auf in ihrem Namen versandte E-Mails - nur gehen die gar nicht von Ihrem Rechner aus. Zu den Standardfunktionen der meisten modernen E-Mail-Würmer und Spam-Engines gehört es, sich zu maskieren: Die Mails werden mit falschen Absenderangaben verschickt. Abgefischt werden die Adressen entweder im Internet (Foren, Chats etc.), durch Testmails (siehe oben) oder aber - die häufigste Variante - aus den E-Mail-Fächern virenverseuchter Rechner. Es reicht also, dass Sie einmal einen E-Mail-Kontakt mit irgendjemandem hatten, dessen Rechner von einem Schadprogramm befallen wurde, um Sie scheinbar zur Spam-Versenderin zu machen.

Recht haben Sie damit, dass Ihr Virenprogramm Sie vor solchen Dingen nicht unbedingt warnen würde. Die meisten Viren und Trojaner deaktivieren als erstes den Schutz durch solche Programme, wenn der Befall eines Rechners gelingt. Danach wirkt das Programm nur noch scheinbar.

Zum anderen geht es hier primär um Netzwerkverkehr. Um herauszufinden, ob Ihr Rechner verborgen im Hintergrund irgendetwas in Massen versendet, brauchen Sie eine Firewall, die den Netzwerkverkehr überwacht. Ist die allerdings korrumpiert, gilt das Gleiche wie für Virenscanner: Sie bekommen es einfach nicht mit.

Doch es gibt Indizien. Das deutlichste Indiz ist eine plötzlich aufgetretene Verlangsamung der Arbeitsgeschwindigkeit Ihres Rechners, vor allem bei der Bewegung im Netz. Ein Beweis ist allerdings auch das nicht, denn Windows-Systeme neigen dazu, im Lauf der Zeit Datenmüll anzuhäufen und langsamer zu werden. Man muss sie ab und zu aufräumen, Programm-Altlasten und -Reste deinstallieren und Festplatten defragmentieren - doch wer tut das schon?

Wenn Sie schnell Sicherheit wollen, fragen Sie einfach Ihren Provider: Melden Sie ihm, dass Sie solch einen Verdacht hegen, er kann Ihre Verbindung beobachten und sofort feststellen, ob Ihr Rechner übermäßig aktiv ist. Viele Netz-Nutzer bekommen das von ihren Providern sogar ganz drastisch mitgeteilt: Fällt ein Massenversand von Spam auf, deaktivieren viele Provider die DSL-Verbindung, bis der Kunde die erfolgreiche Reinigung des Rechners meldet.

Wie schütze ich wichtige Daten auf meinem Rechner?

Frage von Leser "Jo": Angenommen, wichtige Daten liegen auf Partition D:\ und der passwortgeschützte Rechner (oder das Notebook) kommt abhanden. So können doch die Diebe die Partition C:\ mit dem Betriebssystem plattmachen und hinterher in aller Ruhe auf D:\ zugreifen, oder? Wie lässt sich die Partition D:\ so schützen, dass außer dem Passwortinhaber niemand herankommt?

Magnus Kalkuhl (Kaspersky Labs): Die Angreifer müssten sich noch nicht einmal die Mühe einer Neuinstallation machen. Wird ein Computer mit einer Boot-CD (z.B. dem kostenlosen Knoppix) gestartet, kann der Anwender auf sämtliche Dateien zugreifen, ohne dafür ein Passwort zu benötigen.

Gut ist das dann, wenn man ein defektes System retten möchte, schlecht, wenn in böser Absicht gehandelt wird. Letztlich ist der einzig wirksame Schutz in solchen Fällen ein verschlüsseltes Dateisystem.

Neben Programmen, die tatsächlich die gesamte Festplatte verschlüsseln gibt es auch solche, die nur einzelne Partitionen absichern. Für letzteres empfiehlt sich z.B. das kostenlose Open-Source-Programm TrueCrypt . Dann sind ihre Daten schon sehr sicher - nur ihr Verschlüsselungspasswort sollten Sie dann besser nicht vergessen, denn einmal verschlüsselt, gibt es außer dem richtigen Passwort keinen realistischen Weg mehr, wieder an die Daten heranzukommen...

