Funkausstellung 2006: Branche feiert IFA als Erfolg - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Funkausstellung 2006 Branche feiert IFA als Erfolg

Die in diesem Jahr erstmals im Jahresrhythmus stattfindende Funkausstellung versetzt die Branche in Hochstimmung. Zwar gab es keine Besucherrekorde, dafür aber deutlich mehr Vertragsabschlüsse als im Vorjahr. Vor allem das Geschäft mit flachen TV-Geräten boomt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die weltgrößte Branchenschau erweist sich zwar nicht als Quelle umwerfender Neuheiten, aber immerhin als als Goldgrube für die Firmen. Viele der 1.049 Aussteller aus 32 Ländern kehren mit übervollen Auftragsbüchern heim. Aussteller und Veranstalter der Internationalen Funkausstellung (IFA) haben heute eine positive Bilanz der neuerdings jährlich stattfindenden Unterhaltungselektronik-Messe gezogen.

"Wir sind sehr zufrieden, unsere Erwartungen sind übertroffen worden", sagte der Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), Roland Stehle, am letzten Messetag am heutigen Mittwoch in Berlin. Das Ziel der Aussteller sei erreicht. Dies gelte sowohl für die Besucherzahl als auch für die Umsätze.

Nach der vorläufigen Bilanz lag das Auftragsvolumen der bei der weltgrößten Ordermesse für Unterhaltungselektronik abgeschlossenen Aufträge deutlich über 2,5 Milliarden Euro.

Rekorde bei den Besucherzahlen wurden auf der IFA nicht gefeiert. Glanzzeiten mit einem Ansturm von mehr als 400.000 Besuchern scheinen vorbei zu sein. Bei der IFA im vergangenen Jahr musste ein Rückgang von zehn Prozent auf knapp 250.000 Gäste verkraftet werden. In diesem Jahr strömten an den fünf Messetagen 225.000 Besucher in die Hallen - knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich stieg aber der Anteil ausländischer Fachbesucher von 25 auf 35 Prozent.

Der durchaus riskante Wechsel vom früheren Zweijahresrhythmus zur jährlichen IFA sei vollständig geglückt, sagte Christian Göke, Geschäftsführer der ausrichtenden Messe Berlin. Das Ordervolumen werde das der vorjährigen IFA, die mit 2,5 Milliarden Euro schloss, um zehn bis zwanzig Prozent übertreffen. Das Konzept, die Messe auf Unterhaltungselektronik für Verbraucher zu konzentrieren, habe sich bewährt. Die ersten Gespräche mit Ausstellern für die IFA im nächsten Jahr stimmten mehr als hoffnungsfroh, fügte Göke hinzu.

Gefragt sind vor allem großformatige LCD- und Plasma-Fernseher. Zur Freude der Industrie greifen die Käufer dafür auch tiefer in die Tasche. "Während früher die Standardgröße 32 Zoll war, geht es über 37 jetzt zu teureren Displays mit 42-Zoll-Diagonale (100 Zentimeter)", sagte Klaus Petri von Philips. "Für 42-Zoll-Fernseher erwarten wir 2007 eine Nachfragesteigerung von 1.000 Prozent", meinte Martin Bergmann von Sharp.

Ein Effekt der Mehrwertsteuer?

An den Ständen gaben sich die Händler die Klinke in die Hand. Auch bei Loewe lief das Geschäft besser als erwartet. "Es gab eine sehr gute Nachfrage aus dem In- und dem Ausland", sagte Sprecher Roland Raithel. Auch bei Philips seien die hochgesteckten Ziele erreicht worden. Die anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer könnte ein Grund für die allgemein gute Nachfrage sein. Allerdings würden drei Prozent Anhebung durch einen zweistelligen Preisverfall vor allem für TV- Geräte über das Jahr mehr als aufgefangen, hieß es auf der IFA.

Für Privatbesucher bot die Schau die Möglichkeit, modernste Technik, die es in den Geschäften noch gar nicht oder nur in geringer Stückzahl gibt, unter die Lupe zu nehmen. Beispielsweise Blu-ray- und HD-DVD-Player, die hochauflösende Videos wiedergeben. Kombiniert mit einem Beamer, der die volle HD-Auflösung unterstützt, konnte man so einen guten Eindruck vom Heimkino der Zukunft bekommen.

Am Stand der Telekom konnte man das Prestigeprojekt IPTV besichtigen - und alle Funktionen, wie Pay-TV, Video on Demand und den Abruf von Videos aus dem Archiv ausprobieren. IPTV ist Teil der Triple-Play-Strategie des Konzerns, die den Kundenschwund im Festnetzbereich stoppen soll. Was man am Telekom-Messestand zu sehen bekam, unter anderem auch die HD-Programme von Premiere und Bundesligaspiele in HD (abrufbar über das Archiv), war ganz ordentlich. Nur beim Preis werden manche Kunden wohl schlucken: Das Paket wird fast 100 Euro kosten, je nach ausgewähltem Pay-Angebot sogar deutlich mehr.

Einen kleinen Skandal hatte die IFA auch: Am Stand von Sandisk ließ ein italienischer Hersteller MP3-Player beschlagnahmen. Hintergrund ist ein Patentstreit über die MPEG-Audio-Technik. Sandisk weigert sich bislang, Gebühren an Patentinhaber zu entrichten.

hda/AFP/dpa

Mehr lesen über