File-Sharing Scour unter dem Hammer
Der Zuschlag ging an CenterSpan Communications, die sich über ein Schnäppchen freuen dürften: Neben dem viel versprechenden Filesharing-Konzept von Scour wechselt auch die gleichnamige Suchmaschine den Besitzer. Andere Bieter sprangen bei 8,5 Millionen Dollar ab, zu unsicher scheint die Zukunft von Filesharing-Systemen.
Dem großen Konkurrenten Napster war es gelungen, in mehreren außergerichtlichen Vergleichen einen zwar teuren, aber relativ sicheren Burgfrieden zu erreichen. Scour, im Frühjahr als hoffnungsvoller Napster-Konkurrent gehandelt, gelang das nicht: Seit dem 20. Juli sah sich die Firma gezwungen, immer größere Teile ihres Vermögens in die Prozesse zu stecken. Scour trocknete regelrecht aus: Zuletzt gelang es dem Unternehmen nicht mehr, bei den Banken noch Kredite zu erhalten. Investoren ließen sich vom unsicheren Ausgang der Prozesse verschrecken.
Die Firma verfiel in eine kreative Lähmung. Kapital für eine technische Weiterentwicklung fehlte zunehmend, im September sah sich Scour gezwungen, 52 von ursprünglich 70 Angestellten zu entlassen. Als Scour im November den Filesharing-Service einstellte, um vor Gericht eine gültige und schnelle Entscheidung zu erwirken, war es bereits zu spät. Wenig später meldete das Unternehmen seinen Bankrott an.
Besonders bitter für Scour: Napster-Entwickler Shawn Fanning hatte erheblich früher die Nase im Wind. Lang bevor die Prozesse gegen ihn in eine heiße Phase eintraten, verkaufte er sein Unternehmen, in dem er heute nur noch als hoch bezahlter Angestellter arbeitet. Der spektakuläre Deal mit Bertelsmann im November scheint Napster ein Überleben zu ermöglichen. Scheitern könnte Napster nun noch am Widerstand der Fans: Noch ist nicht klar, ob Filesharing-Systeme, deren größter Vorteil aus Sicht der Nutzer gerade der kostenlose Musikvertrieb war, wirklich zu kommerzialisieren sind.