Fehlalarme und rasierte Rechner: Warum es manchmal sicherer ist, bei Alarm der Virenschutz-Software nicht in Hektik zu verfallen

Eine Fallschilderung von SPIEGEL ONLINE-Leser Sven Wagner:

"Als Administrator eines mittelständischen Unternehmens stehe ich täglich vor neuen Herausforderungen, was die Sicherheit der firmeneigenen IT-Infrastruktur angeht.

Unsere Mitarbeiter sind zum Glück mittlerweile entsprechend sensibilisiert und dahingehend geschult, dass obskure Anhängsel an E-Mails oder auch Webseiten nicht unbedarft geöffnet werden. Immer wieder - und das ist sehr vorteilhaft - bekomme ich besorgte Anfragen meiner Kolleginnen und Kollegen, die eine fragwürdige Mail erhalten haben und diese nun nicht eindeutig zuordnen können. Wenn diese Sensibilisierung so weit Früchte getragen hat, kann man eigentlich schon vom Idealfall ausgehen, den andere Vertreter meiner Spezies sich sehnlichst wünschen würden.

Auch die Experten bauen Mist...

Doch nicht immer verläuft der Tag ruhig. Und schuldig sind dann nicht die "Bösen", sondern ausgerechnet diejenigen, in deren schützende Hände man sein Schicksal legt: die Hersteller von Schutzsoftware.

Es kommt leider immer mal wieder vor, dass auf einem oder gleich mehreren Rechnern im Netzwerk der Alarm losgeht, weil der Virenscanner einen Fund zu vermelden hat. Die erste Reaktion ist dann immer die Isolation des betroffenen Rechners. Doch die beiden letzten epidemieartigen Ausbrüche von Virenalarmen hatten ihre Ursache in einer fehlerhaften Signaturdatei des Antivirenherstellers. Das automatische tägliche Update hat sich also eine Datei mit Informationen zur Virenerkennung vom Hersteller heruntergeladen, die vom Hersteller versehentlich mit falschen Informationen gefüttert worden war.

Da ich mich beim ersten Ausbruch ohne weitere Rückfrage auf die Auskunft des AV-Programms (in diesem Fall Avira AntiVir) verlassen hatte, wurden gleich mehrere Rechner neu installiert. Leider ohne jeden Grund, denn wie sich später herausstellte, war keiner der Rechner infiziert.

Mein Tipp ist daher, sich bei jedem Virenalarm für ein paar Schritte die Zeit zu nehmen, auch wenn man zunächst den Eindruck hat, die nötige Zeit würde nicht zur Verfügung stehen:

  • Rechner vom Netzwerk trennen - es reicht völlig, das Netzwerkkabel herauszuziehen
  • Von einem anderen Rechner aus im Internet Recherche zum gemeldeten Virus betreiben
  • Webseite des AV-Herstellers konsultieren, auf eventuelle Nachrichten zu fehlerhaften Updates achten
  • Einen ausführlichen Scan des befallenen Systems mit einem von CD gestarteten Virenscanner durchführen

Außerdem ist es natürlich unerlässlich, regelmäßige Backups zu machen. Für die Faulpelze daheim ein kleiner Tipp: Eine externe USB-Festplatte reicht zum Sichern der eigenen Daten völlig aus. Nur sollte diese Platte auch wirklich nur während eines Backups angeschlossen sein und auch nicht für andere Zwecke missbraucht werden..."

Muss man auch einen Mac vor Viren schützen?

Frage von Alejandro Ruiz Tesche (u.v.a.): Inwieweit sind wir Mac-Nutzer geschützt? Ich habe kein Antivirus-Programm oder ähnliches. Brauche ich eines?

Toralv Dirro (McAfee): Die Bedrohung durch Viren ist bei Apples Macs erheblich geringer. Aber auch auf aktuellen Mac-Betriebssystemen und Applikationen sind eine Reihe von Sicherheitslücken gefunden worden und es besteht eine durchaus reale Bedrohung durch Hacker oder Würmer. Regelmäßiges Einspielen der Updates für das Betriebssystem ist auch hier Pflicht.

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