Flatrates Gibt die Telekom nach?
Bonn - Die Regulierungsbehörde will eine schnelle Lösung im Streit um die Pauschaltarife für das Surfen im Internet. Das wurde auf einer Anhörung mit der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern, zu denen AOL, Freenet, Mannesmann Arcor und VIAG Interkom gehören, bekannt gegeben. Bisher habe es allerdings keine Annäherung zwischen den Kontrahenten gegeben, teilte ein Sprecher der Regulierungsbehörde mit.
Dennoch hieß es nach der Anhörung aus Telekom-Kreisen, dass der Ex-Monopolist derzeit prüfe, den Wettbewerbern einen so genannten Vorleistungs-Pauschaltarif mit Volumenbeschränkung nach britischem Vorbild anzubieten. Doch der sei, so Matthias Kurth, Vizepräsident der Regulierungsbehörde, nicht einfach durchzusetzen: Die Höhe und Berechnung derartiger Angebote seien "eine Nuss, die es noch zu knacken gilt."
In den vorangegangenen Wochen haben mehrere kleine Internetanbieter ihre Flatrates wieder einstampfen müssen. Offiziell wurde der Telekom und ihren hohen Durchleitungsgebühren die Schuld gegeben. Kritiker bemängeln dagegen die nicht ausgereiften Geschäftsmodelle der Flatrate-Anbieter, die von vornherein in die Pleite hätten führen müssen.
Bereits seit langem fordern die Wettbewerber von der Telekom, die Nutzung der Leitungen volumenabhängig und nicht wie bisher zeitabhängig abzurechnen. Momentan werden die Internet-Provider von der Telekom auf die Minute genau zur Kasse gebeten, während die Flatrate-Kunden einen festen Beitrag zahlen. Die Minute bei der Telekom kostet die Anbieter rund zwei Pfennig. Anbieter von Flatrates rutschen bereits dann ins Minus, wenn die Kunden das Internet 50 Stunden monatlich nutzen. Power-User kommen hingegen schnell auf 100 Stunden oder mehr.
Wettbewerber müssten bei der Telekom Kapazitäten pauschal einkaufen können, forderte daher auch der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM. Nach Einschätzung von VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner ist das Haupthindernis für einen günstigen Pauschaltarif das Quasi-Monopol der Telekom im Ortsbereich. So sollen sich nach wie vor 98 Prozent der Telefonanschlüsse im Besitz des Telefonriesen befinden. Ein Sprecher der Telekom hielt dagegen, dass man nicht für "schlechte Geschäftspläne" der Wettbewerber auf dem Online-Markt verantwortlich zu machen sei.
Die VATM kritisierte, dass "die Einführung einer Internet-Flatrate in Deutschland nicht vorankommt". Die Telekom versuche, ihre marktbeherrschende Stellung beim Internetzugang zu festigen. Dennoch äußerte sich der Verband zuversichtlich, dass die Regulierungsbehörde die Telekom zu künftigen Pauschalangeboten verpflichten werde.