Freizeit- und Urlaubsplanung: Die Karte im Netz - DER SPIEGEL
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Freizeit- und Urlaubsplanung Die Karte im Netz

Wie es vor Ort wirklich aussieht, stellen Prospekte und Karten nur ungenau dar. Wer etwa eine Wanderung plant, würde die Karte gern dreidimensional sehen: Nur dann lässt sich vorab die Schwierigkeit abschätzen. Im Web ist das möglich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Viele Urlauber möchten gerne etwas Neues erleben. Zur Vorbereitung zücken sie Reiseführer und Karten. Wer etwa Wanderungen und Rallyes im Hügeligen plant, schätzt die Höhenprofile. Doch ob ein Ausflug zu anstrengend wird, lässt sich so meist nicht abschätzen.

Dreidimensionale interaktive Karten im Internet bieten Abhilfe - und eine Menge Informationen über die Region.

Neben kommerziellen Kartenwerken auf CD-ROM bieten zunehmend kostenlose Karten im Internet die gewünschten Daten. Wer etwa Touren im Nationalpark Eifel plant, kann die "interaktive Karte" des Landesbetriebs Wald und Holz Nordrhein-Westfalen nutzen. Per Klick lassen sich markierte Wandertouren, touristische Sehenswürdigkeiten und Jugendherbergen einblenden - aber auch Verkehrsstärkeninfos oder Wetterlagen.

Der Mountainbiker wählt per Klick seine Traumstrecke aus. Ihr Höhenprofil studiert er in 3D-Ansicht aus verschiedenen Perspektiven. Für die Planung einer langen Radtour ist die Verkehrsdichte einzelner Streckenabschnitte wichtig. Wie breit ein Bach ist interessiert vor allem diejenigen, die eine Rallye über Stock und Stein planen. Je nach Auflösung präsentiert sich die "interaktive Karte" in verschiedenen Ansichten - bis hin zum Luftbild, das von einer handgezeichneten Karte transparent überlagert wird. Damit ist die digitale Nationalpark-Karte wesentlich genauer als die Karten von Google Maps. Und anders als Google Earth wartet sie mit einem informativen Kartenmaterial auf.

Die nach Wunsch einstellbare Karte verwendet Daten verschiedener, meist staatlicher Webservices. Für Geografen sind solche offenen Kartensysteme der wichtigste Trend der kommenden fünf Jahre.

"Datenbanken können heute Geodaten problemlos verarbeiten, aber die entscheidende Plattform ist das World Wide Web", sagt Professor Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn. Dabei werden die Karten immer genauer und individueller. Jeder wird sich seine Karte für seine Bedürfnisse zusammenstellen und ausdrucken können.

Geodaten-Experte Richard Leiner erklärt: "Verschiedene Informationen werden von verschiedenen Servern genommen, um sie in einer neuen Anwendung wieder verfügbar zu machen."

Auch immer mehr Städte bieten solche Karten kostenlos an. So auch die Stadt Bonn, die Teilausschnitte der Stadt dreidimensional aus vom Nutzer definierten Blickwinkeln zeigt. Nutzer können sogar die Beleuchtung nach Jahres- und Uhrzeit einstellen. Das Geländebild wird mit Luftbildern mit einer Auflösung von zehn Zentimetern und dreidimensionalen Gebäudedarstellungen kombiniert. Die Stadt setzt für ihren kostenlosen Webterrain-Service sogar Software ein, die als so genannte Open-Source-Software von Programmierern kostenlos entwickelt wird. Damit spart sie im Bereich der Wartungskosten jährlich zwischen 20.000 und 30.000 Euro, weiß Guido Blome von der Stadtverwaltung.

Auch Hamburg hat ein browserbasiertes Geoportal mit Open Source entwickelt. Es lässt nach Worten von Katharina Lupp vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg auch eine Suche nach naturräumlichen Einheiten wie "Altes Land" zu oder nach administrativen Einheiten wie Kreise, Bezirke und Straße/Hausnummer. Künftig soll der Dienst auch auf Anfragen wie "in welchem Stadtteil liegt die Koordinate xy?" antworten.

GIS-Experte Klaus Greve setzt für die Zukunft auf Kartenlösungen, die jeder über das Web für seine Zwecke einstellen kann: "Die Menschen interessiert nämlich nicht, wie hoch etwa die Ozonwerte in einem Bundesland sind, sondern wie hoch sie vor ihrer eigenen Haustüre sind." Spätestens in fünf Jahren, meint Greve, kann sich dann jeder sein eigenes, kleines Vorort-Lagebild basteln.

Christiane Schulzki-Haddouti, ddp