Festnetzer gegen Mobilfunker: Schneller, billiger, besser? - DER SPIEGEL
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Festnetzer gegen Mobilfunker Schneller, billiger, besser?

Die Festnetz-Firmen haben schon bessere Zeiten erlebt: Mobil ist in, über das klassische Telefon redet kaum jemand. Jetzt aber erlebt die Branche einen neuen Frühling, heißt es auf der 3GSM-Messe in Barcelona. Mit hybriden Ansätzen wollen Festnetzer den Handys Konkurrenz machen.
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Mit dem Festnetz hat sich in den vergangenen Jahren kaum jemand beschäftigt. Zu dominant war der Erfolg des Mobilfunks. In Deutschland besitzen inzwischen rechnerisch fast alle Menschen ein Handy, zumindest wenn man die Kinder abzieht. Für das Festnetz bedeutet diese Marktsättigung von annähernd 100 Prozent jedoch nicht etwa das Endgültige aus. Vielmehr erlebt die lange als antiquiert belächelte Technik gerade einen neuen Frühling. Gründe sind das Internet, schnelle DSL-Anschlüsse und - ausgerechnet - neue Angebote aus der Welt des Mobilfunks.

Die Branche hat inzwischen eingesehen, dass das Festnetz dem Mobilfunk in zwei bedeutenden Aspekten vermutlich immer überlegen sein wird: Es bietet höhere Datenübertragungsraten und diese zu deutlich günstigeren Preisen. Der Mobilfunk werde dem Festnetz in diesen Punkten immer unterlegen sein, sagt O2-Germany-Chef Rudi Gröger. Die Antwort des kleinsten deutschen Netzbetreibers heißt deshalb DSL.

Zusammen mit der deutschen Tochter des neuen O2-Eigentümers Telefónica, die in Deutschland ein Hochgeschwindigkeits-Datennetz betreibt, will sich O2 deshalb vom Mobilfunker zum integrierten Telekom-Anbieter mausern. Die Kunden sollen für unterwegs und zu Hause Sprach- und Datendienste aus einer Hand erhalten. Auf der Strecke bleiben wird dabei vermutlich auf mittlere Sicht der Internetzugang für zu Hause per UMTS. Surf@home, wie der Tarif heißt, wird gegenüber DSL zu teuer und zu langsam sein.

Die Antwort des größten deutschen Netzbetreibers, der Telekom-Tochter T-Mobile, auf die neue Bedeutung des Festnetzes lautet indes ganz anders als bei der Konkurrenz aus München.

Festnetz wird mobil

T-Mobile-Chef René Obermann, der auch weiterhin sein Sanierungsprogramm "Save for growth" öffentlich verteidigt, tritt eher die Flucht nach vorn an. Jedes Jahr will das Bonner Unternehmen die Übertragungsraten beim Datenversand per Mobilfunk verdoppeln - bis auf 20 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zum Ende des Jahrzehnts, zehn Mal schneller als heute übliche DSL-Anschlüsse. Das Festnetz wird bis dahin jedoch vielleicht 100 oder 200 Mbit/s liefern.

Gleichzeitig schneiden Telefongesellschaften wie Arcor und die Telekom-Tochter T-Com das Kabel ab. Das Festnetz wird mobil. Erste so genannte Dual Phones haben die Handyhersteller in dieser Woche auf der Mobilfunkmesse 3GSM World in Barcelona gezeigt. Diese Telefone verfügen neben den üblichen Funktionen eines Handys auch über WLAN. Damit wählen sie sich zu Hause drahtlos über einen Router ins Internet ein. Der Kunde telefoniert dann deutlich billiger, vermutlich mit einer Flatrate oder komplett umsonst.

Netzwerkausrüster wie Motorola und Nokia verfügen außerdem bereits über Technik, um einen nahtlosen Übergang zwischen Mobilfunk und Internet-Telefonie zu ermöglichen. Der Kunde kann dann ein Gespräch zu Hause über das Internet beginnen und draußen über Mobilfunk fortsetzen. Erreicht der Nutzer wieder einen Hotspot, zu dem er Zugang hat, kann das Gespräch wieder über das Internet laufen. Innerhalb des Freundes- und Familienkreises lässt sich damit fast ein eigenes Netz aufbauen: Egal ob der Nutzer bei sich auf dem Sofa oder beim Freund in der Küche sitzt, für sein Dual Phone ist er zuhause.

Damit wird allerdings nicht nur das Festnetz mobiler. Auch die bisherigen Modelle der Mobilfunkanbieter könnten zumindest einen Knacks bekommen. Die einfache Folge dürften auch im Mobilfunk weiter sinkende Preise sein, nicht allein für die Sprache, sondern auch für Datendienste. Möglicherweise öffnet sich dann für UMTS endlich der Massenmarkt.

Björn Sievers, ddp

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