Flop Deutsche Bank 24 stellt "eCash" ein
Die Deutsche Bank 24 gab am Freitag bekannt, dass sie ihr elektronisches Bezahlsystem "ecash" "angesichts geringer Nachfrage" abschafft - mit sofortiger Wirkung.
Was nicht mehr heißen kann, als dass es allzu viele frustrierte Restkunden, die nun auf ihrem eCash sitzen, nicht geben kann. Wahrscheinlich gab es die nie.
Seit Mai 1996 experimentierte die Deutsche Bank mit eCash-Systemen. Zunächst war das die "elektronische Geldbörse" der einst hochgelobten - und inzwischen verkümmerten - holländischen Firma DigiCash. Anfang Mai 1997 begann die Deutsche Bank als erstes deutsches Bankhaus einen Feldversuch mit circa 1000 Kunden.
Am 1. Oktober 1997 war es dann soweit: "eCash" ging an den Start. Im November bekam die Deutsche Bank Konkurrenz: Ein Bündnis verschiedener Banken trat mit "Cyber Coins" gegen eCash an. Mit dabei: Die Dresdner Bank, die West LB und die Bayerische Vereinsbank. "Cyber Coins" sollten etwa zwei Jahre überleben - und dann sang- und klanglos eingehen.
Die Deutsche Bank hingegen blieb am Ball. Im März 1998 erklärte die "DB" den bereits im Oktober 1997 beendeten "Pilotversuch" erneut für beendet. Weite Teile der Medienlandschaft fielen darauf herein und bescherten der Deutschen Bank die Gelegenheit, ihr anhaltend erfolgloses Zahlungssystem einmal mehr als Neuigkeit zu präsentieren.
Die Zahl der Nutzer gab die Deutsche Bank zeitweilig mit "rund 1500" an - auch als die Unternehmens-PR im Februar 1999 erneut verkündete, dass es "ab sofort" eCash für alle, und nicht nur für Pilotversuchs-Teilnehmer geben solle. Das war zwar schon seit Oktober 1997 so, interessierte aber so gut wie niemanden. Berichte über eCash blieben häufiger als eCash-Kunden.
Im Oktober 1999 konnte Klaus Thoma von der Deutschen Bank relativ stolz auf "rund 1000 Kunden" verweisen, die dem schwächelnden Konzept aus irgendwelchen Gründen die Stange hielten. Doch längst war den Bank-Mächtigen klar, dass das von DigiCash entwickelte eCash-System dringend überholt werden musste.
Zum Glück gibt es die Cebit, und damit ergab sich im Februar 2000 wieder einmal die schöne Neuigkeit, dass es jetzt ein eCash-Zahlungssystem der Deutschen Bank 24 gibt. Geändert hatte sich gegenüber früheren Pressemitteilungen nicht nur die "24" im Namen der Deutschen Bank, sondern auch die technologische Plattform des eCash. Alles sollte nun noch schneller und sicherer funktionieren - was die Kunden aber wieder nicht interessierte.
Auf den Monat genau nach fünf Jahren gibt die Deutsche Bank 24 nun endgültig auf und folgt damit dem Beispiel verwandter "Geldbörsen"-Systeme, die bereits vor Jahren ein Einsehen hatten.
Derzeit, sagen die Unternehmensberater von Mummert + Partner, zahlten nur 1,5 Prozent der Online-Käufer mit Hilfe elektronischer Geldbörsen. Noch immer bevorzugten drei viertel der Internet-Nutzer wegen Sicherheitsbedenken bei ihren ersten Online-Einkäufen eine gewöhnliche Rechnung.
eCash war ein System, bei dem die Kunden einen zuvor eingezahlten Betrag in einer virtuellen Software-Geldbörse auf dem PC zum Bezahlen kleiner Beträge nutzen konnten. eCash-Anwendern wurden bereits Anfang April mit Wirkung zum 25. Mai ihre Verträge gekündigt.
Erst Anfang März hatte das US-Unternehmen Cybercash Inc., das ein ähnliches Bezahlsystem angeboten hatte, ein Insolvenzverfahren einleiten müssen. Cybercash waren die Kunden davongelaufen: Das Unternehmen stand unter anderem hinter den "Cyber Coin"-Versuchen der Dresdner Bank.