Firefox 3 Beta: Modellpflege unter der Haube - DER SPIEGEL
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Firefox 3 Beta Modellpflege unter der Haube

Bisher brachte noch jede neue Generation von Firefox echte Innovationen in den Massen-Browsermarkt. Bei Firefox 3 ist das anders: Am Chassis hat sich wenig geändert, unter der Haube aber hat sich einiges getan. Wir haben den neuen Browser getestet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist eine Betaversion des Firefox 3, die Mozilla in diesen Tagen vorstellt, man muss diesen Satz einfach vorausschicken. Denn die Entwickler selbst warnen noch davor, den derzeit benutzten Browser der 2er-Generation durch die Version 3 zu ersetzen: Beta-Veröffentlichungen richten sich vornehmlich an Entwickler und Tester. Viele der kleinen Neuerungen sind deshalb zurzeit noch virtuell: Sie eröffnen neue Möglichkeiten, die aber zum Teil noch gar nicht genutzt werden können.

Das Interesse an dem neuen Mozilla-Programm dürfte trotzdem hoch sein, gerade in Deutschland. Denn hierzulande hat Firefox Microsofts Internet Explorer als meistgenutzter Browser der Privatnutzer längst auf die Plätze verwiesen: Dass Microsoft noch knapp die Marktführerschaft hält, liegt allein an der Unzahl der Firmenrechner, auf denen der Explorer nach wie vor den Standard setzt. Bei der Leserschaft von SPIEGEL ONLINE ist Firefox in den Abendstunden wie an den Wochenende klar mehrheitsfähig, mit deutlich über 50 Prozent Marktanteil.

Was für Updates für den Privat-PC hat Firefox 3 also zu bieten? Auf den ersten Blick erst einmal wenige: Anders als bei früheren Generationswechseln hat sich Firefox äußerlich nicht verändert. Gearbeitet wurde - für den Nutzer unsichtbar - vor allem unter der Haube. Schneller und stabiler soll der Firefox nun laufen, behaupten die Entwickler. Hunderte von kleinen Fehlern sollen ausgebügelt worden sein.

Darüber hinaus bietet Firefox 3 einige kleinere neue, respektive die Neugestaltung und Weiterentwicklung alter Features. Dazu gehören in erster Linie eine Neugestaltung von Lesezeichen- und History-Management, angeblich verbesserte Sicherheitsmaßnahmen, eine Automatisierung der Plug-in-Updates, eine verbesserte Kooperation mit Virenschutzprogrammen und den Kinder-Sicherungsfunktionen von Vista. Der Rest ist vor allem Kosmetik.

Lesezeichen und Plug-ins

Die Lesezeichenverwaltung von Firefox kommt nun optisch etwas gefälliger daher, bietet allerdings auch Neuigkeiten. Zum einen wurde die Verwaltung, das Ordnen von Bookmarks vereinfacht. Zum anderen wurde sie um ein nicht unwichtiges Feature ergänzt: Man kann jedes Lesezeichen, jeden Ordner nun auch "taggen", das heißt, Lesezeichen mit Stichworten kommentieren. Das macht das Verzeichnis zur Datenbank, die man nicht nur nach Webseitennamen und -adressen durchpflügen kann, sondern auch nach Themen: Zeige mir bitte alles, was irgendwie mit Autos zu tun hat, mit Pferden, mit Banken oder Gänseblümchen. Das hat was, setzt aber einen gewissen Grundfleiß auf Seiten des Nutzers voraus.

Neu am neuen Firefox ist auch, dass die Plug-ins genannten kleinen Zusatzprogramme für den Open-Source-Browser nun automatisch auf neue Versionen überprüft und entsprechend auf den neuesten Stand gebracht werden. Behaupten zumindest die Entwickler, denn testen lässt sich das bisher nicht: Noch gibt es kaum Plug-ins für Firefox 3, und die alten funktionieren nur, wenn man sehr viel Glück hat - sie sind schlicht nicht kompatibel.

Sicherheitsmaßnahmen

Ein im direkten Vergleich zum Explorer höhere Sicherheit gehörte schon immer zu den Hauptargumenten für die Mozilla-Browser. In der Betaversion des 3er-Browsers finden sich da gleich mehrere Neuerungen.

Neu gestaltet wurden so die Warnhinweise vor Seiten, die als gefährlich eingestuft werden. Firefox kommuniziert hier mit einer Datenbank, die nichts anderes ist als eine Schwarze Liste: Webseiten, von denen gemeldet wird, dass sie Malware wie Viren oder Trojaner transportiert oder als Phishingseite im Verdacht steht, werden nun nicht mehr angezeigt. Stattdessen erscheint ein rotes Hinweisschild, das man allerdings auch ignorieren kann - dann geht es weiter zu der verdächtigen Webseite.

Als verdächtig werden auch Seiten angemahnt, bei denen die Sicherheits-Zertifikate Widersprüche enthalten. Mozilla hat sich den Scherz erlaubt, hier die Adresse amazon.com als Beispiel zu nennen, weil deren SSL-Zertifikate nur für www.amazon.com gelten.

