Frauen am Browser: Shoppen hui, Banking pfui? - DER SPIEGEL
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Frauen am Browser Shoppen hui, Banking pfui?

Jetzt ist es raus: Deutschlands Frauen sind Vizeeuropameisterinnen im Online-Shopping. Wenn es dagegen darum geht, durch Online-Banking die Finanzen in Ordnung zu bringen, zeigen sie sich zurückhaltend.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie holen auf, die Frauen: Noch nie waren so viele von ihnen online unterwegs wie im letzten Jahr. Das ist eines der Ergebnisse einer europaweiten Studie zu den Gewohnheiten der weiblichen Internetnutzer, die vom Branchenverband der europäischen Online-Vermarkter (European Interactive Advertising Association, EIAA) in Auftrag gegeben wurde.

Satte 41 Prozent der Europäerinnen durchsurfen demnach inzwischen die Netze, was einem Zuwachs von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Deutschland gingen sogar 45 Prozent der befragten Frauen regelmäßig online. Befragt wurden im Rahmen der EIAA-Studie mehr als 3.600 Frauen in ganz Europa, davon 520 in Deutschland.

Die Nutzung des Internets sei allerdings nach wie vor stark altersabhängig. So nutzen bereits 74 Prozent der befragten Europäerinnen zwischen 16 und 24 Jahren das Internet. Bei den Frauen ab 55 Jahren waren es dagegen nur 15 Prozent.

Die positive Überraschung: Gerade im angeblich so technikfeindlichen, strukturkonservativen Deutschland zeigen sich die Frauen als überdurchschnittlich Web-affin. Denn in Deutschland ist die Verbreitung des Internets der Studie zufolge in allen Altersstufen deutlich größer. So sind hier 81 Prozent der Befragten zwischen 16 und 24 Jahren sowie 21 Prozent der über 55-Jährigen online.

Die Nutzungszeit hängt offenbar zusammen mit der Verbreitung von Breitbandanschlüssen wie DSL-Verbindungen. Und da hinkt Deutschland dann wieder hinterher. So verbrachten die weiblichen Nutzer in Europa 2005 durchschnittlich 9,3 Stunden pro Woche online. Am längsten waren die Befragten in Frankreich mit durchschnittlich 11,4 Stunden pro Woche online, wo es auch die meisten Breitbandverbindungen gibt. Die Frauen in Deutschland verbrachten dagegen nur 7,5 Stunden pro Woche online.

Wir sind Vize-Europameisterinnen!

Im Online-Shopping jedoch sind die deutschen Frauen fast nicht zu schlagen. 51 Prozent nutzten Einkaufsangebote im Internet. Im europäischen Durchschnitt waren es dagegen nur 42 Prozent. Allein in Großbritannien kauften mehr Frauen online ein (58 Prozent). Besonders Online-Auktionen (54 Prozent) und Preisvergleiche (33 Prozent) waren in Deutschland so beliebt wie nirgendwo sonst in Europa, heißt es in der EIAA-Studie.

Ein Verdienst der unsäglichen "Geiz ist geil"-Werbung? Wohl eher ein Sieg der Bequemlichkeit, denn dass "Online" preisgünstiger sei als der klassische Einkaufsbummel, ist ein Märchen, zumindest aber ein Missverständnis. Wenn es nur ums Sparen ginge, sähen vielleicht auch die Ergebnisse einer anderen, zeitgleich veröffentlichten Studie anders aus.

Die kommt vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest, das im Auftrag des Verbandes der PSD Banken ein repräsentatives Sample von Deutschen nach der Nutzung von Online-Banking und Finanzdienstleistungen befragten. Und siehe da, in dieser Disziplin zeigen sich die Frauen als wahre Online-Muffel. Demnach griffen nur 9,2 Prozent der befragten Frauen auf das Internet zurück, während 17,4 Prozent der Männer ihre Finanzgeschäfte vom Rechner aus tätigten - obwohl sich sowohl beim Banking, als auch bei diversen Direkt-Angeboten echte Ersparnisse erzielen lassen.

Genutzt werden dabei vor allem die Möglichkeiten des Preisvergleiches, die das Onlinemedium bietet. 61,6 Prozent der Kundinnen, die sich auf Finanzangebote online einlassen, nutzen demnach das Web zunächst für die Preisrecherche, bei den Männern sind es 62,0 Prozent.

Ob nun jemand zum Online-Banker oder Online-Banking-Muffel wird, ist aber keine reine Frage des Geschlechtes: Es kommt vielmehr darauf an, wie viel Geld jemand in der Tasche hat. Tendenziell neigen Deutsche mit eher hohem Verdienst (Gehalt über 5000 Euro) eher zur Nutzung von Online-Finanzdienstleistungen (23,6 Prozent lassen sich darauf ein), als Deutsche mit niedrigerem Gehalt (1500 bis 3000 Euro: 13,5 Prozent Online-Banking-Nutzer).

Überraschend ist auch das kaum: Wer mehr Geld hat, hat auch mehr zum Spielen - und das betrifft sowohl das für Online-Finanzdienstleistungen nötige IT-Equipment, als auch das nötige "Spielgeld". Denn natürlich steigt mit steigendem Einkommen auch die Möglichkeit oder Notwendigkeit, Finanzdienstleistungen überhaupt in Anspruch zu nehmen. Wer dagegen wenig auf der Tasche hat, wird nur selten die Notwendigkeit verspüren, online Geld zu bewegen oder zu investieren: Die von Marketern gern verbreitete Mär von der Nutzung des Onlinemediums durch Eliten entzaubert sich da ganz schnell als sehr profane Beobachtung, die mehr mit dem finanziellen Background der beobachteten Zielgruppen zu tun hat als mit ihrem Bildungs- und Qualifikationsstand.

pat/AP/ddp