Fotomesse: "Größte Photokina aller Zeiten" - DER SPIEGEL
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Fotomesse "Größte Photokina aller Zeiten"

In wenigen Tagen beginnt in Köln die Photokina, größer und anders als zuvor: Die alte Trennung zwischen Profis und Publikum ist abgeschafft, die Messe besser strukturiert. Gezielte Kundenansprache tut auch Not: Die Zeichen mehren sich, dass der Foto-Boom langsam erlahmt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den letzten Jahren wäre man gern Hersteller von Digitalkameras oder MP3-Playern gewesen. Kaum ein Produktbereich boomte so sehr wie diese beiden: Rekordzahl folgte auf Rekordzahl, das Wachstum schien unaufhaltsam. Auch in diesem Jahr rechnet die Branche mit gesunden Umsätzen - doch zumindest auf dem Fotomarkt kündigt sich ein Ende des Booms an.

Und lächeln: In Köln bereitet die Foto-Branche ihre alle zwei Jahre stattfindende Leistungsshow vor

Und lächeln: In Köln bereitet die Foto-Branche ihre alle zwei Jahre stattfindende Leistungsshow vor

Zwar rechnen die Branchenverbände noch einmal mit einem Umsatzzuwachs auf erhoffte 6,16 Milliarden Euro. Die werden am Ende aber nur dann in der Kasse klingeln, wenn das zweite Halbjahr deutlich besser verläuft als das erste. Und dabei spielt die Photokina in Köln eine nicht unwichtige Rolle.

Denn nach wie vor gilt die nur alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung als Leitmesse der weltweiten Fotobranche. Die, so Kölnmesse-Geschäftsführer Chef Oliver Kuhrt, sei mit ihrer noch einmal um 17 Prozent gewachsenen Ausstellungsfläche "die größte Photokina aller Zeiten".

Und weit mehr auf das fotografierende Publikum zugeschnitten als zuvor.

Neues Konzept

Der Schwerpunkt der Messe liegt - dem allgemeinen Trend folgend - auf der Digitalphotographie. Da die Grenzen der Produkte für professionelle Anwender und Endverbraucher durch diesen Trend fließend geworden seien, gebe die Messe die bisherige Trennung in einen Profi- und einen Normalanwendersektor auf.

Stattdessen diene der Arbeitsablauf beim Bildermachen als Leitfaden: von Kameras über Bildspeicherung, Bildverarbeitung, und Bildausgabe bis zur Bildpräsentation. Dazu komme das Angebot von Zubehör und Verbrauchsmedien.

Und auch dort ist Digital das Zauberwort: Die Umsatzverluste des ersten Halbjahres 2006 sind nach den Worten von Harald Horn, dem Vorsitzenden des Photoindustrie-Verbandes, vor allem auf weitere Rückgänge beim Verkauf analoger Kameras und dazugehöriger Geräte wie Diaprojektoren zurückzuführen. Dies sei vom weltweit anhaltenden Boom bei Digitalkameras nicht aufgefangen worden. Unter dem Strich bedeutet das ein Ende der Euphorie: In Deutschland zeige sich bereits eine gewisse Sättigung des Marktes. Neue Impulse verspricht sich die Branche nun von der Photokina, die den Handel traditionell mit frischen Produkten für das Weihnachtsgeschäft munitioniert.

Der Markt: Gute, aber keine grandiosen Aussichten

Trotzdem: Bei aller Vorab-Euphorie der Veranstalter blickt die Branche erstmals seit Jahren mit leicht skeptischem Blick nach vorn. Nach Schätzungen des Photoindustrie-Verbands werden in Deutschland im laufenden Jahr etwa zehn Prozent weniger Kameras verkauft als im Jahr 2005. Analoge Kameras dürften ein Minus von 48,5 Prozent auf rund 500.000 Stück aufweisen. Aber auch bei Digitalkameras, mit geschätzten 93 Prozent Marktanteil im laufenden Jahr, werden keine Zuwächse mehr erwartet: Sieben Millionen verkaufte Geräte bedeuten den Schätzungen zufolge einen Rückgang von rund 5,8 Prozent.

Der trotzdem vorhandene Optimismus der Branche stützt sich auf die zunehmende Verbreitung der teureren digitalen Spiegelreflexkameras. Hier wird nach den Angaben Horns ein Zuwachs von 67 Prozent auf 550.000 Stück erwartet. Dagegen scheint bei Camcordern eine Stagnation einzutreten. Der Verband rechnet mit dem Absatz von 840.000 Geräten, ebenso viele wie 2005. Dagegen legt der Verkauf von Photodruckern weiter zu. Der Verband erwartet einen Absatz von 545.000 Geräten im laufenden Jahr, ein Plus von 28 Prozent. Dies dürfte weitere Umsätze mit Tinte und hochwertigem Druckpapier zur Folge haben.

Genau in diesem Bereich liegen auch noch Wachstumspotenziale. Dank Digitaltechnik werde mehr fotografiert als je zuvor, erklärt Horn. "Darin liegt ein riesiges Potenzial für die kommenden Jahre. Hauptaufgabe wird es sein, die elektronischen Bilder aufs Papier zu bringen."

Weltweit sieht die Branche auch für die Zukunft eine positive Entwicklung voraus. Der Weltmarkt mit Foto- und Imagingprodukten (wozu beispielsweise auch Computer zur digitalen Bildverarbeitung gezählt werden) habe ein Volumen von 125 Milliarden Euro, sagt Horn. Auf Europa entfielen davon 35 Milliarden Euro, auf Deutschland etwa sechs Milliarden Euro. Weltweit würden in diesem Jahr etwa 110 Millionen Kameras verkauft, davon allein 98 Millionen Digitalkameras.

Die Photokina in Köln öffnet am 26. September ihre Tore. Rund 1.600 Aussteller aus 45 Ländern stellen bis 1. Oktober ihre Produkte vor. Erstmals ist auch der Computerhersteller Apple mit einem eigenen Stand vertreten. Die Messe erwartet rund 160.000 Besucher.

pat/AP/dpa

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