Nutzer der Kindersicherungs-Einstellungen von Vista wird es freuen, dass Firefox diese nicht mehr ignoriert. Neu ist auch, dass Firefox sich enger mit auf dem Rechner installierter Sicherheitssoftware verzahnt: Beim Download ausführbarer Dateien (".exe") wird der Virenscanner vom Browser "benachrichtigt", wie es heißt.

Zugriff auf Seiteninfos

Im erweiterten Sinne der Sicherheit förderlich ist auch der leichte Zugriff auf Kerninformationen über eine besuchte Seite: Bei Firefox 3 öffnet der Klick auf das Seitensymbol im Adressfeld des Browsers ein Fenster, über das Whois-Informationen zugänglich gemacht werden sollen - also Infos über die Betreiber. Klingt gut, klappt aber scheinbar bisher nicht: Im Test war dort selbst auf den Seiten von Mozilla selbst nur ein "Identität unbekannt" zu sehen - Beta lässt grüßen.

Das Fensterchen hat es trotzdem in sich, denn ein Link daran öffnet auch ein Dialogfeld, über das weitere Informationen abrufbar sind. Positiv zu vermerken sind dort Listen-Zugänge zu den auf der betreffenden Webseite eingebundenen Medieninhalten sowie RSS-Feeds, die man dann auch bequem mit einem Klick direkt abonnieren kann.

Dass die Firefox-Entwickler allerdings über dieses Fenster auch sämtliche gespeicherten Passworte des Browser-Nutzers zugänglich machen, ist äußerst fragwürdig: Das war zwar auch früher möglich, aber mit deutlich mehr Aufwand. Jetzt kann man quasi im Vorbeigehen einmal nachschauen, wie der Benutzer eines Rechners bei eBay, GMX oder sonst wo heißt - und wie man sich in den Account einloggen kann. Ein toller Service für alle Büroschnüffler.

Es ist allerdings auch so, dass man erst einmal so unvorsichtig sein muss, seine Passworte zur dauerhaften Speicherung frei zu geben, was grundsätzlich nicht anzuraten ist, von vielen aber aus Bequemlichkeit getan wird. Auch diesen Prozess erleichtert Firefox 3 nun, indem der Browser bei der Eingabe eines Passwortes eine Leiste öffnet, die das Speichern als Option anbietet.

Fazit

Firefox 3 bietet dem normalen Nutzer vor allem Modellpflege im Detail. Einige der wichtigsten Neuerungen mögen funktionieren, können aber noch nicht genutzt werden. Nicht nur darum lohnt sich der Umstieg noch nicht: Man sollte den Entwicklern die Zeit geben, die noch vorhandenen Bugs, von denen bereits eine ganze Liste bekannt sind, zu reparieren.

Zwingend ist der Umstieg so oder so nicht: Die Version 3 bietet wenig, was Version 2 nicht auch schon bietet. Wirklich merkliche, das Surfen verändernde Innovationen wie dereinst die Einführung der Tabs sucht man vergeblich. In Sachen Innovation hinkt Firefox hier nach wie vor den Opera-Browsern hinterher, die mit ihren Session-Archivierungsfunktionen und anderen Gimmicks noch immer Alleinstellungsmerkmale besitzen, die man bei den großen Browsern vergeblich sucht.

Die wichtigsten Veränderungen fanden eben unter der Motorhaube statt. Sie fielen so umfangreich aus, dass die Veröffentlichung unter dem Strich die Neuversionsnummer rechtfertigt. Für den normalen Nutzer sind sie weniger sichtbar, kommen ihm aber mittelfristig zugute, was Laufstabilität und Sicherheit des Programms betrifft. Denn hier musste auch Firefox in letzter Zeit immer häufiger nachbessern: Die Zeiten, in denen die Mozilla-Browser vor Lecks und Sicherheitslücken gefeit schienen, sind vorbei, seit Firefox eine Größe ist, die auch für Cyber-Chaoten und Kriminelle den Angriff lohnt.

Abzuwarten bleibt, was für Add-ons und Gimmicks für den Browser noch erscheinen, bis er zur Release-Version gereift ist. Denn von der Beta zu viel zu erwarten, wäre unfair. Schlankheit gehört zum Grundkonzept des Open-Source-Browsers (Download-Größe: 6,2 MB) - und auch, dass seine offenen Schnittstellen dafür genutzt werden können und sollen, ihn durch weitere Features zu ergänzen, die der Nutzer sich selbst aussucht. Firefox hatte nie den Anspruch, eine Feature-reiche Eierlegende Wollmilchsau zu sein, Firefox ist eine Plattform. Weitgehend stabil ist auch die neue schon, Beta hin oder her: Den alten Browser sollte man noch nicht wegwerfen, aber Neugierige werden den neuen gern schon testen - den Download gibt es hier .

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