Fernsehempfang: Die Antenne kommt zurück - DER SPIEGEL
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Fernsehempfang Die Antenne kommt zurück

Während Kabel und Satellit beim Kampf um die Marktführerschaft nahezu gleichziehen, erlebt die Antenne derzeit einen Boom. Dank DVB-T wechseln immer mehr Zuschauer zur einst totgesagten Übertragungsform.
Von Lukas Bay
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg – Noch vor ein paar Jahren galt es als etwas altbacken, Fernsehen über die Dachantenne zu schauen. Wenige Programme und schlechte Bildqualität verdarben den Spaß am Fernsehen. Doch nun erlebt die Antenne eine Renaissance: Allein im Jahr 2005 nahm die Zahl der Antennenzuschauer laut einer Umfrage des Satellitenbetreibers SES Astra im Vergleich zum Vorjahr um rund 55 Prozent auf 2,12 Millionen Haushalte zu.

Damit ist die Antenne, auch wegen ihrer geringen Verbreitung in den neuen Bundesländern, noch keine ernst zu nehmende Konkurrenz für Kabel und Satellit. Sie könnte aber dazu werden, wenn sich der Trend zum bezahlten Kabel- und Satellitenfernsehen fortsetzt.

Erst kürzlich hatte die RTL-Gruppe angekündigt, ihre über Satellit verbreiteten Digitalprogramme künftig nur noch verschlüsselt und gegen 3,50 Euro Gebühr auszustrahlen. Experten vermuten, dass weitere Fernsehsender folgen werden. Trotz wachsender Werbeeinnahmen suchen die Sender nach einer kalkulierbaren Einnahmebasis.

Die Antenne wäre für die Fernsehzuschauer eine kostengünstige Alternative. Terrestrisch können mit DVB-T derzeit bis zu 30 Programme empfangen werden. Zwar haben einige Privatsender angekündigt, auch eine Verschlüsselung der DVB-T-Signale zu prüfen. Bis Mai 2009 sind die Sender allerdings durch einen Vertrag mit ihrem Vertriebspartner T-Systems dazu verpflichtet, ihre Programme unverschlüsselt auszustrahlen.

Der Satellitenbetreiber SES Astra fürchtet sich trotzdem nicht vor der terrestrischen Konkurrenz. "Das ist ein Strohfeuer", sagt ihr Sprecher Friedrich-Karl Reichardt. Er glaubt, dass der Satellit sich in der digitalen Zukunft durchsetzen wird. Grund für den Optimismus geben die Verbreitungszahlen der letzten Jahre. Insgesamt 16,4 Millionen Haushalte sehen Fernsehen per Satellit, das ist eine Steigerung von rund sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Werden die Wachstumszahlen der letzten Jahre gehalten, könnte die Schüssel das Kabel als Markführer ablösen.

Kabel erlebt Kundenschwund

Denn die Zahl der Kabelkunden schrumpft. Seit dem Jahr 2002 haben die Unternehmen rund zwei Millionen Kunden verloren. Den Rückgang versuchen sie durch das sogenannte Triple Play aufzuhalten. Kunden sollen Fernsehen, Internet und Telefon über die Kabelanbieter beziehen – alles aus einer Hand. "Beim Triple Play können DVB-T und Satellit noch nicht mithalten", erklärt Kabel Deutschland Sprecher Matthias Winter. Laut einer Umfrage des Handelsblattes sind 20 Prozent der Befragten "sehr interessiert" an den Bündelangeboten, weitere 28 Prozent zeigten sich zumindest "interessiert".

Eine "Rückkehr zum Kabel" beobachtet auch Stefan Susbauer, Sprecher von Kabelnetzbetreiber Unity Media. Unity Media habe seine Kundenzahlen im Kerngeschäft stabilisieren können. Für die privaten Sender sei Kabel die kostengünstigste Möglichkeit, ihre Zuschauer zu erreichen. Darüber hinaus sei es im Vergleich mit DVB-T kommerziell weiter ausbaufähig und biete eine bessere Empfangsqualität. "DVB-T profitiert größtenteils von seinen hohen Subventionen", meint er.

Konkurrenz auf dem Triple-Play-Markt könnte den Kabelanbietern durch IPTV ins Haus stehen. Das Fernsehen über die Internetleitung wird von der Firma Hansenet und der Deutschen Telekom derzeit massiv vorangetrieben. Da für ein klares Bild aber Bandbreiten von zwei MBit und mehr notwendig seien, wären massive Investitionen nötig, um IPTV auch in ländlichen Gebieten bereitstellen zu können. Umso mehr, als unabhängige Experten hier einen deutlich höheren Bandbreitenbedarf ansetzen: Für die Übertragung eines echten Fernsehbildes dürfen es demnach gern sechs und mehr MBit sein.

Wieviel Bandbreite aber wirklich beim Kunden ankommt, hängt unter anderem davon ab, wie kurz der Weg vom Hausanschluss zur Einspeisung ins DSL-Netz ist. Die seit Jahren versprochene Anbindung auch ländlicher Regionen (sowie von Städten, die aufgrund eines Glasfaser-Netzes keinen DSL-Anschluss bekommen) mit Hilfe des ultraschnellen Funk-DSL "Wimax" lässt weiter auf sich warten. Wirklich hohe Bandbreiten erreichen die DSL-Anbieter deshalb weiterhin vor allem in den Städten. "Wir konzentrieren uns auf die Ballungsräume", sagt auch Hansenet-Sprecher Carsten Nillies. Neben Video-on-demand, also eine Art Online-Videothek, und interaktivem Fernsehen bietet IPTV völlig neue Möglichkeiten für das Fernsehen von morgen.

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