Flatrate-Offerte: "Der Preis ist zu hoch" - DER SPIEGEL
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Flatrate-Offerte "Der Preis ist zu hoch"

Die meisten Onlinedienste haben das Flatrate-Angebot der Deutschen Telekom als zu teuer kritisiert. Kleine Anbieter könnten sich die nötigen Investitionskosten nicht leisten und blieben zwangsläufig auf der Strecke.
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Im Wesentlichen streiten sich die T-Online-Konkurrenten und die Telekom um die Frage, wie die so genannte "last Mile" zu definieren ist. Für den ehemaligen Monopolisten ist die Frage klar beantwortet: Vom Anschluss des Kunden bis zur Ortsvermittlungsstelle. Ergo legte der rosa Riese nur dafür ein Flatrate-Angebot vor. Für die Telekom sind damit die von Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) auferlegten Wettbewerbsentzerrungen erfüllt.

Ab dem 15. Dezember will die Telekom einen Pauschaltarif für einen zeitlich unbeschränkten Internetzugang anbieten. Der Preis für einen solchen Anschluss soll 4800 Mark pro Monat betragen. Auf einer Zwei-Megabit-Datenleitung könnten dann 30 Endkunden gleichzeitig im Netz surfen. In der Branche wird allerdings davon ausgegangen, dass wegen unterschiedlicher Nutzungszeiten bis zu 300 Flatrate-Surfer gleichzeitig eine Leitung nutzen wollen. Dabei kann es passieren, dass mancher Kunde ein Besetztzeichen bekommt, wenn die Leitung voll ist.

Die Telekom-Offerte gilt nur zwischen Hausanschluss und Ortsvermittlungsstelle, von denen es rund 1600 in Deutschland gibt. Die Onlinedienste stützen sich mit ihrem Angebot aber bislang auf die rund 475 regionalen Vermittlungsstellen der Telekom. Dort schalten sie ihre eigenen Einwahlknoten auf, so dass ihre Kunden sich ins Internet einwählen können. Deshalb versteht die T-Online-Konkurrenz die Verbindung zwischen Hausanschluss und regionaler Vermittlungsstelle als "last mile".

Das Angebot der Telekom sei eine Scheinofferte, kritisiert der Geschäftsführer des Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner. Die Onlinedienste und Provider wären bei dem Flatrate-Angebot gezwungen, mit hohem Kostenaufwand im Ortsbereich ein "Parallelnetz" zur Telekom zu schaffen. "Die Investitionen dafür wären so hoch, dass sich das Angebot nicht rechnet."

Wahrscheinlich können die Onlinedienste die Investitionskosten allerdings umgehen. Die Telekom könnte zusätzlich pauschal Datenleitungen zwischen Orts- und regionaler Vermittlungsstelle anbieten. Doch das würde die Kosten der Online-Anbieter erhöhen. Der anvisierte Flatrate-Preis in einer Spanne von 50 bis 80 Mark wäre nicht zu halten.

"Das Angebot muss deutlich modifiziert werden, damit Wettbewerbsgleichheit herrscht", forderte Julian Riedlbauer, Vorstandsmitglied des Online-Anbieters AddCom. "Der Weg ist richtig, aber der Preis ist zu hoch", stieß AOL-Sprecher Carsten Meincke in das gleiche Horn. Sein Chef, Uwe Heddendorp, sah in dem Angebot den Versuch der Telekom, "ihre ohnehin monopolistisch geprägte Position in einem entscheidenden Teil des Telekommunikationsmarktes zu zementieren."

Debitel war in der Beurteilung der Offerte vorsichtiger. Man wolle erst einmal die Preise der Telekom genau prüfen, sagte ein Debitel-Sprecher. Außerdem müsse geprüft werden, wie die Umsetzung reibungslos funktionieren könne.

Die Telekom will die Aufregung offenbar nicht verstehen. Man sei mit dem vorgelegten Angebot unter den von der Regulierungsbehörde als Obergrenze angesetzten Preisen geblieben, lobte ein Telekom-Sprecher sein Unternehmen. Der VATM sei dagegen so in altem Denken verhaftet, dass die Phantasie fehle, sich auch Mischmodelle vorzustellen. Mit dem nun vorgelegten Angebot gebe die Telekom den Onlinediensten eine Art Baukasten, mit dem diese sich selbst ein Flatrate-Angebot für ihre Kunden zusammenstellen könnten. Dabei könne es durchaus auch mehrere Pauschaltarife geben.

Möglich seien beispielsweise Mischkalkulationen, in die die Unternehmen auch Festverbindungen oder die alte Minutenabrechnung einfließen lassen könnten, so der Telekom-Sprecher. Denkbar seien auch Kooperationen zwischen verschiedenen Diensten.

Die Regulierungsbehörde schweigt zu der neuen Auseinandersetzung. Die Telekom genieße Vertragsfreiheit bei den Internet-Tarifen, hieß es. Man könne die von der Telekom verlangten Preise nur nachträglich überprüfen. Details der Vereinbarung wolle die Telekom der Regulierungsbehörde in der kommenden Woche vorstellen.