Flatrate-Sterben NGI droht die Pleite
Der Internet-Provider NGI, der in den zurückliegenden Monaten durch günstige Flatrate-Angebote Schlagzeilen gemacht hat, steht am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Wie das Hamburger Amtsgericht gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte, hat das Unternehmen bereits am 1. Dezember in der Hansestadt einen Insolvenzantrag (Aktienzeichen 67 E IN 320/00) gestellt.
Die Pressestelle des Amtsgerichts bestätigte damit einen Bericht des Internet-Forums "Onlinekosten.de". Ein Insolvenzverwalter sei bereits bestellt, so ein Gerichtssprecher auf Nachfrage. Bei Next Generation Internet war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Offensichtlich hat die Flatrate dem 1998 gegründeten Unternehmen, wie schon zuvor den Konkurrenten von Surf1 oder Sonnet, gehörig die Bilanz versalzen. Der Hamburger Provider hatte im Sommer ein Angebot vorgestellt, das unbegrenztes Surfen für eine monatliche Gebühr von 77,77 Mark ermöglichen sollte. Nach NGI-Angaben hatten sich mehrere zehntausend User für die Flatrate entschieden.
Gerechnet hat sich das finanzielle Wagnis für das Unternehmen aber wohl nicht - wie so viele Flatrate-Versuche in den vergangenen Monaten. Anfang Oktober 2000 schaltete NGI nach Schwierigkeiten mit der Anmeldung und schwerwiegenden Leitungsproblemen den Pauschal-Zugang kurzerhand ab. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" vom Oktober stand das Unternehmen mit 20 Millionen Mark bei der Deutschen Telekom in der Kreide, von der es Leitungskapazitäten gemietet hatte.
NGI reiht sich mit der drohenden Pleite in eine ganze Riege gescheiterter Flatrate-Anbieter ein: Ob Sonnet, MIC oder Surf1 - viele kleine Provider mussten, nachdem sie mit hohen Erwartungen und großer Werbung an den Start gegangen waren, früher oder später ihren Pauschalzugang wieder einstellen. Zuletzt kündigte die Münchner Addcom an, ihre 79-Mark-Flatrate zum 31. Dezember auslaufen zu lassen.
Alexander Stirn