Fix.Nimda.exe: Wolf im Schafspelz - DER SPIEGEL
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Fix.Nimda.exe Wolf im Schafspelz

Findige Virenverbreiter haben eine neue Methode entdeckt, ihre ungesunde Ware an den PC zu bringen: Sie tarnen ihre Schadprogramme als Virenschutz-Software.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Virenschutz-Softwareunternehmen, das etwas auf sich hält, pflegt heute eine Form der Werbung, die alle anderen Methoden um Längen schlägt: Im Idealfall bietet eine solche Firma binnen Stunden ein kostenloses Gegenmittel gegen kursierende Viren an. Schneller lässt sich die Botschaft nicht im Kopf des potenziellen Kunden verankern: Hier, würde Verona sagen, werden Sie geholfen.

Zum Beispiel bei Trend Micro. Das US-Unternehmen bietet bereits seit einiger Zeit neben den zu Zeiten aktueller Virenwarnungen üblichen Updates zu den eigenen Programmen auch kleine Tools an, die spezifisch gegen aktuelle Viren wirken. Im Falle des Nimda-Virus, der in der letzten Woche kursierte, hieß dieses kleine werbewirksame Werkzeug "Fix.nimda.com".

Rufschädigend wirkt dagegen eine Mail, die derzeit umgeht und ein angeblich aus dem Hause Trend Micro stammendes Software-Tool namens Fix.Nimda.exe enthält.

Doch das Tool ist ein Trojaner - und das ist Trend.

Seit der großen Virenwelle ab Februar 2000 sind die Internet-User hinreichend sensibilisiert: Zu ähnlich katastrophalen "Infektions-Wellen" wie bei Loveletter und Co. ist es seitdem nicht mehr gekommen. Im Normalfall finden Schutzprogramme eine höhere Verbreitung als die Viren, gegen die sie wirken sollen.

Das ist gut so - und wurde offensichtlich auch von denen erkannt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, im Web für Unruhe zu sorgen. Zum wiederholten Male in diesem Jahr kommt es zur Verteilung eines "Wolfes im Schafspelz": Zuletzt waren es Mails, die angeblich von Microsoft verschickt wurden. Nun sind es E-Mails, die angeblich vom IT-Sicherheitsunternehmen SecurityFocus kommen und ein Tool des angesehenen Software-Entwicklers Trend Micro enthalten.

Was der so im PC des Users platzierte Trojaner tatsächlich tut, ist bisher ungeklärt. Prinzipiell ist alles möglich: Trojaner öffnen Eindringlingen Türen.

Als Verbreitungsweg für Viren ist eine solche Form des Anschreibens natürlich erheblich cleverer als die üblichen "Zufalls-Briefe", die in ihrer oft fremdsprachlichen Schwachsinnigkeit meist wie ein Warnsignal wirken (Was ist schon von einer E-Mail zu halten, die mit "Hi, how are you?" beginnt und das Attachment "meine_urlaubsfotos1.gif.pif" enthält?). Da klingt "Fix.Nimda.exe" schon lohnender.

Prinzipiell sollte man Folgendes beachten:

  • Software- und IT-Sicherheitsunternehmen verschicken aktuelle Virenwarnungen. Sie versenden aber niemals unaufgefordert Software.
  • Anti-Viren-Tools sollte man nur direkt vom Hersteller beziehen, oder zumindest von einer vertrauenswürdigen Internet-Adresse (deren Anbieter man kennt und der potenziell auch rechtlich haftbar zu machen wäre).
  • Kostenlose Tools sollte man nicht per E-Mail "weitergeben", sondern per E-Mail und Link darauf verweisen.

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