Flutkatastrophe: Software hilft Opfer zu identifizieren - DER SPIEGEL
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Flutkatastrophe Software hilft Opfer zu identifizieren

In den Katastrophengebieten kämpfen die Helfer einen Kampf gegen die Zeit: Die Identifizierung der Opfer wird von Stunde zu Stunde schwieriger. Ein Computerprogramm hilft, Tote an Nase, Tätowierung oder Armbanduhr zu erkennen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien sind noch immer tausende Leichen nicht identifiziert. Die Zeit drängt - nicht nur, weil die Angehörigen auch vieler deutscher Vermisster Gewissheit haben wollen. In der Tropenhitze schreitet die Verwesung der Toten besonders schnell voran, ausreichend gekühlte Leichenhallen sind in den verwüsteten Regionen nicht vorhanden.

Um den Forensik-Experten vor Ort die Arbeit zu erleichtern, kommt inzwischen ein spezielles Computerprogramm zum Einsatz: Das Internationale Katastrophenopfer-Erkennungssystem DVI  ermöglicht nach Eingabe bestimmter Daten wie Haar- und Augenfarbe, Gebissstatus oder besonderer Merkmale wie Tätowierungen einen Abgleich in Sekundenschnelle.

"Unser Programm findet heraus, um wen es sich bei einer Leiche handelt", sagt Claus Hoffenblad von der dänischen Entwicklungsfirma Plass. Bedingung ist, dass möglichst genaue Angaben über die gesuchte Person eingegeben worden sind.

Fingernagel-Länge kann Opfer identifizieren helfen

Das Programm wird derzeit in Thailand, Sri Lanka und Indonesien verwendet. Mehr als 20 Teams sind im Einsatz und haben sich schulen lassen. Vor der Flutkatastrophe wurde DVI schon nach den Bombenanschlägen auf Bali und bei mehreren Flugzeugabstürzen eingesetzt. Es basiert auf einem Merkmalkatalog, den Interpol zur Erkennung von Katastrophenopfern aufgestellt hat.

Zahnmediziner, Ärzte oder Polizeiermittler müssen bei Autopsien der anonymen Opfer einen umfassenden Computer-Fragebogen ausfüllen. Die Form der Nase wird ebenso abgefragt wie die Länge der Fingernägel oder ob das Opfer eine Digitaluhr trug. Sind die Daten eingegeben, kann der Experte nach Übereinstimmungen in der Datenbank des Systems suchen.

"Gibt es ganz spezielle Informationen zu einer Person, dann kann das Programm binnen Sekunden die Identität klären", sagt Plass-Vertreterin Dörte Hougaard, die das Erkennungssystem in Thailand installiert und die forensischen Experten vor Ort damit vertraut macht. Natürlich gebe es viele Menschen mit braunen Haaren und braunen Augen. Es komme darauf an, das Besondere zu finden.

Das Programm läuft auf Windows 2000 oder XP, versteht mehrere Sprachen und kann auf Laptops verwendet werden. Auf die eingegebenen Daten können alle Experten zurückgreifen, die derzeit nach Flutopfern suchen.

Miranda Leitsinger, AP